Mecklenburg-Vorpommern ist ein ideales Revier zum Radfahren, die Landeshauptstadt Schwerin ist es jedoch weniger. Das Kopfsteinpflaster der Altstadt fordert Mensch und Material, und das Ausweichen auf Bürgersteige scheitert oft an schmalen Gehwegen oder Fußgängerzonen. Kluge Radler schieben ihr Rad besser durch das historische Zentrum.
Schwerin: Kleinste Landeshauptstadt mit langer Tradition
Mit knapp 99.000 Einwohnern (Stand 2022) ist Schwerin die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands und die einzige Nicht-Großstadt. Seit dem Mittelalter dient sie durchgehend als Regierungssitz – zunächst der Herzöge, dann der DDR-Nomenklatura und seit 1990 des demokratisch gewählten Landtags.
Ausgangs- und Endpunkt der Radtour ist der Hauptbahnhof. Vom Bahnhofsvorplatz geht es die kleine Straße Zum Bahnhof hinab zum Pfaffenteich. Typisch für Schwerin: viel Wasser mitten in der Stadt. Offiziell spricht man von der Stadt der sieben Seen, bei genauem Hinsehen kommt sogar ein Dutzend zusammen.
Sehenswürdigkeiten in der Altstadt
Eilige Radler können sich vom Pfaffenteich direkt zum Schloss durchwursteln. Andere genießen die Altstadt mit ihren imposanten Bauwerken. Die Tourist-Information am Markt unterhalb des Doms bietet Informationen. Der Domturm mit 117,5 Metern ist der höchste Kirchturm Ostdeutschlands und kann bestiegen werden. Ein Bummel durch Puschkin- und Münzstraße mit originellen Geschäften, Galerien und Handwerkern ist empfehlenswert.
Das Schloss Schwerin, auf einer Insel gelegen, fußt auf einer slawischen Burganlage aus dem Jahr 965. Seine heutige Form erhielt es Mitte des 19. Jahrhunderts nach Vorbild französischer Renaissanceschlösser. Heute beherbergt es den Landtag, Restaurants und ein Museum. Bootspartien mit der Weißen Flotte sind ebenfalls möglich.
Die Route: Entlang der Seen
Vom Schloss führt der Weg durch den Schlossgarten, der durch die Bundesgartenschau 2009 berühmt wurde. Es geht nach Zippendorf, Schwerins größtem Strandbad, vorbei an Bootshäusern, Gaststätten, Tennisplätzen, Villen, Zoo und Kletterwald. Im Ortsteil Mueß zeigt das Volkskundemuseum das Dorfleben vergangener Tage. Am Ortsausgang gibt es das bekannte Softeis aus DDR-Zeiten.
Am Abzweig nach Raben Steinfeld erinnert ein Mahnmal an die Todesmärsche zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Tour folgt dem Radweg an der Bundesstraße 321 bis zu einem Buswartehäuschen, wo links eine Anliegerstraße nach Pinnow abbiegt. Vom Friedhof an der Dorfkirche ist der Pinnower See zu sehen, der die Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee markiert. Sein glasklares Wasser lädt zum Baden ein. In Godern gibt es ein Strandbad mit Liegewiese, Bootsverleih und Imbiss.
Wiligrad: Rhododendren und Kunst
Das nächste Ziel ist Leezen jenseits der Autobahn 14. Westlich zieht die Silhouette Schwerins vorüber. Kurz nach der Ampel in Rampe beginnt der Paulsdamm, der den Schweriner See zweiteilt. Am Verbindungskanal steht das Gasthaus „Seewarte“. Die Tour biegt rechts ab nach Wickendorf, wo der Endspurt beginnt: Vorbei an Siedlungen wie Seedorf, Hundorf und Lübstorf führt der Weg nach Wiligrad. Hohe Laubbäume beschirmen die letzten anderthalb Kilometer.
Das Schloss-Ensemble aus Haupthaus, Stall- und Wirtschaftsgebäuden und Gärtnerei liegt wie ein kleines Dorf im Wald am Steilufer. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts für Herzog Johann Albrecht erbaut. Der Schlosspark ist berühmt für seine Rhododendren. Die Farben Weiß, Rot und Schwarz zitieren das Deutsche Kaiserreich. Nach der Wende zog ein Kunstverein ein, der jährlich mehrere Ausstellungen veranstaltet. Vom Bahnhof Lübstorf fahren Züge zurück nach Schwerin.
Praktische Informationen
- Streckenlänge: 42 Kilometer auf dem Rad, Rückfahrt mit dem Regionalzug ab Lübstorf in sieben Minuten zum Hauptbahnhof Schwerin.
- Profil: 138 Höhenmeter bergab, 149 Höhenmeter bergauf. Maximal drei anspruchsvolle Anstiege.
- Beschaffenheit: Gut ausgeschildert, überwiegend Radwege parallel zur Straße, kurze Abschnitte auf asphaltierten Landstraßen.
- Extra-Tipp: Wer noch Zeit und Kraft hat, kann die Tour verlängern: nach Bad Kleinen (plus fünf Kilometer), Dorf Mecklenburg (plus zehn Kilometer) oder Wismar (plus sieben Kilometer) – dort gibt es ebenfalls Regionalzüge.
Badezeug gehört unbedingt ins Gepäck. Die Tour bietet eine perfekte Mischung aus Kultur, Natur und Erholung.



