Brandenburgs Gastrokönig „Redo“: Vom Imbisswagen zum Social-Media-Star mit Mallorca-Traum
René Dost, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Redo“, sitzt an einem Morgen in seinem Café am Potsdamer Luisenplatz und blickt konzentriert auf sein Tablet. Umgeben von einem Frühstück mit drei Eiern, zwei Brötchen, Wurstaufschnitt und Käse erzählt der Brandenburger Großgastronom lebhaft von seinem außergewöhnlichen Werdegang. Mit nur 22 Jahren startete er mit einem einfachen Imbisswagen und avancierte später zum XXL-Schnitzelkönig und einem echten Social-Media-Phänomen.
„Redo“ als Marke: Extrovertiert und erfolgreich
Schon lange vor seinem Durchbruch in den Sozialen Netzwerken war „Redo“ in Potsdam und der umliegenden Region ein bekannter Name. Heute inszeniert er sich als Marke – als energiegeladener, etwas überdrehter und stets gut gelaunter Besitzer einer Gastrokette. „Du musst einfach einen USP setzen“, betont er immer wieder, einen sogenannten Unique Selling Point, also ein Alleinstellungsmerkmal.
Dieses Alleinstellungsmerkmal ist sein extrovertiertes Auftreten und sein extravaganter Stil. Behängt mit zahlreichen Armbändern, Ketten, Ohrringen und glitzernder Kleidung tanzt er vor der Kamera, schimpft über faule Mitarbeiter, verschenkt Kopfhörer oder steht mit der Grillzange fuchtelnd in seinem Foodtruck. Dabei scheint er sich keine allzu großen Gedanken darüber zu machen, was er in die Kamera spricht und wie er es verpackt. „Also wir machen alles so aus der Lamäng raus“, erklärt er lässig.
Social-Media-Ruhm befeuert das Geschäft
Doch hinter der schrillen Fassade steckt ein cleverer Geschäftsmann. „Ich hatte gar nicht auf dem Ticker, welch wichtige Währung heute Social Media überhaupt ist“, gesteht Dost. Das Drehen der kurzen Instagram- und TikTok-Posts mache ihm zwar Spaß und er versuche, Positivität auszustrahlen, aber letztlich profitiere auch sein Geschäft von seinem neuen Social-Media-Ruhm. Die über eine Million Follower bei Instagram und TikTok würden seine Gastro-Unternehmen „absolut“ fördern.
Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) erkennt die enorme Bedeutung von Social Media in der Gastronomie an. „Wenn man sich als Gastronom gut aufstellen will, kommt man daran nicht mehr vorbei“, sagt Olaf Lücke, Geschäftsführer des Dehoga in Brandenburg. Er könne nur jedem empfehlen, ein solches Image und eine Marke aufzubauen und Interesse für den Betrieb zu wecken – auch wenn das mitunter viel Zeit in Anspruch nehme.
Mit seinen Videos setzt sich „Redo“ jedoch auch der Kritik aus. Einige Zuschauer machen sich über seine überdrehten Auftritte lustig, in den Kommentarspalten wird sogar über angeblichen Drogenkonsum spekuliert. „Ich habe noch nie Drogen genommen“, beteuert „Redo“ entschieden. Seit Neuestem erreichen den Gastronomen zudem immer wieder Fake-Bestellungen in seinen Restaurants, was er ebenfalls in seine Videos einfließen lässt.
Holpriger Start und Aufstieg zum Gastro-Imperium
René Dost hat über die Jahre gelernt, sich durchzubeißen und flexibel zu bleiben. Seine Eltern führten in Ketzin bei Potsdam ein Lokal. „Ich bin praktisch am Tresen aufgewachsen mit einer Cola in der Hand. Meine Eltern hatten wenig Zeit für mich“, erinnert er sich. Mit 22 Jahren kaufte er kurz nach der Wende seinen eigenen Imbisswagen – allerdings ohne einen festen Stellplatz. Der Verkäufer habe ihn betrogen, so Dost. Plötzlich stand er mit einem „Haufen Schulden“ da.
Dennoch durfte er den Imbisswagen noch ein Jahr auf dem alten Standplatz betreiben, wo das Geschäft deutlich besser lief. „Ich habe schon so verrückte Sachen gemacht, Schnitzel überbacken, Hamburger. Ich hatte von jedem toten Deibel irgendwas und alle haben mich geliebt“, erzählt er schmunzelnd. Nach diesem Jahr zog er mit dem Wagen auf sein eigenes Grundstück, doch das Geschäft brach ein. Er sattelte um und wurde zum Liefer- und Partyservice. „Ich habe wieder Geld verdient“, berichtet er.
Sein Antrieb sei immer gewesen, den Laden am Laufen zu halten und irgendwie die Rechnungen begleichen zu können. „Das ist die alte Schule von meinen Eltern, und dann stehst du mit dem Rücken an der Wand und fragst dich, wie du dir überhaupt irgendwas kaufen sollst“. Mit diesem Credo und viel Fleiß schaffte es Dost, sich dauerhaft als Gastronom zu etablieren. „Ich kann mit Stolz sagen, ich bin jetzt 35 Jahre lang Unternehmer mit derselben Steuernummer“.
Millionen-Umsatz und der Traum von Mallorca
Heute erwirtschaftet Dost nach eigenen Angaben mit seinem kleinen Gastro-Imperium, das 40 Geschäftsbereiche umfasst, rund 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Aus seinem XXL-Restaurant in Ketzin wurde eine erfolgreiche Kette. Dazu kommen weitere Restaurants, Cafés und ein Hotel am Motzener See. Allein in der Landeshauptstadt Potsdam betreibt er zehn Läden, darunter das bekannte Café Heider in der Innenstadt, das es seit 1878 gibt.
Beim Gespräch mit Dost drängt sich die Frage auf, auf welches Ziel er eigentlich hinarbeitet. Seit Jahren drehe sich sein Leben fast ausschließlich um die Gastronomie. „Ich habe so 99,9 Prozent Arbeit und 0,1 Prozent Privatleben“, gesteht er. Seinen Reichtum trägt Dost gerne nach außen, fährt einen Maybach und wohnt in bester Lage am Potsdamer Jungfernsee. Doch das sei nicht sein Antrieb, betont er.
„Ich möchte einfach nur frei sein, ich bin privat total glücklich, ich habe alles“. Zudem wolle er „nur Wertschätzung für die Gastronomie“ – für die Menschen, die sich in diesem oft undankbaren Gewerbe den Arsch aufreißen.
Und dann bleibt für Dost noch ein kleiner privater Traum: „Wenn es richtig toll ist, würde ich gerne irgendwas Kleines auf Mallorca haben“. Einen kleinen Laden und einen Rückzugsort, wo er sich keine Gedanken darüber machen müsste, noch einen Koffer zu packen. „Sondern ich möchte einfach nachmittags sagen: 'Wisst ihr was, das ist mir viel zu kalt. Ich haue jetzt mal ab.' Und dann bin ich einfach mal kurz weg“.
Der Großgastronom René Dost will seine Reichweite in den Sozialen Netzwerken weiter vergrößern und träumt dabei von sonnigen Tagen auf der spanischen Insel.



