Riesenrad in Rothenburg: Gericht stoppt Betrieb wegen Nähe zu Wohnungen
Riesenrad gestoppt: Gericht bemängelt Abstandsregeln

Riesenrad in Rothenburg: Gericht stoppt Betrieb wegen Nähe zu Wohnungen

In Rothenburg ob der Tauber (Bayern) sorgt ein 60 Meter hohes Riesenrad für großen Ärger. Eigentlich sollte das Fahrgeschäft den Menschen idyllische Ausblicke bescheren und viele Besucher anlocken. Doch schon nach wenigen Tagen stand das 450 Tonnen schwere Rad still. Grund: Eine Anwohnerin zog vor Gericht, weil die Gondeln über ihren Garten ragten.

Gericht bemängelt Abstandsregeln

Das Verwaltungsgericht Ansbach stellte fest, dass beim Aufbau die vorgeschriebenen Abstandsregeln nicht eingehalten wurden. Es verpflichtete die Stadtverwaltung, einzuschreiten. Für die Familie der Klägerin geht es nicht nur um die Gondel über dem Garten, sondern auch um ihre Privatsphäre. „Vom Riesenrad aus kann man direkt in unser Wohnzimmer und Schlafzimmer schauen“, sagte die Grundstücksbesitzerin gegenüber BILD.

Gemischte Reaktionen der Anwohner

Mit ihrer Klage steht die Rothenburgerin allerdings ziemlich allein da. Anwohnerin Anika Schöller (38), Buchhalterin, zeigt Verständnis für das Riesenrad: „Ich wohne seit zwei Jahren hier und verstehe die Aufregung nicht. Es ist doch schön, dass das Riesenrad da ist. Wenn man hier wohnt, weiß man, dass es auch mal laut werden kann.“ Van-Hung Le (71), der seit 20 Jahren in dem Ort lebt, bedauert die Schließung: „Ich finde es schade, dass das Riesenrad nicht fahren darf. Es verdeckt zwar meine Solaranlage, aber das finde ich nicht schlimm.“

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Betreiber beklagen hohe Verluste

Für die Betreiber ist die Situation bitter. Betty (25), Teil der betroffenen Schausteller-Familie, erklärt: „Der Aufbau kostet mehrere Tausend Euro. Wir haben sehr viel Geld verloren.“

Stadtverwaltung erklärt Vorgehen

Stadtsprecher Thomas Müller erläutert, warum das Riesenrad auf dem kleinen Parkplatz genehmigt wurde: „Es gab kein Baugenehmigungsverfahren, weil es kein Bau auf Dauer, sondern ein fliegender Bau ist, dessen Standzeit für drei Monate genehmigt werden kann.“ Die technische Gebrauchsabnahme sei ohne Beanstandung erfolgt. Das Gericht habe die Stadt zum Einschreiten angehalten, da die Abstandsflächen nicht eingehalten wurden.

Neuer Standort geplant

Das Riesenrad muss nun umziehen. Vom 7. Mai bis 5. Juli soll es auf dem Parkplatz am Spitaltor stehen und täglich von 10 bis 22 Uhr in Betrieb sein. Ob sich der Streit damit endgültig legt, bleibt abzuwarten.

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