Mecklenburg-Vorpommern startet inklusives Angelprojekt
Am Ufer der Recknitz bei Marlow versammeln sich Angler jeden Alters – einige im Rollstuhl, andere mit Kinderwagen. Mittendrin befindet sich der zehnjährige Thore Hunsemann, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist und seine Leidenschaft für das Angeln nicht missen möchte. Seine Mutter Stefanie Hunsemann betont jedoch die Herausforderungen: „Das Problem ist oft die Zuwegung. Nicht überall gibt es geeignete Wege für Rollstühle.“ An der Recknitz existiert bereits ein barrierefreier Angelplatz, doch solche Orte sind bisher selten.
Projekt „Angeln für alle“ nimmt Fahrt auf
Der Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern (LAV) will dies grundlegend ändern und startet am 1. April mit dem ambitionierten Projekt „Angeln für alle“. Projektinitiatorin Ramona Kern und Claudia Thürmer, stellvertretende Geschäftsführerin des LAV, betonen, dass es sich dabei keineswegs um einen Aprilscherz handelt. „Wie der Name schon sagt, geht es darum, dass wirklich alle Menschen angeln können, die das möchten“, erklärt Kern. Das Projekt richtet sich insbesondere an:
- Menschen mit körperlichen Behinderungen, die barrierefreien Zugang zum Wasser benötigen
- Personen mit Lernschwierigkeiten, für die Fischereischeinprüfungen vereinfacht werden sollen
- Sehbehinderte Angler
- Eltern mit Kinderwagen
- Senioren mit Rollatoren
Sieben neue Angelplätze und umfassende Förderung
Neben der bereits etablierten Jugendarbeit setzt der Verband damit ein deutliches Zeichen für gesellschaftliche Teilhabe. „Bisher verfügen wir in Mecklenburg-Vorpommern über fünf barrierefreie Angelplätze. Im Rahmen des dreijährigen Projekts planen wir mindestens sieben weitere Standorte“, kündigt Kern an. Konkrete Planungen laufen bereits:
- Ein barrierefreier Angelplatz am Badekanal in Demmin
- Ein Standort in Schwerin, für den derzeit der optimale Platz gesucht wird
- Weitere Interessenten wie der Angelverein in Loitz in Vorpommern
Das Projekt ruht auf vier tragenden Säulen:
- Barrierefreie Angelplätze und Abbau räumlicher Zugangsbarrieren
- Ein barrierefreier Online-Auftritt
- Ein Netzwerk „Barrierefreies Angeln“ mit Informationsplattform
- Betreuung und Beratung von Vereinen zum Thema Barrierefreiheit
Touristische Bedeutung und Finanzierung
Für die Umsetzung stehen 350.000 Euro aus der Fischereiabgabe des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung. „Aus touristischer Sicht ist das Projekt von großer Bedeutung. Mecklenburg-Vorpommern ist ein beliebtes Angelreiseziel. Es ist fantastisch, dass wir nun auch Menschen mit Behinderungen gezielt einladen können“, betont Kern. Die neuen Angelplätze kommen nicht nur Petrijüngern zugute, sondern auch Besuchern, die einfach die Natur genießen möchten.
Bereits existierende barrierefreie Angelstellen befinden sich am Wockernsee in Parchim, an der Recknitz an der Straße nach Semlow und am Inselkanal in Güstrow. Mit dem neuen Projekt soll das Angelangebot in Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig inklusiver und zugänglicher für alle Bevölkerungsgruppen werden.



