Kölns OB Burmester kontert Böhmermanns Olympia-Kritik: „Wir brauchen mehr Ja-Sager“
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (63) hat sich im BILD-Interview deutlich zu den Olympia-Plänen seiner Stadt geäußert und dabei scharfe Kritik von ZDF-Moderator Jan Böhmermann (45) zurückgewiesen. Der SPD-Politiker, der bis Ende 2024 Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war, verteidigt die Bewerbung von Köln/Rhein-Ruhr für die Olympischen und Paralympischen Spiele.
„Fucking Bürgermeister“: Böhmermanns Beleidigung und Bürgermeisters Reaktion
In einem Podcast hatte Böhmermann die Olympia-Pläne scharf attackiert und erklärt: „Köln will eure Scheiße nicht.“ Zudem beleidigte er den Oberbürgermeister als „fucking Bürgermeister“. Burmester konterte diese Äußerungen mit klaren Worten: „Wir neigen in Deutschland dazu, immer Nein zu sagen – mit dem Hinweis, dass wir eh nichts auf die Kette kriegen. Herr Böhmermann gehört zu dieser Nein-Fraktion. Wir brauchen mehr Menschen mit einer positiven Haltung und einem grundsätzlichen ‚Ja‘.“
Der Oberbürgermeister betonte, dass man gerne über die Bedingungen sprechen könne und lud Böhmermann zu einem klärenden Gespräch ein. Für Burmester ist die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele eine einzigartige Chance für die Entwicklung Kölns. „Das größte Sportevent der Welt schafft Jobs und Investitionen, das haben unter anderem die Spiele von Paris gezeigt“, so der Politiker.
Olympia-Referendum am 19. April: Burmester zeigt sich optimistisch
Am 19. April stimmen die Bürger in Nordrhein-Westfalen über die Olympia-Bewerbung ab. Burmester zeigte sich zuversichtlich, dass Köln/Rhein-Ruhr die erforderliche Mehrheit erreichen wird. „Hinter der Bewerbung von Köln/Rhein-Ruhr stehen deutlich mehr Menschen als hinter der Bewerbung von München. Wir beteiligen vier Millionen Wahlberechtigte in der Region. So viele wie kein anderer Mitbewerber“, erklärte er.
Bereits jetzt haben in Köln rund 30 Prozent der 814.141 Wahlberechtigten per Briefwahl abgestimmt – ein starker Zwischenstand, wie Burmester betonte. Sollte eine beteiligte Stadt wie Düsseldorf die erforderliche 51-Prozent-Hürde verfehlen, müsse man neu denken und das Konzept ändern, räumte der Oberbürgermeister ein.
Historische Dimensionen und aktuelle Herausforderungen
Burmester ging auch auf historische Aspekte ein: Köln hatte bereits 1929 eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 1936 eingereicht, die damals jedoch an Berlin ging. Auf die kritische Haltung von Bundespräsident Steinmeier gegenüber Olympia 2036 wegen des „Jubiläums“ der Hitler-Spiele antwortete Burmester: „Das ist die Meinung des Bundespräsidenten, ich teile sie nicht.“ Er verwies auf die erfolgreichen Spiele von München 1972 und das WM-Finale 2006 im Berliner Olympiastadion.
Finanzierung und Infrastruktur: So will Köln Olympia stemmen
Ein Hauptargument der Olympia-Gegner sind die Kosten. Burmester konterte mit konkreten Zahlen: „Wir würden mit 14 Millionen deutlich mehr Tickets als unsere Mitbewerber anbieten. Dadurch könnten wir zwischen 200 und 400 Millionen Euro Gewinn erwirtschaften.“ Die Organisationskosten von 4,8 Milliarden Euro würden komplett durch Marketing und Eintrittsgelder abgedeckt.
Beim Bau der Sportstätten setzt Köln auf bestehende Infrastruktur und temporäre Lösungen: „In NRW werden keine neuen Hochglanz-Sportstätten errichtet. Schwimmen findet vor 50.000 Zuschauern in der Schalker Veltins-Arena statt.“ Ein temporäres Leichtathletikstadion im Kölner Norden soll nach den Spielen zu einem neuen Stadtquartier umgewandelt werden.
Besonders wichtig ist Burmester der langfristige Nutzen: „Mit dem olympischen und paralympischen Dorf können wir Wohnraum für 10.000 Menschen schaffen auf einem vernachlässigten Gelände in Kreuzfeld. Olympia wird einen Investitionsbooster für die Infrastruktur auslösen.“
Der Dom als Olympia-Star? Burmester bleibt zurückhaltend
Während Paris 2024 den Eiffelturm als Zentrum der Spiele inszenierte, bleibt Burmester beim Kölner Dom zurückhaltend: „Er ist schon ein Star, immerhin das meistbesuchte Bauwerk in Deutschland und weltweit bekannt. Aber beim Dom handelt es sich um ein Gotteshaus, da bedarf es einer gewissen Zurückhaltung.“ Eine Fotomontage von BILD, die das Olympische Feuer auf dem Vierungsturm des Doms zeigt, bezeichnete er als „hübsche Spielerei“.
Zum Abschluss des Interviews zeigte Burmester seinen persönlichen Wetteinsatz für den Kölner Olympia-Zuschlag: seine Glücksschuhe, die er seit Paris 2024 trägt. „Meine Glücksbringer stifte ich, wenn wir gewinnen“, versprach der Oberbürgermeister.



