Fünf Jahre nach Alt Tellin: Keine Tierhaltung mehr, aber Brandschutz bleibt Streitthema
Alt Tellin: Keine Tierhaltung mehr, Brandschutz umstritten

Fünf Jahre nach der Brandkatastrophe: Alt Tellin ohne Tierhaltung

Genau fünf Jahre sind vergangen, seit die Schweinezuchtanlage in Alt Tellin im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Flammen aufging. Bei dem verheerenden Großbrand am 30. März 2021 kamen knapp 50.000 Tiere ums Leben, überwiegend Ferkel. Nur etwa 1.300 Schweine konnten damals gerettet werden. Menschen wurden glücklicherweise nicht verletzt. Der materielle Schaden wurde von Ermittlern auf rund 40 Millionen Euro geschätzt.

Keine Rückkehr zur Tierhaltung geplant

Heute, fünf Jahre später, steht fest: Auf dem Gelände der ehemaligen Schweinezuchtanlage wird es keine Tierhaltung mehr geben. Sowohl das Schweriner Agrar- und Umweltministerium als auch Alt Tellins Bürgermeister Frank Karstädt bestätigen dies eindeutig. „Der Wiederaufbau der Sauenanlage ist durch die Betreiber gegenüber der Genehmigungsbehörde nicht weiter thematisiert worden“, erklärt das Ministerium. Die Anlage wurde mittlerweile vollständig zurückgebaut.

Stattdessen konzentrieren sich die Pläne nun auf die Erweiterung der bestehenden Biogasanlage. Ein entsprechender Änderungsantrag soll demnächst beim zuständigen Landesamt eingereicht werden. Dabei geht es auch um die Flächen der ehemaligen Tierhaltung. Bürgermeister Karstädt erwähnt die Idee, das aufbereitete Biogas in das örtliche Netz einzuspeisen.

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Brandursache ungeklärt, Gerichtsverfahren schwelt

Die Staatsanwaltschaft konnte die genaue Brandursache nie zweifelsfrei klären und stellte die Ermittlungen ein. Parallel dazu schwelt jedoch weiterhin ein Gerichtsverfahren, das sich mit der ursprünglichen Genehmigung der Anlage aus dem Jahr 2010 befasst. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und eine Bürgerinitiative hatten dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Greifswald erklärt, das Verfahren sei bislang nicht entschieden und eine Fortsetzung „noch nicht absehbar“.

Naturschützer kritisieren unzureichenden Brandschutz

„Das kann jederzeit wieder passieren“, warnt Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND Mecklenburg-Vorpommern, mit Blick auf die damalige Katastrophe. Sie kritisiert, dass Brandabschnitte in Ställen nach wie vor viel zu groß seien und bestehende Bauvorschriften es zuließen, dass Stallgebäude bereits nach 30 Minuten Feuerlast einstürzen könnten. Ihrer Ansicht nach will die Politik aus Kostengründen keine strengeren Regelungen durchsetzen.

Ministerium verweist auf neue Richtlinien

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bezeichnet den Brand in Alt Tellin als „schockierendes Ereignis“, das zu einer intensiven Diskussion über Brandschutz in Tierhaltungsanlagen geführt habe. Er verweist auf eine 2024 eingeführte zusammenfassende Richtlinie, mit der Schwachstellen überprüft und Regelungsbereiche verbessert werden sollten.

Backhaus räumt ein, dass höhere Brandschutzanforderungen auch höhere Kosten verursachen. Daher wurde die Fördergrenze für Investitionen in Stallanlagen von zwei auf 2,5 Millionen Euro angehoben. Der Minister betont: „Tierhaltung gehört zur Landwirtschaft.“ Mit der Nutztierstrategie 2030 bekenne sich Mecklenburg-Vorpommern zur Tierhaltung. Allerdings dürften bauliche Anforderungen nicht so weit verschärft werden, dass eine wirtschaftliche Tierhaltung unmöglich werde.

Während auf dem Gelände in Alt Tellin also definitiv keine Schweine mehr gehalten werden, bleibt der Brandschutz in Tierhaltungsanlagen ein kontrovers diskutiertes Thema zwischen Naturschützern, Politik und Landwirtschaft.

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