Poliklinik als Erfolgsgeschichte: 24 Millionen Euro für Wittstocks Gesundheitswende
Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) hat die geplante Errichtung einer Poliklinik als Ersatz für das schließende KMG-Klinikum in Wittstock als wegweisendes Erfolgsprojekt gewürdigt. Trotz der anfänglichen Schließungsankündigung entwickelt sich in der Kleinstadt in Ostprignitz-Ruppin eine innovative Lösung für die medizinische Grundversorgung.
Gemeinsames Engagement trotz Skepsis
„Mit dem, was in Wittstock geschieht, haben wir einen ersten Fall, der zeigt, dass Dinge mit viel Engagement, Gemeinsinn und dem Beitrag verschiedener Akteure in die richtige Richtung entwickelt werden können“, betonte Minister Wilke während einer Sitzung des Gesundheitsausschusses des Potsdamer Landtags. Er räumte ein, dass die geplante Poliklinik nicht dem „Anfangstraum aller Wittstocker“ entspreche, aber sowohl städtebauliche als auch versorgungstechnische Probleme adäquat lösen werde.
Nach der Ankündigung der KMG-Kliniken, den Standort zu schließen, hätten sich verschiedene Akteure zusammengefunden, um praktikable Alternativen zu entwickeln. „Die Lösung ist nicht der Anfangstraum aller Wittstocker“, so Wilke, „aber sie löst eine städtebauliche Problemstellung ebenso wie ein Versorgungsproblem.“
Finanzierung und Planung der neuen Einrichtung
Wie bereits von der früheren Gesundheitsministerin Britta Müller (parteilos) angekündigt, investiert das Land Brandenburg nach der Schließung des Klinikums rund 24 Millionen Euro in die neue Poliklinik. Die Stadt Wittstock steuert zusätzlich etwa drei Millionen Euro bei. Bis zum Jahr 2030 soll im historischen „Produktionsgebäude 1905“ eine von der „OGD Ostprignitz-Ruppiner Gesundheitsdienste“ betriebene Poliklinik entstehen.
Die OGD ist eine Tochtergesellschaft des Universitätsklinikums Ruppin-Brandenburg der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB). Parallel zur Poliklinik-Errichtung soll die bestehende Rettungswasse in Wittstock aufgestockt werden, während einzelne Fachrichtungen weiterhin durch Praxen der KMG-Kliniken abgedeckt werden.
Arztsitze und Versorgungsangebot
Michael Zaske, Leiter der Abteilung Gesundheit im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, erläuterte im Ausschuss konkrete Planungen: Bereits in diesem Jahr sollen neun Arztsitze für Wittstock geschaffen werden, darunter:
- Allgemeinmedizin
- Augenärzte
- Frauenärzte
- Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
- Nervenärzte
- Urologen
In den kommenden Jahren würden weitere Arztsitze in ähnlichen Größenordnungen hinzukommen. „Quantitativ wird der Versorgungsumfang in Wittstock attraktiv“, sagte Zaske. „Die neue Poliklinik wird ein attraktives Angebot, ein Anziehungspunkt für die ambulante Versorgung am Ort.“
Politische Kontroversen um Finanzierung
Während die Landesregierung das Projekt feiert, gibt es auch kritische Stimmen. Die AfD-Gesundheitspolitikerin Daniela Oeynhausen kritisierte, dass für die Neugestaltung der Versorgung in Wittstock auch Gelder aus dem Krankenhausstrukturfonds fließen. „Millionen Versicherungsgelder werden zweckentfremdet, um eine Versorgung noch zu verschlechtern“, monierte sie.
Die SPD-Gesundheitspolitikerin Jouleen Gruhn verwies hingegen auf die strukturellen Gründe für die Klinikschließung: Die Einrichtung in Wittstock werde geschlossen, weil sie nach den Vorgaben der Krankenhausreform des Bundes keine Leistungsgruppen mehr erhalten würde. Das Poliklinik-Projekt stelle somit eine notwendige und zukunftsweisende Alternative dar.
Minister Wilke bleibt optimistisch: „Mit dem, was in Wittstock gelungen ist, kann man sagen, wenn wir da weiter dranbleiben, kann da etwas wirklich gutes und sinnhaftes geschehen.“ Die Poliklinik soll nicht nur die medizinische Versorgung sichern, sondern auch als Modell für ähnliche Herausforderungen in anderen Regionen Brandenburgs dienen.



