Buckelwal 'Timmy' vor Wismar: Meeressäuger sitzt erneut in Ostsee-Bucht fest
Buckelwal 'Timmy' vor Wismar erneut in Ostsee-Bucht fest

Buckelwal 'Timmy' vor Wismar: Meeressäuger sitzt erneut in Ostsee-Bucht fest

An der deutschen Ostseeküste bei Wismar hält sich seit mehreren Tagen ein Buckelwal auf, der erneut für Aufmerksamkeit sorgt. Das etwa 12 bis 15 Meter lange Tier, das inzwischen den Namen Timmy trägt, wurde am heutigen Vormittag zunächst frei schwimmend gesichtet. Doch schon kurze Zeit später teilten Umweltminister Till Backhaus (SPD) und die Umweltorganisation Greenpeace mit, dass der Meeressäuger wieder in flachem Wasser festsitzt.

Wal in Kirchsee der Wismarer Bucht festgesetzt

Der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack erklärte, das Tier habe sich in der Kirchsee festgeschwommen, einem Teil der Wismarer Bucht. „Leider hat der Wal das gemacht, was er will, und ist in die Bucht hineingeschwommen“, so Maack. Auch Umweltminister Backhaus bedauerte, dass sich der Wal nicht an die vorgesehene Route gehalten habe. „Ich hoffe inständig, dass wir noch ein gutes Ende finden“, sagte der SPD-Politiker.

Die Hoffnung aller Beteiligten ist, dass sich der Buckelwal in tieferes Ostseewater bewegt und dann Kurs in Richtung Norden nimmt. Greenpeace hatte in der Wismarer Bucht bereits ein Schlauchboot eingesetzt, um genau dieses Festsetzen zu verhindern – doch letztlich trat der befürchtete Fall doch ein.

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Gesundheitszustand des Wals bleibt kritisch

Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund ist der Gesundheitszustand des Tieres weiterhin kritisch. Der Wal weist Hautinfektionen auf, die durch den relativ niedrigen Salzgehalt der Ostsee begünstigt werden. Zudem befinden sich noch Reste eines Stellnetzes im Maul des Wals, die bislang nicht entfernt werden konnten.

„Ein Eingriff ins Maul des Tieres birgt erhebliche Risiken für Mensch und Tier“, teilte das Meeresmuseum mit. „Ob es sich bei dem Netz um kleine Seilstücke oder größere Teile handelt, die möglicherweise verschluckt wurden, lässt sich aktuell nicht genau bestimmen.“

Strategie aus Ruhephasen und Motivation

Laut Greenpeace sitzt der Wal in einer Wassertiefe fest, aus der er sich theoretisch selbst befreien könnte – wenn er denn wolle. Die Strategie, dem Tier Ruhephasen zu gönnen und gleichzeitig Motivation zum Weiterschwimmen zu geben, soll daher beibehalten werden.

Meeresbiologe Maack betonte: „Wir hoffen sehr und drücken ihm die Daumen, dass er jetzt erstmal aus den deutschen Gewässern raus in die dänischen Gewässer schwimmt und dann in die Nordsee und in den Atlantik, wo er hingehört.“

Wasserschutzpolizei und Greenpeace vor Ort

Die Wasserschutzpolizei ist mit dem Küstenstreifenboot „Hoben“ vor Ort im Einsatz. Zumindest sei der Wal nicht sehr weit in die Bucht hineingeschwommen, so Maack. Sollte sich das laut Greenpeace sehr geschwächte Tier erneut freischwimmen, würde es im besten Fall die Route nehmen, über die es auch in die Ostsee gelangt war.

Auf Filmaufnahmen von Live-Kameras waren am Vormittag deutlich Bewegungen des Wals zu sehen. „Wir haben in den letzten Tagen immer wieder gesagt, er braucht Ruhe. Er hat offensichtlich auch die Ruhe der Nacht genutzt, um sich jetzt hier aufzumachen und loszuschwimmen“, erklärte Meeresbiologe Maack.

Seit Anfang März in der Ostsee unterwegs

Der Buckelwal war zunächst in der Nacht zum 23. März auf einer Sandbank in Schleswig-Holstein vor Timmendorfer Strand gestrandet. Später gelang es dem Tier, das flache Wasser zu verlassen, nachdem Helfer eine Rinne ausgehoben hatten. Am Samstag wurde er dann vor Wismar in flachem Wasser gesichtet.

Nach Angaben des Umweltministeriums ist der Wal seit dem 3. März im küstennahen Bereich der Ostsee unterwegs. Allein im vergangenen Jahr wurden mehrere Buckelwale in der Ostsee gesichtet – etwa im Sommer vor der Nordspitze Rügens und im Mai vor Ahrenshoop in Mecklenburg-Vorpommern.

Historische Vorkommen von Großwalen in der Ostsee

Dass Großwale in der Ostsee strandeten, kam schon vor hunderten Jahren vor, wie der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, am Wochenanfang sagte. So sei in dem Museum ein Finnwal zu sehen, der vor über 200 Jahren vor Rügen gestrandet sei.

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Umweltminister Backhaus verwies darauf, dass bislang alles, was nach Sach- und Fachkenntnis getan werden musste, auch umgesetzt worden sei. „Es wird alles unternommen, um dem Tier eine Hilfestellung zu geben“, betonte der Minister. „Den Willen des Wals zum Weiterschwimmen gibt es. Er zeigt, dass er grundsätzlich will.“