Umweltminister Backhaus vollzieht überraschenden Kurswechsel bei gestrandetem Wal
In einem bemerkenswerten Schwenk seiner Position hat Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) nun doch die Genehmigung für einen privaten Rettungsversuch des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel erteilt. Dieser Entscheidung waren wochenlange wissenschaftliche Empfehlungen vorausgegangen, die Wal in Frieden sterben zu lassen.
Von wissenschaftlicher Linie zu pragmatischer Lösung
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Backhaus strikt an die Ratschläge seiner wissenschaftlichen Berater gehalten. Diese waren zu dem Schluss gekommen, dass der geschwächte Buckelwal, der sich im hüfttiefen Wasser der Kirchsee-Bucht befindet, vermutlich bereits im Sterben liege und in Ruhe gelassen werden sollte. Die plötzliche Kehrtwende des Ministers sorgte daher für Verwunderung in Fachkreisen.
Am ersten Tag der Rettungsaktion, die maßgeblich durch Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert wird, begab sich Backhaus persönlich auf die kleine Ostsee-Insel Poel nahe Wismar, um sich vor Ort ein Bild von den Maßnahmen zu machen. „Entscheidend ist, dass nun erstmals ein geeignetes, ernstzunehmendes Konzept vorliegt, das minimalinvasiv vorgeht“, erklärte der Minister. Er betonte nachdrücklich, dass der Wal weder verletzt noch geschädigt werden dürfe.
Deutschlands dienstältester Minister zeigt Pragmatismus
Mit inzwischen 28 Jahren Amtszeit im Schweriner Kabinett ist Till Backhaus Deutschlands dienstältester Minister – eine Position, die er durch verschiedene Koalitionen hindurch behauptet hat. Sein Verhalten im aktuellen Wal-Drama gibt Einblick in den politischen Pragmatismus, der seinen langjährigen Erfolg möglicherweise erklärt.
Backhaus sucht typischerweise den Weg am Widerstand vorbei und stützt seine Positionen gern auf wissenschaftliche oder rechtliche Grundlagen. Dies zeigte sich bereits deutlich im Streit um das LNG-Terminal auf Rügen, wo er zunächst Zweifel an der Notwendigkeit des Projekts äußerte, später jedoch die rechtsstaatlichen Genehmigungsverfahren gewährleistete und schließlich die Betriebsaufnahme unterstützte.
„Die Wissenschaft kann auch mal irren“
Zurück auf Poel äußerte sich Backhaus deutlich zu seiner neuen Haltung: „Aus meiner Sicht hat der Wal aber auch eine Chance“. Er verwies auf beobachtbare Aktivitäten des Tieres – Bewegungen der Flossen, regelmäßiges Heben des Kopfes zum Atmen und kommunikative Rufe. Diese Anzeichen deuteten darauf hin, dass das Tier noch nicht aufgegeben habe.
In einer bemerkenswerten Aussage relativierte der Minister die Autorität wissenschaftlicher Expertise: „Bei allem Wohlwollen finde ich, dass auch die Wissenschaft sich mal irren kann“. Die Verantwortung für den gesamten Rettungsprozess liege nun bei den privaten Organisatoren, betonte Backhaus, während er gleichzeitig seine persönliche Verbundenheit mit dem Schicksal des Wals unterstrich.
Der Minister begleite das Tier bereits seit 17 Tagen und habe stets betont, es bis zum Ende zu begleiten – „in die Freiheit fürs Leben oder auch andersrum“. Diese Aussage unterstreicht die emotionale und politische Dimension, die der Fall inzwischen angenommen hat, weit über die rein wissenschaftliche Betrachtung hinaus.



