Deutsche Historiker erhalten erweiterten Zugang zu ukrainischen Sicherheitsarchiven
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten intensiviert ihre historische Forschung durch eine neue Kooperationsvereinbarung mit dem Historischen Archiv des Sicherheitsdienstes der Ukraine. Die Unterzeichnung fand in der ukrainischen Botschaft in Berlin statt und markiert einen bedeutenden Schritt für die deutsch-ukrainische Geschichtsforschung.
Vertiefte Zusammenarbeit bei sensiblen Themen
Die Vereinbarung ermöglicht Wissenschaftlern der Brandenburger Gedenkstättenstiftung einen direkten Zugang zu Archivbeständen des ukrainischen Sicherheitsdienstes. Diese Dokumente beleuchten sowohl die Zeit des Nationalsozialismus als auch die sowjetische Besatzungszone und die DDR-Ära. Besonderer Fokus liegt auf Forschungen zu Konzentrationslagern und Haftorten in Sachsenhausen, Ravensbrück, Lieberose, Brandenburg/Havel sowie der Leistikowstraße in Potsdam.
Die Kooperation umfasst darüber hinaus Untersuchungen zur Militärspionageabwehr der Roten Armee, zum ukrainischen Ministerium für Staatssicherheit und zum ukrainischen Kommissariat für Staatssicherheit. Diese Themenbereiche waren bisher nur eingeschränkt zugänglich und versprechen nun neue Erkenntnisse für die historische Forschung.
Wissenschaftlicher Austausch und Solidaritätsbekundung
Neben dem Archivzugang sieht der Vertrag einen regelmäßigen institutionellen Austausch vor. Geplant sind gemeinsame Konferenzen, Seminare, Weiterbildungsprogramme und Publikationen. Stiftungsdirektor Axel Drecoll betonte, dass diese Zusammenarbeit auch als gelebte Solidarität mit den ukrainischen Forschern zu verstehen sei, die täglich unter den Bedrohungen des russischen Angriffskrieges arbeiten.
„Trotz der schwierigen Bedingungen infolge des Krieges haben wir bei bisherigen Rechercheanfragen stets große Unterstützung erfahren“, erklärte Drecoll. „Wir freuen uns darauf, diese gewachsene Kooperation auszubauen und zu intensivieren.“
Neue Perspektiven für die Geschichtsforschung
Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev äußerte die Hoffnung, dass die engeren Beziehungen zwischen beiden Institutionen dazu beitragen werden, historische Fakten künftig noch stärker auf der Grundlage ukrainischer und deutscher Quellen gemeinsam zu erforschen. Ein solcher direkter Zugang zu Archiven könne historische Entwicklungen differenzierter verständlich machen und die deutsche Geschichtsforschung von jahrzehntelang prägenden russischen Deutungsmustern lösen.
Die Vereinbarung stellt somit nicht nur einen fachlichen Fortschritt dar, sondern auch ein politisches Signal der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine in schwierigen Zeiten. Beide Seiten hoffen, dass die Forschungsarbeit bald unter friedlichen und sicheren Bedingungen weitergeführt werden kann.



