Michael Müller warnt vor Dreier-Koalitionen in Berlin: „Eine andere politische Welt“
Müller: Dreier-Koalitionen in Berlin sind schwierig

Michael Müller warnt vor Dreier-Koalitionen in Berlin: „Eine andere politische Welt“

Berlins früherer Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat sich in einem aktuellen Interview deutlich skeptisch zu möglichen Dreier-Koalitionen nach der anstehenden Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses geäußert. Der erfahrene Politiker, der selbst von 2014 bis 2021 an der Spitze der Hauptstadt stand, hält Bündnisse aus drei Parteien grundsätzlich für äußerst schwierig und verweist dabei auch auf die Erfahrungen der Bundesregierung.

„Lindner, Habeck, Scholz sind ja keine Doofen“

„Wir haben es sogar auf Bundesebene gesehen mit der Ampel: Eine Dreierkonstellation ist eine andere politische Welt“, erklärte Müller der Deutschen Presse-Agentur. Der Sozialdemokrat betonte dabei ausdrücklich: „Lindner, Habeck, Scholz sind ja keine Doofen, sondern erfahrene Profis – und sie haben es nicht hinbekommen.“ Diese Aussage unterstreicht seine grundsätzliche Skepsis gegenüber komplexen Regierungsbündnissen, die seiner Erfahrung nach zu besonderen Herausforderungen führen.

Berlin wählt am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus, und Müller rechnet bis zum Wahltag noch mit viel Bewegung im politischen Kräftefeld. „Aber es sieht so aus, dass vieles auf eine Dreierkonstellation hindeutet. Und das ist ein schwieriges Regieren, die Erfahrung habe ich selbst gemacht“, so der ehemalige Regierungschef, der diese Aussage aus eigener politischer Praxis untermauern kann.

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Persönliche Erfahrungen mit rot-rot-grüner Koalition

Michael Müller war von 2014 bis 2021 Regierender Bürgermeister von Berlin: zunächst von 2014 bis 2016 in einem Senat aus SPD und CDU, ab 2016 dann an der Spitze einer rot-rot-grünen Koalition mit der SPD als stärkster Partei. Seit 2023 regieren in der Hauptstadt wieder CDU und SPD gemeinsam in einer Zweier-Koalition.

„Es ist in einem Dreierbündnis ganz schwer zu regieren, weil sie sofort diese Situation haben: zwei gegen einen, zwei kleine gegen den Großen oder wie auch immer“, beschreibt Müller die strukturellen Probleme solcher Konstellationen. Diese Dynamik erschwere effektives Regierungshandeln erheblich und führe oft zu Blockaden und Kompromissfindungsproblemen.

Besondere Herausforderungen mit heutiger Linkspartei

Der Ex-Regierungschef, der mehr als ein Vierteljahrhundert in der Berliner Landespolitik aktiv war, sieht besondere Schwierigkeiten bei einer möglichen Koalition mit Linken und Grünen in der heutigen politischen Landschaft. „Eine Koalition mit Linken und Grünen wäre in Berlin heute sogar noch viel schwieriger. Es gibt eine politische Nähe und politische Schnittstellen, aber die Linkspartei heute ist eine andere, als ich sie kennengelernt habe“, analysiert Müller.

Er begründet diese Einschätzung mit der Entwicklung der Partei: „Es ist eine Linkspartei, die geprägt ist von Aktivisten aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen, und das ist dann auch ein schweres Regieren.“ Diese Veränderung in der Parteistruktur und -kultur erschwere nach Müllers Einschätzung stabile Regierungsarbeit zusätzlich.

Knappe Umfragewerte machen Wahl spannend

Entscheidend in einer möglichen Dreier-Koalition sei die Frage der Führungsrolle: „Wer hat die Nase vorne? Das wird auch nicht einfach, so eng wie die Parteien in den Umfragen beieinanderliegen“, sagte Müller. Die aktuellen Umfragedaten bestätigen diese Einschätzung des erfahrenen Politikers voll und ganz.

„Da macht vielleicht ein einziges Prozent den Unterschied, wer ins Rote Rathaus einzieht. Also diesmal wird es wirklich spannend“, prognostiziert Müller mit Blick auf die anstehende Wahl. Diese Aussage unterstreicht die besondere Dynamik des Berliner Wahlkampfes, bei dem kleinste Verschiebungen große Auswirkungen haben können.

Aktuelle Umfragen zeigen enges Rennen

Bei den jüngsten Umfragen hatten CDU und SPD in Berlin keine Mehrheit mehr. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von „Bild“ liegt die CDU mit 22 Prozent in Berlin vorn, gefolgt von der AfD mit 17 Prozent. Dahinter kommen die SPD mit 16 Prozent sowie Grüne und Linke mit jeweils 15 Prozent.

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Auch bei zwei Erhebungen anderer Institute lag die CDU im Januar mit 22 Prozent vorn. SPD, Linke, Grüne und AfD bewegten sich in unterschiedlicher Reihenfolge alle in einem Bereich zwischen 14 und 18 Prozent. Diese engen Abstände zwischen den Parteien verdeutlichen, warum Dreier-Koalitionen nach der Wahl wahrscheinlich erscheinen – und warum Michael Müller diese Entwicklung mit großer Skepsis betrachtet.

Der ehemalige Regierende Bürgermeister bringt mit seinen Aussagen nicht nur seine persönlichen Erfahrungen ein, sondern weist auch auf strukturelle Probleme hin, die unabhängig von den konkreten politischen Akteuren bestehen. Seine Warnungen vor den Herausforderungen von Dreier-Koalitionen gewinnen vor dem Hintergrund der aktuellen Umfragewerte besondere Relevanz für die politische Zukunft der deutschen Hauptstadt.