Transportstreit eskaliert: Tausende Patienten in MV müssen ab April auf Krankenfahrten verzichten
Transportstreit: MV-Patienten müssen ab April auf Krankenfahrten verzichten (27.03.2026)

Eskalation im Krankentransport: Tausende Patienten in Mecklenburg-Vorpommern betroffen

Nach monatelangen, ergebnislosen Verhandlungen zwischen dem Taxigewerbe und den Krankenkassen in Mecklenburg-Vorpommern steht fest: Ab dem 1. April werden tausende Krankenfahrten vorübergehend eingestellt. Diese Entscheidung trifft insbesondere chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Patienten hart, die regelmäßig auf Transporte zu lebenswichtigen Behandlungen angewiesen sind.

Gescheiterte Verhandlungen mit weitreichenden Konsequenzen

Maik Göricke, Vorstandsmitglied des Landesverbandes des Taxi- und Mietwagengewerbes MV, bestätigte am Dienstag nach zweitägigen Verhandlungen zu Wochenbeginn das endgültige Scheitern der Tarifgespräche. Ohne eine Einigung fehle den Unternehmen die rechtliche Grundlage für die Abrechnung der Krankenfahrten mit den Krankenkassen, begründete er die drastische Maßnahme.

Von den massiven Einschränkungen sind nahezu alle Regionen des Bundeslandes betroffen:

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram
  • Schwerin
  • Neubrandenburg
  • Rostock
  • Stralsund
  • Mecklenburgische Seenplatte
  • Voropommern-Rügen

Besonders vulnerable Patientengruppen im Fokus

Die vorübergehende Einstellung der Krankenfahrten trifft genau diejenigen, die am dringendsten auf zuverlässige Transporte angewiesen sind. Betroffen sind insbesondere:

  1. Patienten mit Dialysebehandlungen
  2. Krebspatienten während Chemo- oder Strahlentherapien
  3. Personen mit ambulanten Behandlungen
  4. Patienten nach Krankenhausentlassungen

Laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) werden in Mecklenburg-Vorpommern knapp 80 Prozent aller Krankentransporte ohne medizinisch notwendige Begleitung von Taxiunternehmen durchgeführt. Diese Zahl unterstreicht die dramatische Dimension der aktuellen Entwicklung.

Verhandlungspositionen unvereinbar

Die Krankenkassen zeigten sich enttäuscht über das Scheitern der Gespräche und betonten, ein deutlich verbessertes Angebot vorgelegt zu haben. Aus Verhandlungskreisen war zu hören, dass den Taxiunternehmen durchschnittlich zehn Prozent höhere Vergütungen angeboten worden seien. Die Kassen kritisierten scharf, dass der Landesverband mit seinem „Pokerspiel“ die Versorgung lebensbedrohlich erkrankter Menschen gefährde.

AOK Nordost-Bereichsleiter Tom Forbrich appellierte an die Unternehmen, dem Streikaufruf nicht zu folgen und stattdessen Einzelvereinbarungen mit den Kassen abzuschließen. Tatsächlich haben bereits etwa die Hälfte der Unternehmen in MV dieses Angebot angenommen.

Existenzielle Sorgen der Taxiunternehmen

Auf der anderen Seite argumentiert das Taxigewerbe mit existenziellen Nöten. Verbandschef Guido Sembach warnte auf der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg vor einem „kurz bevorstehenden Kollaps“ der Branche. Die bisher gezahlten und in den Verhandlungen angebotenen Tarife seien angesichts stark gestiegener Kosten für Sprit, Fahrzeuge, Reparaturen und Löhne nicht mehr kostendeckend.

Das Taxigewerbe fordert eine zweistellige Tariferhöhung und eine Angleichung der Fahrtarife an das Niveau anderer Bundesländer. In Mecklenburg-Vorpommern würden derzeit die niedrigsten Vergütungen für Krankenfahrten gezahlt. Die von den Krankenkassen abgelehnte Forderung nach 80 Prozent mehr würde deren Kosten allein in MV um 60 Millionen Euro für das Jahr 2026 erhöhen.

Langfristige Branchenkrise

Neubrandenburgs IHK-Präsident Krister Hennige sieht sogar „das Geschäftsmodell Taxi im ländlichen Raum bedroht“. Die Zahlen geben ihm recht: In den vergangenen 25 Jahren haben mehr als 500 Taxi- und Mietwagenunternehmer in ganz Mecklenburg-Vorpommern ihr Gewerbe aufgegeben – das entspricht etwa 60 Prozent aller Betriebe.

Claudia Straub, Leiterin der vdek-Landesvertretung MV, sicherte betroffenen Patienten Unterstützung zu: „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um geplante Fahrten umzusteuern“. Versicherte, die ab dem 1. April eine Krankenfahrt benötigen, sollten sich direkt an ihre jeweilige Krankenversicherung wenden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Beide Seiten signalisieren weiterhin Gesprächsbereitschaft, doch für tausende Patienten in Mecklenburg-Vorpommern beginnt ab April eine Zeit der Unsicherheit und zusätzlicher Belastungen auf dem Weg zu ihren lebenswichtigen Behandlungen.