Neues Spezialschiff 'Lütt Matten' soll Ostsee vor Ölkatastrophe bewahren
In einer stürmischen Januarnacht vor über einem Jahr wurde deutlich, wie schnell ein Schiff zur existenziellen Bedrohung für das sensible Ökosystem der Ostsee werden kann. Jetzt hat Mecklenburg-Vorpommern mit einer entscheidenden Maßnahme reagiert: Ab Donnerstag wird das neue Ölbekämpfungs- und Mehrzweckarbeitsschiff 'Lütt Matten' in Dienst gestellt und im Hafen von Sassnitz stationiert.
Bedrohung durch die russische Schattenflotte
Das Symbol für eine mögliche Umweltkatastrophe liegt dabei in beunruhigender Nähe. Nur einen Wellenschlag entfernt ankert seit der Havarie im Januar 2025 der über 20 Jahre alte Öltanker 'Eventin' aus der sogenannten russischen Schattenflotte direkt vor der Küste der Tourismusinsel Rügen. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace warnen seit Monaten vor den erheblichen Gefahren, die von diesem maroden Tanker ausgehen könnten.
Moderne Ausstattung für vielfältige Einsätze
Das rund 24 Meter lange und 9 Meter breite Spezialschiff verfügt über eine beeindruckende technische Ausrüstung:
- Modernes Ölauffangsystem mit entsprechenden Tanks
- Leistungsstarker Kran für Bergungsarbeiten
- Spezieller Schlepphaken und Schwerlastwinde
- Moonpool-Öffnung für Gewässermonitoring mit Messsonden
Dank eines Tiefgangs von nur etwa zwei Metern kann die 'Lütt Matten' auch in flachen Küstengewässern operieren, was insbesondere für den Schutz der Rügener Buchten von entscheidender Bedeutung ist.
Umweltminister Backhaus betont Bedeutung
„Mit der 'Lütt Matten' wird ein modernes und leistungsfähiges Einsatzmittel für die Bekämpfung von Meeresverschmutzungen in der Ostsee und hier insbesondere im Raum Rügen und der Pommerschen Bucht zur Verfügung stehen“, erklärt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. „Die Ostsee ist Lebensraum, Wirtschaftsraum und Naturerbe zugleich. Mit der 'Lütt Matten' stärken wir unsere Fähigkeit, schnell und wirksam auf Schadstoffunfälle zu reagieren und unsere Küsten zu schützen.“
Finanzierung und Einsatzbereitschaft
Die Gesamtkosten für den Neubau belaufen sich auf 8,2 Millionen Euro, die im Rahmen der Bund-Länder-Vereinbarung zur Bekämpfung von Meeresverschmutzungen aufgeteilt werden. Mecklenburg-Vorpommern trägt dabei einen Anteil von etwa 1,4 Millionen Euro. Im Einsatzfall muss das Schiff innerhalb von nur zwei Stunden bereitgestellt werden und steht sowohl dem Land als auch dem Havariekommando zur Verfügung.
Neben der primären Aufgabe der Ölbekämpfung kann die 'Lütt Matten' auch für weitere maritime Einsätze genutzt werden, darunter:
- Ankerbergungen in schwierigen Gewässern
- Spezielle Transportaufgaben entlang der Küste
- Unterstützende Tätigkeiten für andere Seearbeiten
- Regelmäßiges Gewässermonitoring der Ostsee
Die Inbetriebnahme des Spezialschiffes markiert einen wichtigen Schritt in der maritimen Notfallvorsorge Mecklenburg-Vorpommerns, insbesondere angesichts des zunehmenden Schiffsverkehrs im Raum Rügen und der anhaltenden Präsenz risikobehafteter Schiffe der russischen Schattenflotte in der Ostsee.



