Vom DDR-Sperrgebiet zum Eierlikör mit Udo Lindenberg: Ofenbau-Meister erfüllt sich Lebenstraum
DDR-Sperrgebiet zu Udo Lindenberg: Ofenbau-Meister erfüllt Traum

Vom DDR-Sperrgebiet an der Ostsee zum Eierlikör mit Udo Lindenberg: Handwerker erfüllte sich größten Traum

Dassow • Seit mehr als vier Jahrzehnten widmet sich Dirk Schroeter aus Nordwestmecklenburg der Kunst des Ofenbaus. In seiner langen Karriere hat der Meister nicht nur dem Literaturnobelpreisträger Günter Grass einen Ofen eingebaut, sondern sich auch seinen größten persönlichen Traum erfüllt: Ein Treffen mit seinem Idol Udo Lindenberg, das in einem gemeinsamen Eierlikör gipfelte.

Kindheit im Sperrgebiet und die frühe Liebe zu Udo

Dirk Schroeter verbrachte seine Kindheit und Jugend in der DDR-Zeit in Dassow an der Ostsee, mitten im streng bewachten Sperrgebiet. Spontane Besuche waren unmöglich, jeder Außenstehende benötigte einen Passierschein. In der Ferne leuchteten die weißen Häuser von Travemünde, ein unerreichbares Ziel für den jungen Dirk. „Bei mir zu Hause lief ständig nur Udo“, erinnert sich der Handwerker. „Auf dem Schwarzmarkt hab’ ich mir mal für 200 Ost-Mark eine Doppel-LP von ihm gekauft, obwohl ich nur 80 Mark Lehrlingsgeld bekam. Ich fand Udo einfach toll. Seine Musik und weil er auch uns in der DDR gesehen hat.“

Vom Tischler-Wunsch zum Ofenbau-Meister

Bei der Berufswahl war Dirks erster Wunsch Tischler, doch dort gab es keinen Ausbildungsplatz. Eine Berufsberaterin schlug Ofenbauer vor – eine Entscheidung, die sein Leben prägen sollte. „In den 1980er Jahren gab es noch in jeder Stadt einen Ofenbaubetrieb“, erzählt Dirk. „Heute sind es in Mecklenburg vielleicht noch zwei, drei einzelne Ofenbauer. Und in meiner Berufsschulklasse in Schwerin saßen damals 30 Leute.“ Viele gaben schnell auf, der Beruf war anstrengend und in der DDR eintönig, mit wenig Auswahl bei Ofentypen und Kachelmustern.

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Nach der Wende: Aufbruch und besondere Kunden

Nach der Wiedervereinigung wurde Dirks Firma abgewickelt, doch der junge Handwerker war voller Aufbruchstimmung. Er zog mit seiner Freundin aus dem Grenzgebiet nach Schönberg und fand sofort Arbeit in einem Lübecker Ofenbaubetrieb. Hier konnte er endlich Öfen in allen Formen und Farben gestalten. Ein besonderer Auftrag führte ihn zu Günter Grass. „Ich kannte zwar den Film ‚Die Blechtrommel‘, war mir damals aber nicht wirklich bewusst, was für ein bekannter Schriftsteller er ist“, gesteht Dirk. Nach getaner Arbeit schenkte Grass ihm sein Buch „Mein Jahrhundert“ mit persönlicher Widmung.

Mehr als hundert einzigartige Öfen und die Selbstständigkeit

Nach einigen Jahren beschloss Dirk Schroeter, sein eigenes Ding zu machen. Er kehrte in sein Heimatdorf Barendorf zurück, baute ein Haus und machte sich mit 38 Jahren als Ofenbauer selbstständig, nachdem er den Meistertitel erworben hatte. Inzwischen hat er mehr als hundert Kachelöfen gebaut, jeder ein Unikat. „Es sind keine Kamine aus dem Baumarkt“, betont er. „Ich bau richtige Öfen, die heutzutage auch Wärmespeicheröfen oder Grundöfen genannt werden.“ Er verwendet schwere Schamott-Steine mit hoher Speicherfähigkeit, durch die sich die warme Luft schlängelt. Einmal befeuert, geben diese Öfen stundenlang Wärme ab.

Der große Traum: Hochzeitstag mit Udo Lindenberg

Dirk und seine Frau Steffi sind seit Jahrzehnten ein Paar, haben zwei Kinder und feierten ihre Hochzeit nach 18 Jahren Beziehung. Für die Hochzeitsreise reservierte Dirk im Hamburger Hotel Atlantic ein Zimmer mit Alsterblick. „Hoffentlich ist Udo da“, dachte er sich – und tatsächlich: Im Foyer saß sein Idol mit einigen Begleitern. „Wir haben uns erst mal unauffällig hingesetzt. Doch als Udo dann Richtung Treppe ist, bin ich hinterher“, erzählt Dirk strahlend. „Ich hab’ ihn angequatscht und erzählt, dass ich heute meine Hochzeit habe und er hat gefragt: Na, wo ist denn die Braut?“ Lindenberg bestellte drei Eierlikör und für den Sohn eine Brause, und sie stießen gemeinsam an.

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Ein Aussterbendes Handwerk ohne Nachfolger

Dirk Schroeter plant in einigen Jahren den Ruhestand. Einen Nachfolger hat er nicht, und er fragt sich, wer dann noch diese traditionellen Öfen bauen wird. Sein Leben ist eine Reise vom DDR-Sperrgebiet an der Ostsee zu einem unvergesslichen Moment mit Udo Lindenberg – ein Traum, der sich für den leidenschaftlichen Ofenbau-Meister erfüllt hat.