Brandenburgs neuer Bildungsminister signalisiert Offenheit für Reform der Lehrerverbeamtung
Der frisch ernannte CDU-Bildungsminister von Brandenburg, Gordon Hoffmann, wird erstmals an der anstehenden Bildungsministerkonferenz teilnehmen und bringt eine kontroverse Debatte mit. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens, ebenfalls von der CDU, hat einen Vorstoß zur Abschaffung der Lehrerverbeamtung auf mittlere Sicht initiiert – eine Forderung, die in Brandenburg durchaus auf offene Ohren stößt.
Positive Bewertung mit entscheidender Einschränkung
Das Bildungsministerium in Potsdam teilte auf Anfrage mit, dass Minister Hoffmann dem Ansinnen seines sächsischen Kollegen grundsätzlich positiv gegenüberstehe. Allerdings betonte das Ministerium eine entscheidende Bedingung: Ein solcher Schritt wäre nur dann erfolgversprechend, wenn er von allen Bundesländern gemeinsam gegangen würde. Diese Forderung nach bundesweiter Einheitlichkeit stellt sich als schwierige Hürde dar, da Bildungspolitik in Deutschland Ländersache ist und bisherige Reformen oft fragmentiert verliefen.
„Lehrkräfte im Angestelltenverhältnis zu beschäftigen, ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 19. September 2007 rechtlich möglich und mit dem Grundgesetz vereinbar“, ließ Hoffmann aus seinem Haus mitteilen. Gleichzeitig räumte er ein: „Doch macht das Angebot der Verbeamtung den Lehrerberuf attraktiver und ist ein gewichtiges Argument bei der Gewinnung von Nachwuchslehrkräften und Seiteneinsteigenden.“
Statistische Realität und finanzielle Argumente
Die aktuelle Situation in Brandenburg zeigt bereits eine gemischte Beschäftigungsstruktur. Im Schuljahr 2025/2026 sind laut Ministeriumsangaben 31,1 Prozent aller Lehrkräfte im Schuldienst des Landes Tarifbeschäftigte und keine Beamte. Das entspricht 6.792 Lehrkräften, darunter 19,7 Prozent Seiteneinsteiger. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2020/21 lag der Anteil der Tarifbeschäftigten noch bei 24,2 Prozent – ein deutlicher Anstieg innerhalb weniger Jahre.
Sachsens Kultusminister Clemens begründet seinen Vorstoß mit der angespannten Finanzlage der öffentlichen Haushalte und den hohen Rückstellungen für die Altersvorsorge der Beamten. „Zur Ehrlichkeit gehört, dass wir uns auf Dauer eine breite Verbeamtung bei dem Bedarf an Lehrkräften nicht mehr leisten können. Die Belastung der Haushalte ist einfach zu hoch“, erklärte er. Sachsen hatte erst 2019 mit der Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern begonnen – ein vergleichsweise später Schritt im bundesweiten Kontext.
Divergierende Positionen und politische Realitäten
Während Brandenburg und Sachsen eine Debatte anstoßen, zeigt sich Berlin unter Senatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) deutlich reservierter. Die Hauptstadt sieht keinen Grund für eine neue Diskussion, nachdem Berlin 2023 nach 18 Jahren Unterbrechung zur Verbeamtung von Lehrkräften zurückgekehrt war. In allen anderen Bundesländern war die Verbeamtung damals bereits Standard – ein Fakt, der die Komplexität einer bundesweiten Reform unterstreicht.
Die gesellschaftlichen Positionen zu diesem Thema sind ebenfalls gespalten. Der Lehrerverband argumentiert, dass die Verbeamtung besondere Verfassungstreue in Zeiten extremistischer Bedrohungen bedeute – ein Sicherheitsaspekt, der in der aktuellen politischen Landschaft an Gewicht gewinnt. Demgegenüber drängt der Bund der Steuerzahler mit Hinweis auf die angespannten öffentlichen Haushalte darauf, weniger Menschen zu verbeamten.
Die Bildungsministerkonferenz am Donnerstag wird sich auf Wunsch Sachsens mit diesem Thema befassen. Obwohl über die Frage, ob Lehrkräfte Beamte sein müssen, regelmäßig gestritten wird, könnte der Vorstoß aus Sachsen und die offene Haltung Brandenburgs eine neue Dynamik in die bundesweite Diskussion bringen – vorausgesetzt, die schwierige Bedingung der Einheitlichkeit findet ausreichend Unterstützung.



