Großwal im Wismarer Hafen: Meeresschützer auf Rettungsmission
Nach dem spektakulären Auftauchen eines Finnwals im Wismarer Hafen haben sich Meeresschützer auf die Suche nach dem beeindruckenden Meeressäuger gemacht. Das etwa zehn bis zwölf Meter lange Tier war am Dienstag von der Feuerwehr aus einem Stellnetz befreit worden, in dem es sich verheddert hatte. Nun will die Organisation Sea Shepherd verbliebene Leinenreste entfernen, die dem Wal bei weiterem Wachstum gefährlich werden könnten.
Stressige Hafenumgebung für den seltenen Gast
Der Finnwal befand sich nach Angaben von Experten in einer äußerst stressigen Situation. "Es war eng, es war flach und dann war es auch noch unheimlich laut", beschrieb die Biologin Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund die Bedingungen im Hafenbecken. Die Meeresschützer mussten ihre Annäherungsversuche am Dienstag abbrechen, da das Tier zu gestresst reagierte.
Sea Shepherd ist nun mit dem Schiff "Triton" in der Wohlenberger Wiek unterwegs, um den Wal erneut zu lokalisieren. An Bord befindet sich auch ein Einsatztaucher, der bereits bei der ersten Befreiungsaktion im Wasser war. "Wir fahren da jetzt in langsamer Geschwindigkeit erstmal raus", erklärte Kampagnenleiter Florian Stadler.
Mögliche Verbindung zur Flensburger Förde
Interessant ist die Frage, ob es sich bei dem Wismarer Wal um dasselbe Tier handelt, das Anfang des Jahres mehrfach in der Flensburger Förde gesichtet wurde. Die Biologin Klemens äußerte sich dazu vorsichtig: "Das können wir leider nicht so genau sagen, weil er uns gestern leider nicht so wirklich seine Rückenfinne gezeigt hat, mit der wir praktisch eine Abstimmung oder einen Abgleich hätten machen können. Aber es könnte schon sein."
Finnwale sind in der Ostsee eigentlich nicht heimisch. Der Salzgehalt entspricht nicht ihren natürlichen Lebensbedingungen, und auch das Nahrungsangebot ist suboptimal. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Plankton, nehmen aber gelegentlich auch kleine Fische wie Heringe oder Sprotten zu sich. Experten vermuten, dass der Wal möglicherweise laichenden Fischen in die Ostsee gefolgt ist.
Gesundheitliche Bedenken und Rettungsbemühungen
Der Aufenthalt in der Ostsee stellt für den Finnwal eine besondere Belastung dar. "Das Tier sei wahrscheinlich schon geschwächt", so Klemens. "Und hier bei uns in der Ostsee findet es sowieso schon nicht genug Nahrung." Normalerweise leben Finnwale in Polarregionen und ziehen nur zur Fortpflanzung in wärmere Gewässer.
Die verbliebene Leine am Wal könnte bei weiterem Wachstum des Tieres zum ernsthaften Problem werden. Die Meeresschützer hoffen daher, den Wal möglichst bald wiederzufinden und von diesem letzten Ballast zu befreien. "Umso schneller er wieder raus zum Atlantik kommt, umso besser", betonten die Experten.
Am Dienstag hatten sich zahlreiche Schaulustige im Wismarer Hafen versammelt, um das ungewöhnliche Schauspiel zu beobachten. Die Meeresschützer beobachteten den Wal bis zum Einbruch der Dunkelheit, bevor sie ihn in Ruhe ließen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Tier noch in Hafennähe.



