Wasserortung wird zum Schwerpunkt der Rettungshundestaffel „Vier Tore“
Einsätze auf dem Wasser gelten den Rettungskräften als besonders belastend, da Hilfe für Vermisste oft zu spät kommt. Die Rettungshundestaffel „Vier Tore“, eine Einheit der Malchiner Feuerwehr, wird immer öfter zu Gewässern in weiten Teilen des Landes gerufen. „Die Wasserortungseinsätze haben im vergangenen Jahr dominiert“, schätzt Zugführerin Beate Fibinger ein.
Suche nach vermisstem Fabian
Im vergangenen Oktober beispielsweise waren die Hunde der Staffel an der Suche nach dem ermordeten achtjährigen Fabian in Güstrow beteiligt. Die Polizei war zunächst von einem Vermisstenfall ausgegangen. Eine Spur führte damals zum Güstrower Inselsee. Tatsächlich hatten hier die Hunde auch angeschlagen. Warum, das ist bis heute unklar und spielte dann auch bald keine Rolle mehr, als die Leiche des Jungen an einem Tümpel in 15 Kilometern Entfernung gefunden worden war.
Der Einsatz von Rettungshunden auf dem Wasser könne die Arbeit von Tauchern enorm verkürzen, sagt Beate Fibinger. Taucher müssten bei der Personensuche häufig lange Zeit unter Wasser bleiben. Die Hunde nehmen Witterung von der Wasseroberfläche auf – aus einem Einsatzboot heraus.
Oft ungenaue Angaben über Unglücksort
Als eine von wenigen Einheiten in Deutschland hat sich die Staffel „Vier Tore“ auf die Ortung im Wasser spezialisiert. Die Rettungshundestaffel war im Jahr 2002 als erste aktive Staffel im Nordosten gegründet worden. Doch wie schaffen es die Vierbeiner, vermisste Personen verlässlich bis in eine Wassertiefe von zehn Metern aufzuspüren?
Bei Unfällen auf dem Wasser falle es selbst Augenzeugen schwer, einzuschätzen, wo genau sich das Unglück ereignet hat und wie weit etwa die Stelle vom Ufer entfernt ist. „Hinzu kommt, dass die Sicht in den Seen oft eingeschränkt ist. Taucher müssen hier oft sehr lange suchen, bis sie etwas entdecken“, schildert Beate Fibinger. Feuerwehr oder Wasserwacht setzen deshalb Sonargeräte ein. Doch die können kaum unterscheiden, ob da auf dem Grund des Sees etwa ein Baumstamm oder eine Person liegt.
Hunde reagieren auf „Mischgeruch“
Und Hunde? „Sie sind bei uns speziell geschult, Menschen unter Wasser aufzuspüren“, erläutert die Zugführerin. Von Personen unter Wasser würden etwa Hautschuppen oder Geruchspartikel an die Oberfläche steigen. Es sind Gase, Eiweiße, Schuppen, Cremes oder Parfüms, die die empfindlichen Spürnasen der Hunde auffangen. Fibinger spricht von einem „Mischgeruch“, der die Hunde sofort reagieren lässt. Sie versuchen dann etwa, den Kopf ins Wasser zu stecken, sind ganz aufgeregt oder aber auch mit einem Mal ganz still, beschreibt Beate Fibinger das Verhalten der Hunde. Sowohl Boots- als auch Hundeführer haben ein GPS-Gerät dabei, mit dem die Stelle dann genau markiert werden kann. Hier gehen dann Taucher der Sache auf den Grund.
Wenn die Hunde ein auffälliges Verhalten zeigen, heißt das noch nicht mit Sicherheit, dass sie auch etwas gefunden haben. „Wir versuchen auch immer, mit mehreren Hunden rauf aufs Wasser zu fahren“, sagt Fibinger. Wenn die alle anschlagen, ist das meist ein sicheres Zeichen. Es dauert mitunter auch einige Zeit, bis sich die Hunde an das schwankende Boot gewöhnt haben.
Was auf dem Inselsee die Hunde unruhig werden ließ, ist bis heute ein Rätsel. Ein totes Tier, vielleicht ein verendetes Wildschwein im Schilfgürtel? Eher unwahrscheinlich, heißt es von den Rettern. Dazu sind die Spürnasen zu sehr auf menschliche Gerüche trainiert.



