Peenemünde: Hyperschall-Forschung für Bundeswehr und Raumfahrt in historischem Gelände
Hyperschall-Forschung in Peenemünde für Bundeswehr und Raumfahrt

Forschung an Raketentechnologie kehrt nach Peenemünde zurück

In Peenemünde auf der Ostseeinsel Usedom wird erneut an fortschrittlicher Raketentechnologie geforscht - sowohl für militärische als auch für zivile Anwendungen. Das Unternehmen Polaris Raumflugzeuge GmbH, eine Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, entwickelt dort innovative Raumflugzeuge und Hochgeschwindigkeits-Fluggeräte mit neuartigen Triebwerken. Besonders bedeutsam: Die Bundeswehr gehört zu den Auftraggebern dieser ambitionierten Forschungsprojekte.

Historischer Standort mit neuer Mission

Der Standort Peenemünde weckt historische Erinnerungen, denn hier befand sich während der NS-Zeit die Heeresversuchsanstalt der Wehrmacht, wo unter anderem die V2-Rakete entwickelt wurde. Heute konzentriert sich die Forschung auf friedliche und defensive Anwendungen. "Der Standort Peenemünde eignet sich aufgrund seiner abgelegenen Lage und der geringen Besiedlung grundsätzlich für damit zusammenhängende Flugversuche", erklärt ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Die genauen Details der Aktivitäten bleiben aus Sicherheitsgründen jedoch geheim.

Flugverbotszone für umfangreiche Tests

Seit Beginn des Jahres 2026 wurde über Peenemünde bis zur Insel Rügen eine umfangreiche Flugverbotszone eingerichtet. Das Bundesministerium für Verkehr bestätigt, dass in diesem Gebiet bis Ende 2028 außer den Forschungsaktivitäten sämtliche anderen Flüge untersagt sind - inklusive Modellflug. Die Sperrzone gilt täglich von 8 bis 20 Uhr im Sommer beziehungsweise von 8 bis 18 Uhr im Winter und erstreckt sich vom Boden bis in etwa 1500 Meter Höhe.

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Zweistufiges Hyperschall-Forschungsflugzeug in Entwicklung

Alexander Kopp, Gründer und Inhaber von Polaris mit Hauptsitz in Bremen, bestätigt die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr: "Unser Unternehmen arbeitet im Auftrag der Bundeswehr an einem zweistufigen Hyperschall-Forschungsflugzeug." Ob die Tests tatsächlich in Peenemünde stattfinden werden, ist laut Kopp noch nicht abschließend geklärt, aber durchaus möglich. Bereits jetzt führt Polaris regelmäßig Flugerprobungen mit skalierten Raumflugdemonstratoren - also verkleinerten Prototypen - durch, ebenfalls im Auftrag der Bundeswehr.

Aerospike-Raketenantrieb und zivile Raumfahrtambitionen

Polaris forscht intensiv an Fluggeräten mit Aerospike-Raketenantrieben, einer besonders effizienten Antriebstechnologie. "Der Erstflug des Systems ist bis Ende 2027 geplant", so Firmenchef Kopp. Die langfristigen Pläne sind noch ambitionierter: Ab 2028 soll ein Raumflugzeug Satelliten mit einem Gewicht von bis zu einer Tonne in den Orbit transportieren können. In späteren Entwicklungsstufen sind sogar größere Lasten bis hin zu kompletten Raumstationen vorgesehen.

Unterstützung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern

Das Wirtschaftsministerium in Schwerin unterstützt das Polaris-Projekt aktiv. Ein Ministeriumssprecher betont: "Wir unterstützen das Start-Up, das viele Arbeitsplätze schaffen will." Das Ministerium bietet Hilfe bei Fragen zur Ansiedlung und zur Nutzung der Infrastruktur am Standort Peenemünde an. Allerdings ist die Landesregierung nicht in die militärischen Forschungsaktivitäten involviert, von denen sie jedoch Kenntnis hat.

Innovative Technologien mit dualem Nutzen

Die entwickelten Komponenten für Weltraumflugzeuge können sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Es geht um Technologien, die unter anderem Aufklärungsmissionen im Weltraum ermöglichen könnten. Thomas Lamla, Besitzer des Areals in Peenemünde, verfolgt seit Jahren die Vision eines Luft- und Raumfahrtzentrums kombiniert mit einem Forschungszentrum für regenerative Energien - trotz mancher Widerstände. "Wir müssen endlich anfangen, die hundert Meter Strand gegen Arbeitsplätze zu tauschen", argumentiert er für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

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Keine dauerhafte militärische Präsenz geplant

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr gibt keine Auskunft darüber, ob und wie das Gelände am Flughafen Peenemünde durch die Bundeswehr abgesichert wird. Derzeit sei keine dauerhafte militärische Präsenz an dem historischen Standort geplant. Die Forschung konzentriert sich auf innovative Antriebstechnologien, die sowohl die zivile Raumfahrt voranbringen als auch defensive Fähigkeiten stärken sollen.