Der wandelbare Minister Till Backhaus und seine unerwartete Wal-Entscheidung
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat eine überraschende Kehrtwende vollzogen und gibt dem gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel nun doch eine Chance. Wochenlang vertrat er die Auffassung, den geschwächten Wal in Frieden sterben zu lassen, doch plötzlich erteilte er die Genehmigung für einen privaten Rettungsversuch.
Vom Nein zum Ja: Eine ministerielle Überraschung
Noch vor kurzem folgte Backhaus den Empfehlungen seiner wissenschaftlichen Berater, die den Wal als sterbend einstuften und für ein ungestörtes Verbleiben im hüfttiefen Wasser der Kirchsee-Bucht plädierten. Die überraschende Zustimmung zum Rettungsversuch, der unter anderem von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert wird, brachte dem Minister Sympathien der Wal-Fangemeinde ein.
Am ersten Tag der Rettungsaktion war Backhaus bereits früh morgens auf der kleinen Ostsee-Insel Poel nahe Wismar vor Ort und beobachtete die Maßnahmen des Teams. Entscheidend für seine Zustimmung sei gewesen, dass nun erstmals ein geeignetes, ernstzunehmendes Konzept vorliege, das minimalinvasiv vorgehe, erklärte der Minister. Der Wal dürfe nicht verletzt werden, und solange dies eingehalten werde, sehe er keinen Grund, die Chance nicht zu nutzen.
Deutschlands dienstältester Minister und sein Erfolgsgeheimnis
Backhaus ist seit 1998 Minister in Mecklenburg-Vorpommern und mit inzwischen 28 Jahren am Schweriner Kabinettstisch Deutschlands dienstältester Minister. Koalitionen kamen und gingen – Backhaus blieb. Sein Verhalten im aktuellen Wal-Drama gibt möglicherweise einen Hinweis auf sein Erfolgsgeheimnis.
Eine gewisse Anpassungsfähigkeit und Pragmatismus kann man Backhaus nicht absprechen, heißt es in politischen Kreisen. Der Minister sucht häufig den Weg am Widerstand vorbei und verweist gern auf wissenschaftliche oder rechtliche Grundlagen seiner Positionen. Ein Beispiel ist sein Agieren im Streit um das LNG-Terminal auf Rügen: Während er anfängliche Zweifel an der Gasmangellage äußerte, betonte er gleichzeitig die Gewährleistung rechtsstaatlicher Genehmigungsverfahren und unterstützte später das funktionierende Terminal.
Die Wissenschaft kann sich irren: Backhaus' pragmatische Haltung
Zurück zum Wal auf Poel: Backhaus betonte, dass alle Beteiligten wüssten, dass sich der Buckelwal in einem schwierigen Zustand befinde. Aus seiner Sicht habe der Wal aber auch eine Chance, da er nach wie vor Aktivitäten zeige – Flossenbewegungen, regelmäßiges Atmen und Kommunikation durch Rufe.
Bei allem Wohlwollen für wissenschaftliche Expertise finde er, dass auch die Wissenschaft sich mal irren könne, so der Minister. Die Verantwortung für den Gesamtprozess liege nun bei den privaten Organisatoren. Ich habe immer gesagt, ich werde diesen Wal bis zum Ende begleiten, in die Freiheit fürs Leben oder auch andersrum. Und dazu stehe ich, erklärte Backhaus entschlossen. Es sei bereits der 17. Tag, an dem der Wal dort liege, und der Minister bleibt seiner Zusage treu.



