Gutshaus Eickelberg: Ein historisches Juwel erwacht zum Leben
Im malerischen Eickelberg bei Bützow vollzieht sich ein bemerkenswerter Wandel: Das klassizistische Gutshaus, das jahrzehntelang im Dornröschenschlaf verharrte, erwacht Stück für Stück zu neuem Leben. Ein bedeutender Meilenstein wurde nun erreicht – der Wintergarten unter dem charakteristischen halbrunden Altan erstrahlt in restauriertem Glanz.
Feierliche Einweihung mit historischem Hintergrund
Am 27. März versammelten sich zahlreiche Unterstützer und Geschichtsinteressierte zur feierlichen Einweihung der restaurierten Wintergartenfront. Hausherrin Anja Kannenberg, die seit 2021 unermüdlich für die Wiederbelebung des Anwesens kämpft, konnte diesen Erfolg gemeinsam mit ihren Helfern und Förderern begehen. Der Nachmittag begann mit einer stimmungsvollen Andacht von Torsten Heinisch, Prädikant der Kirchengemeinde Bützow, der in seiner Predigt die historische Bedeutung des Ortes würdigte.
„Dieses Gutshaus ist ein Ort der Geschichte, ein Ort der Erinnerungen“, betonte Heinisch und verwies darauf, dass dieser besondere Ort nun Schritt für Schritt aus seinem langen Schlaf erwache. Die anschließende Hausführung durch Historikerin Laura Tack vertiefte das Verständnis für die bewegte Vergangenheit des Gebäudes.
Jahrhundertealte Geschichte und architektonische Besonderheiten
Die Wurzeln des Gutshauses reichen bis ins Jahr 1494 zurück, als es in den Besitz der Familie von Lützow gelangte. Diese Freiherren zählten zum Mecklenburger Uradel und stellten über Jahrhunderte die Erblandmarschälle Mecklenburgs. Das Gebäudeensemble durchlief zahlreiche Umbauphasen: Während im ältesten Teil noch originales Lehmfachwerk erhalten ist, wurde das Hauptgebäude um 1800 angebaut und gegen Ende des 19. Jahrhunderts sowie um 1920 erweitert.
Besonders faszinierend ist der halbrunde Altan mit Wintergarten, der durch vier schlanke Backsteinsäulen getragen wird. „Der teilunterkellerte Haupttrakt besitzt diesen vorgelagerten halbrunden Balkon“, erläuterte Ralf Schinke, Ortskurator Rostock der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), bei der Einweihungsfeier. „Vier einfache Säulen aus Backstein tragen ihn und die Eisenbalustrade. Sie wurden als Wintergarten genutzt und durch vier Fenster und eine Tür verbunden.“
Förderung durch Denkmalschutz und künftige Nutzung
Die Restaurierung der vier Holzfenster und der originalen zweiflügligen Eingangstür wurde maßgeblich durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ermöglicht. Mit einem Zuschuss von 15.000 Euro aus Spendenmitteln und Erträgen der Lotterie Glücksspirale konnte die aufwendige Arbeit eines spezialisierten Tischlers finanziert werden. Das Gutshaus Eickelberg gehört damit zu den 660 Denkmalen, die die DSD allein in Mecklenburg-Vorpommern fördert.
Anja Kannenberg verfolgt ein klares Ziel: „Ich möchte das Gutshaus als offenes Haus führen“, betont die engagierte Eigentümerin. Dank der Unterstützung durch Architekt Ludger Sunder-Plassmann und das Ingenieurbüro Langkau gibt es nun die behördliche Genehmigung, das Foyer für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. Bereits bei der Einweihungsfeier las Dr. Wolf Schmidt aus seinem Werk „Das andere Mecklenburg-Vorpommern – von Aalbude bis Zeppelin“.
Aktuelle Klarstellung und zukünftige Perspektiven
Kannenberg musste jedoch auch eine wichtige Richtigstellung vornehmen: „Im Netz kursiert eine Einladung zu einem Oster-Mittelaltermarkt auf dem Gelände des Gutshauses Eickelberg. Diese Nachricht ist falsch!“ Zwar habe sie eine entsprechende Anfrage erhalten, könne aber die notwendigen Voraussetzungen für ein solches Event nicht erfüllen. Ein Vertrag wurde nicht abgeschlossen, und die Eigentümerin hat dem Veranstalter abgesagt.
Die Restaurierung des Wintergartens markiert einen wichtigen Schritt auf dem langen Weg der Gesamtsanierung. Mit jedem restaurierten Detail gewinnt das historische Gutshaus weiter an Strahlkraft – als lebendiger Ort der Begegnung, der Kultur und der Erinnerung für die gesamte Region.



