Kuscheltier-Wand als Mahnmal: Potsdamer Künstler kämpft für Kinderrechte
Potsdam. Eine ungewöhnliche Kunstinstallation sorgt derzeit vor dem Potsdamer Landtag für Aufsehen: Rund 5.000 Kuscheltiere sind zu einer eindrucksvollen Wand aufgetürmt. Initiator ist der 30-jährige Künstler Martin Schüler aus Cottbus, der mit dieser Aktion ein deutliches Zeichen für den Kinderschutz setzen möchte.
Persönliche Motivation: Vom Kinderheim zur Kunstaktion
„Ich war einer von denen, die eigentlich nur Anschluss an diese Welt bekommen haben, weil es Hilfen gab“, erklärt Schüler den zahlreichen Kindern, die neugierig seine Installation auf dem Alten Markt bestaunen. Der Künstler beugt sich zu ihnen hinunter und sagt mit Nachdruck: „Diese Kuscheltiere sollen ein Zeichen dafür sein, dass man sich gut um euch kümmern soll.“
Schülers Engagement speist sich aus seiner eigenen Biografie. „Ich bin selber im Kinderheim aufgewachsen. Und ich war auf einer Förderschule“, berichtet er offen. Zu seinen Eltern stehe er heute im guten Kontakt, doch seine Erfahrungen hätten ihn geprägt. „Es ist wichtig, dass in entscheidenden Momenten Menschen hinschauen und helfen“, betont der Künstler nachdrücklich.
Forderung nach mehr gesellschaftlicher Aufmerksamkeit
„Meine Forderung ist mehr Hinsehen“, beschreibt Schüler seine Mission. Die aktuellen Zahlen zu Kindeswohlgefährdungen und Missbrauchsfällen beunruhigten ihn zutiefst. „Es geht vor allem auch darum, dass wir den normalen Menschen auf der Straße klarmachen: Wir sind die Gesellschaft!“
Der Künstler betont die gemeinsame Verantwortung: „Man muss füreinander einstehen.“ Aus dieser Überzeugung heraus startete er seinen Aufruf, sammelte tausende Kuscheltiere und initiierte die Kunstaktion mitten in Potsdam, um ins Gespräch zu kommen. Auch mehrere Landtagsabgeordnete unterstützten das Projekt mit Spenden.
Kuschelkatze im Parlament und politische Gespräche
Eigentlich hatte sich Schüler eine noch deutlichere Geste gewünscht: „Ich wollte, dass die Abgeordneten die Kuscheltiere mit zur Landtagssitzung in den Saal nehmen – als sichtbares Zeichen für den Kinderschutz.“ Dieses Vorhaben ließ sich zwar nicht realisieren, doch der Künstler erhielt Zugang zum Parlamentsgebäude.
„Vorhin hat man mich mitgenommen in den Landtag und zumindest meine eigene Kuschelkatze durfte ich mit reinnehmen“, berichtet Schüler nicht ohne Stolz. Er habe an einem Tisch mit Abgeordneten gesessen und konstruktive Gespräche geführt. Selbst Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke schaute bei der Installation vorbei und zeigte Interesse.
Kritik an politischen Grabenkämpfen und Ausblick
Bei den Gesprächen konnte Schüler einen wichtigen Punkt anbringen: „Wenn teilweise Grabenkämpfe entstehen, wo Finanzierung immer wieder auf der Kippe steht, dann macht mich das unglaublich traurig.“ Der Künstler bezieht sich dabei auf die oft unsichere Finanzierung von Hilfsprojekten und Schutzmaßnahmen für Kinder.
Martin Schüler kündigt entschlossen an: „Ich will wieder kommen – im Kampf um Kinderschutz und Kinderrechte.“ Seine Kunstaktion mit den 5.000 Kuscheltieren ist somit nur der Anfang eines längerfristigen Engagements, das gesellschaftliche Aufmerksamkeit für vulnerable Kinder schaffen will.



