IKEA schließt Callcenter in Rostock: 279 Jobs fallen weg, Politik kritisiert Entscheidung
IKEA schließt Rostocker Callcenter: 279 Jobs weg, Politik kritisiert

IKEA schließt Callcenter in Rostock: 279 Arbeitsplätze fallen weg

Der schwedische Möbelriese IKEA schließt sein Customer Support Center in der Hansestadt Rostock. Diese Entscheidung betrifft insgesamt 279 Mitarbeiter, deren Arbeitsverträge voraussichtlich zum 30. September enden sollen. Erste Gespräche zur Gestaltung eines Sozialplans haben bereits am 26. Februar stattgefunden, nur einen Tag nach Bekanntgabe der Hiobsbotschaft für die betroffenen Beschäftigten.

Vertrauensverlust und Kritik an Unternehmensphilosophie

Marcus Dejosez, Gewerkschaftssekretär bei Verdi Handel Nord, äußert deutliche Kritik an der Vorgehensweise des Unternehmens. "Das was gerade passiert, hat sich in den vergangenen Monaten schon angedeutet, ist aber immer wieder seitens der Geschäftsführung verneint oder gar nicht kommentiert worden", erklärt Dejosez. Dies habe zu einem erheblichen Vertrauensproblem bei den Callcenter-Mitarbeitern geführt. Der Gewerkschafter wirft IKEA vor, mit dieser Entscheidung die eigene Firmenphilosophie mit Füßen zu treten, die unter dem 2018 verstorbenen Gründer Ingvar Kamprad stets den Menschen – sowohl Kunden als auch Mitarbeiter – in den Mittelpunkt stellte.

Politische Reaktionen: Forderungen nach fairen Lösungen

Aus der Politik kommt scharfe Kritik an der Schließungsentscheidung. Ole Krüger, Spitzenkandidat der Grünen Mecklenburg-Vorpommern zur Landtagswahl 2026, betont die Bedeutung des Standorts: "Das Call Center in Rostock hat seit 2006 einen maßgeblichen Beitrag dazu geleistet, dass IKEA in Deutschland wirtschaftlich so erfolgreich ist. Umso bitterer ist es, dass ausgerechnet diese Beschäftigten jetzt die Rechnung zahlen sollen." Krüger fordert einen fairen Sozialplan mit angemessenen Abfindungen, Qualifizierungsangeboten und ernsthafter Unterstützung beim Übergang in neue Beschäftigung.

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René Domke, FDP-Landtagsabgeordneter, weist auf die regionale Bedeutung hin: "Die Nachricht trifft fast 300 Menschen und ihre Familien hart – mitten in einer Region, in der gut bezahlte Stellen im Dienstleistungsbereich ohnehin rar sind." Domke sieht die Schließung als Vorboten für umfassendere Veränderungen durch künstliche Intelligenz und Automatisierung, die nicht nur Konzerne, sondern auch Behörden, Versicherungen und den öffentlichen Dienst betreffen werden. Seine Lösung: "Die Antwort darauf kann nicht sein, den Wandel aufzuhalten. Sie muss sein, die Menschen in die Lage zu versetzen, ihn zu bewältigen" – etwa durch schnelle Umschulungen und flexiblere Arbeitsmarktstrukturen.

Zeitplan und betriebliche Konsequenzen

Nach aktuellen Informationen soll das Callcenter voraussichtlich Ende August geschlossen werden. Solange der Sozialplan nicht final feststeht, werden laut Unternehmensangaben keine Kündigungen ausgesprochen. IKEA begründet die Schließung mit wirtschaftlichen Motiven und betont, dass sich für Kunden nichts ändere: Sämtliche Customer-Support-Leistungen bleiben vollständig verfügbar. Auch das Einrichtungshaus im Rostocker Stadtteil Schutow bleibt geöffnet und von der Entscheidung unberührt.

Die betroffenen Mitarbeiter müssen nun auf die konkreten Ausgestaltungen des Sozialplans warten, während Gewerkschaften und politische Vertreter weiterhin Druck auf das Unternehmen ausüben, um faire Übergangslösungen für die 279 Beschäftigten zu erreichen.

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