Letzte Backstube in Teterow kämpft verzweifelt ums Überleben
In dritter Generation führt Olaf Jaretzke den von seinem Großvater gegründeten Bäckereibetrieb in Teterow. Vor mehr als 30 Jahren zählte das Bäckerhandwerk in der Bergringstadt noch zehn Betriebe. Davon ist nur noch einer übrig geblieben, und dieser hat mit vielen Problemen zu kämpfen.
Historisches Familienunternehmen in der Krise
Obwohl das Büro modern eingerichtet ist, atmet dieser Raum Geschichte. Die Geschichte eines Familienunternehmens, das seit Jahrzehnten fest in Teterow verwurzelt ist und mittlerweile zu den ältesten Handwerksbetrieben der Stadt gehört. Von der eindrucksvollen Historie zeugen gleich drei Urkunden an der Wand, ausgestellt auf die Namen Fritz, Martin und Olaf Jaretzke. Großvater, Vater und Sohn – sie alle waren oder sind Meister des Bäckerhandwerks.
Die Führung der 1953 gegründeten Bäckerei liegt seit gut 20 Jahren in den Händen von Olaf Jaretzke. Er und seine 30 Mitarbeiter erleben derzeit alles andere als eine einfache Zeit. Die Bäckerei ist die letzte verbliebene in der Bergringstadt, und das Sterben des Handwerks hört landesweit nicht auf.
Hohe Energiekosten belasten den Betrieb
Beinahe im Wochentakt laufen Meldungen auf, dass schon wieder ein Betrieb die Segel streichen muss. Nachrichten, die auch Olaf Jaretzke nachdenklich stimmen. Nachdenklich, aber nicht pessimistisch. „Denn wenn man seinen Beruf nicht mehr mit Freude und Optimismus ausübt, dann sollte man es besser sein lassen“, ist die Maxime des 59-jährigen Teterowers.
Keinen Hehl macht er allerdings daraus, wo nicht nur seinem Handwerk, sondern der gesamten Wirtschaft in der Bundesrepublik gegenwärtig der Schuh drückt. Und zwar gewaltig. Das sind vor allem die Preise für Strom und Gas, die in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen sind. Wenn dann auch noch – wie in den vergangenen Tagen – die Benzinpreise in die Höhe schnellen, ist auch das alles andere als gut fürs Geschäft, erzählt Jaretzke.
All das setze eine Kostenspirale in Gang, die sich nicht nur beim Einkauf der Rohstoffe, sondern auch bei den Preisen für Kuchen, Brot und Brötchen niederschlägt. Der Teterower Bäckermeister erklärt es an einem simplen Beispiel: „2,5 Kilo Dunstsauerkirschen haben vor vier, fünf Jahren noch sieben Euro gekostet. Mittlerweile sind dafür zwanzig Euro auf den Tisch zu legen“, sagt er.
Strategien gegen die Krise
Die Preissteigerungen könne man nur bedingt an die Kundschaft weitergeben. Um trotzdem solide zu wirtschaften, versuche man die Menge der produzierten Backwaren so zu gestalten, dass davon nicht allzu viel übrigbleibt und das meiste über den Ladentisch geht. Etwas einfacher machen würde man es seinem Betrieb wie auch anderen Geschäften in der Teterower City, wenn sich die Stadt etwas mehr um die so genannten weichen Standortfaktoren kümmern würde.
Damit meint Jaretzke nicht nur kostenfreie, sondern zeitlich nicht begrenzte Parkplätze in der Innenstadt. Überhaupt müsse die City kundenfreundlicher und einladender gestaltet werden. Was fehle, seien Bänke, Blumen und mehr Grün, meint er. Wie es besser gemacht werden kann, beweise die Nachbarstadt Malchin, wo die Bäckerei seit vielen Jahren eine Filiale am Marktplatz betreibt.
Lob und Kritik für die Stadt
Bei aller Kritik vergisst Jaretzke aber auch nicht zu loben. „Mit dem Adventsleuchten und ,Teterow offen' gibt es zwei Feste, die gut sind fürs Geschäft und für die Innenstadt. Vielleicht könnte Teterow da künftig in der Sommerzeit sogar noch eine Fete mehr vertragen. Das wäre doch schon mal ein Projekt für den neuen Bürgermeister“, stellt er sich vor. Trotz der Herausforderungen bleibt der Bäckermeister optimistisch und kämpft weiter für den Erhalt seines traditionsreichen Handwerksbetriebs.



