Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern kämpft mit Umsatzrückgängen und steigenden Kosten
Die Stimmung im Handwerk von Mecklenburg-Vorpommern hat sich laut einer aktuellen Konjunkturumfrage der beiden regionalen Handwerkskammern deutlich verschlechtert. Rund 45 Prozent der 900 befragten Betriebe meldeten in den ersten drei Monaten dieses Jahres geringere Umsätze als im Vorquartal. Dies markiert eine deutliche Verschlechterung gegenüber der Herbstumfrage, die noch Hoffnung auf eine positive Trendwende signalisierte.
Explodierende Materialpreise belasten die Betriebe
Besonders gravierend ist die Entwicklung bei den Einkaufs- und Materialpreisen: 88 Prozent der Betriebe klagen über explodierende Kosten, im Vorjahr waren es noch 75 Prozent. Die Folge dieser Preisentwicklung ist, dass etwa jeder zweite Betrieb seine Verkaufspreise anpassen musste. Diese Preisanpassungen schmälern jedoch die Erträge und führen dazu, dass notwendige Investitionen häufiger zurückgestellt werden.
Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, kommentiert die Entwicklung ernüchternd: „Signalisierte die Herbstumfrage bei den Betrieben noch Hoffnung auf eine positive Trendwende, so sprechen die Zahlen der Frühjahrsumfragen beider Handwerkskammern leider eine ganz andere Sprache.“ Ein wirtschaftlicher Aufschwung sei laut der Umfrage derzeit nicht in Sicht.
Beschäftigung stabil, aber Investitionen leiden
Positiv zu vermerken ist die stabile Entwicklung bei der Beschäftigung. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge und der Beschäftigten bleibt konstant. Uwe Lange, Präsident der Handwerkskammer Schwerin, betont: „Beschäftigte sind im Handwerk das wichtigste Kapital der Unternehmen. Bevor Personal abgebaut wird, spart man lieber an anderer Stelle, zum Beispiel bei Investitionen.“
Diese Strategie zeigt jedoch die schwierige Lage vieler Betriebe: Während die Belegschaft gehalten wird, leiden langfristige Investitionen in Modernisierung und Ausbau unter den finanziellen Engpässen.
Kritik an der Entlastungsprämie der Bundesregierung
Besondere Kritik üben die Handwerkskammern an der von der Bundesregierung initiierten Entlastungsprämie. Diese Prämie, die Arbeitgebern aufgrund des stark gestiegenen Ölpreises infolge des Irankriegs in Aussicht gestellt wurde, wird als „fatales Signal“ an die Unternehmen bewertet.
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 19.000 Handwerksbetriebe mit etwa 112.000 Beschäftigten. Würde eine solche Prämie von bis zu 1.000 Euro an alle ausgezahlt werden, wäre dies eine hohe Summe, die laut Hochschild „ganz einfach nicht vorhanden ist“. Die Bundesregierung hatte zwar eine steuer- und abgabenfreie Prämie in Aussicht gestellt, nach aktuellem Stand soll diese jedoch nicht verpflichtend sein.
Die Kombination aus sinkenden Umsätzen, steigenden Materialpreisen und als unzureichend empfundenen politischen Maßnahmen belastet die Handwerksbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern erheblich. Die geopolitische Unsicherheit und die hohen Energiepreise tragen zusätzlich zur angespannten Stimmung bei.



