Schwerin probt Ernstfall: Großübung gegen Waldbrände mit Munitionsrisiken
Schwerin: Großübung gegen Waldbrände mit Munitionsrisiken

Schwerin probt Ernstfall: Großübung gegen Waldbrände mit Munitionsrisiken

Dichter Rauch steigt über dem Waldgebiet am Schelfwerder auf, während starke Nordostwinde die Schwaden in Richtung Kleingärten und Bootshäuser treiben. Was am 21. März 2026 wie ein realer Großeinsatz wirkt, entpuppt sich als eine der bislang umfangreichsten Katastrophenschutzübungen der Landeshauptstadt Schwerin. Mehr als 120 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Deutschem Roten Kreuz und Landespolizei sind im Einsatz, um neue Strategien gegen Waldbrände in munitionsbelasteten Gebieten zu testen.

Heikles Szenario: Munitionsbelastung erschwert Löscharbeiten

„Wir haben hier eine angenommene Rauchentwicklung im Waldgebiet Schelfwerder, die von Bürgern gemeldet wurde“, erklärt Hannes Gillwald vom Fachdienst Feuerwehr und Rettungsdienst. Schnell wird im Übungsszenario klar: Die Lage ist äußerst heikel. Das betroffene Gebiet gilt als munitionsbelastet, wodurch ein direktes Vorgehen im Wald zu gefährlich wäre. Starke Nordostwinde treiben das Feuer zusätzlich an und erhöhen die Gefahr einer Ausbreitung.

Aus Sicht der Einsatzkräfte hilft nur eine spezielle Strategie: „Wir haben uns entschieden, eine Riegelstellung zwischen dem Waldgebiet und der städtischen Bebauung aufzubauen“, so Gillwald. Ziel ist es, das Feuer gar nicht erst auf Häuser, Kleingartenanlagen und Bootshäuser übergreifen zu lassen. Dabei sichern Kreisregner die Waldkante, während Tanklöschfahrzeuge im Pendelverkehr rollen. Unterstützung kommt von einem Wasserwerfer der Polizei, und Einsatzkräfte des THW fördern große Mengen Löschwasser direkt aus dem Schweriner See – bis zu 15.000 Liter pro Minute.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Moderne Technik und abgestimmtes Zusammenspiel

Auch aus der Luft behalten die Einsatzkräfte die Lage im Blick. Eine Drohne des DRK kreist über dem Gebiet, lokalisiert Glutnester und weist die Kräfte am Boden gezielt ein. Kleine, kontrollierte Feuer simulieren dabei sogenannte Spotbrände, die durch Funkenflug entstehen können. Neben der Drohne ist ein spezieller Gerätewagen für Vegetationsbrandbekämpfung unterwegs, der besonders für enge Wege in Kleingartenanlagen ausgelegt ist. Ergänzt wird das durch klassische Ausrüstung wie Löschrucksäcke und handgeführte Strahlrohre.

„Das Ziel dieser Übung ist, die verschiedenen Konzepte, die aufeinander abgestimmt sein müssen, hier zu erproben“, sagt Gillwald. Gerade das Zusammenspiel der unterschiedlichen Organisationen stehe dabei im Fokus. „Die Einheiten trainieren oft für sich. Heute geht es darum, alles zusammenzubringen“, betont der Fachmann. Für Schwerin ist es eine Premiere: „Im Bereich der Waldbrandbekämpfung haben wir bisher noch keine so große Übung durchgeführt. Das ist die erste dieser Art.“

Hintergrund: Lübtheen-Brände als Warnung

Dass ein solches Szenario geprobt wird, ist kein Zufall. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Waldbrände auch in Mecklenburg-Vorpommern zunehmen. Besonders die Brände bei Lübtheen in den Jahren 2019 und 2023 haben tiefe Spuren hinterlassen. Hunderte Hektar Wald standen damals in Flammen, und die Löscharbeiten wurden durch Munitionsaltlasten im Boden erheblich erschwert. Teilweise musste die Brandbekämpfung aus der Luft und mit Bergepanzern erfolgen, was die Dringlichkeit solcher Übungen unterstreicht.

Investitionen und umfassende Vorbereitung

Die Landeshauptstadt Schwerin hat auf diese gefährlichen Lagen reagiert: Rund 80.000 Euro flossen zuletzt in zusätzliche Ausrüstung und neue Einsatzkonzepte. „Geübt werden unter anderem die Erkundung aus der Luft, die Wasserentnahme aus dem See und der Transport über lange Wegstrecken“, erklärt der Leiter der Berufsfeuerwehr, Stephan Jakobi. Das Übungsgebiet umfasst etwa zwei Quadratkilometer, vom Wald über die Kleingartenanlagen bis zur Marina Nord.

Neben der eigentlichen Brandbekämpfung spielt auch die Versorgung der Kräfte eine entscheidende Rolle. Ein Betreuungs- und Sanitätszug des DRK sorgt für Verpflegung und medizinische Absicherung, während eine Registrierungseinheit den Überblick über Personal und Technik behält. Für Anwohner bleiben solche Übungen nicht ohne Folgen: Rund um den Buchenweg und den Drosselweg kommt es zu Sperrungen und Halteverboten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Am Ende geht es um mehr als nur ein Planspiel. Es geht um Abläufe, die im Ernstfall sitzen müssen. Oder, wie Gillwald es formuliert: „Das oberste Ziel ist, die Zusammenarbeit zu überprüfen, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.“ Diese Großübung markiert einen wichtigen Schritt in der Katastrophenvorsorge für Schwerin und zeigt, wie moderne Technik und abgestimmte Zusammenarbeit lebenswichtige Maßnahmen im Kampf gegen Naturgefahren unterstützen können.