DDR-Eisbrecher „Stephan Jantzen“ muss in die Werft: Crew kämpft für maritimes Denkmal
Der legendäre Rostocker Eisbrecher „Stephan Jantzen“, eine Ikone aus DDR-Zeiten, steht vor einer wichtigen Werftüberholung. Die ehrenamtliche Crew des Vereins Technische Flotte Rostock lässt ihr Schiff dabei keine Minute aus den Augen und bereitet alles mit größter Sorgfalt vor.
Liebevolle Betreuung durch erfahrene Seeleute
Jürgen Neupert, der 83-jährige Schiffstechnische Offizier, kennt jede Schraube und jedes Bauteil der „Stephan Jantzen“. Mit fast väterlicher Fürsorge kümmert er sich um den Hilfsdiesel und die gesamte Technik an Bord. „Ich werde unser Baby während der Werftliegezeit nicht aus den Augen lassen“, verspricht der erfahrene Seemann, der selbst zehn Jahre auf Frachtern und Tankern zur See gefahren ist. Zusammen mit Vereinskapitän Thomas Gehrke und den 63 Mitgliedern des Vereins bereitet er den Eisbrecher auf den anstehenden Werftaufenthalt vor.
Umfangreiche Werftarbeiten für langfristigen Erhalt
Die Hansestadt Rostock, seit 2017 Eigentümerin des Schiffes, hat gemeinsam mit der Bürgerschaft beschlossen, die „Stephan Jantzen“ für etwa 2,1 Millionen Euro in der Werft überholen zu lassen. Die Arbeiten umfassen:
- Komplettes Abdichten des Rumpfes unterhalb der Wasseroberfläche
- Entfernen des Bewuchses am Unterwasserschiff
- Abstrahlen und Neuanstrich der gesamten Bordwand
- Sicherstellung der dauerhaften Schwimmfähigkeit
Für diese umfangreichen Maßnahmen sind insgesamt 42 Tage Werftliegezeit vorgesehen, die voraussichtlich Anfang 2027 beginnen werden.
Ehrenamtliches Engagement für maritimes Erbe
Der Verein Technische Flotte Rostock leistet jährlich zwischen 13.000 und 15.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit, um den 1968 in Dienst gestellten Eisbrecher in Schuss zu halten. Das 68 Meter lange Schiff dient nicht nur als technisches Denkmal, sondern auch als lebendige touristische Attraktion. Bis zu 10.000 Besucher pro Jahr nutzen die Möglichkeit, das maritime Erbe zu besichtigen und das Leben an Bord hautnah zu erleben.
Logistische Herausforderungen und Zeitplan
Da die Hauptmaschine seit der Außerdienststellung 2005 nicht mehr in Betrieb ist und keine Betriebsgenehmigung mehr vorliegt, muss die „Stephan Jantzen“ geschleppt werden. Mit einem Tiefgang von etwa 4,50 Metern kann der Eisbrecher jedoch problemlos aus seinem Liegeplatz im Rostocker Stadthafen verschleppt werden, ohne dass der Hafen ausgebaggert werden muss.
Das Rostocker Hafenamt erstellt derzeit ein detailliertes Leistungsverzeichnis mit allen notwendigen Arbeiten, das bis Ostern fertiggestellt sein soll. Anschließend erfolgt die europaweite Ausschreibung für die Werftarbeiten. „Wir würden uns natürlich eine Werft in der Nähe wünschen, so dicht wie möglich“, sagt Jürgen Neupert.
Rückkehr zur Hanse Sail 2027 geplant
Das große Ziel der Crew ist die Rückkehr des Eisbrechers zur Hanse Sail im August 2027. Dann soll die „Stephan Jantzen“ wieder an ihrem angestammten Liegeplatz im Rostocker Stadthafen liegen und Besuchern als lebendiges, maritimes Denkmal präsentiert werden. „Anders als auf einem Museumsschiff kann man bei uns das Leben und Arbeiten an Bord noch hautnah nachvollziehen“, betont Neupert stolz.
Die Rostocker müssen also nicht allzu lange auf ihre maritime Sehenswürdigkeit verzichten, während die engagierte Crew weiterhin mit Herzblut für den Erhalt dieses besonderen Stücks maritimer Geschichte kämpft.



