DDR-Eisbrecher „Stephan Jantzen“ muss in die Werft: Ehrenamtliche kämpfen für maritimes Denkmal
Eisbrecher „Stephan Jantzen“: Werftüberholung für maritime Ikone

DDR-Eisbrecher „Stephan Jantzen“ muss in die Werft: Ehrenamtliche kämpfen für maritimes Denkmal

Der legendäre Eisbrecher „Stephan Jantzen“, eine maritime Ikone aus DDR-Zeiten, wird demnächst aus dem Rostocker Stadthafen verschwinden. Das mehr als 3000 Tonnen schwere Schiff muss für dringende Werftarbeiten ins Trockendock geschleppt werden, um seine langfristige Schwimmfähigkeit zu sichern. Ehrenamtliche des Vereins Technische Flotte Rostock begleiten die aufwändige Überholung mit großem Engagement.

„Ich werde unser Baby nicht aus den Augen lassen“

Jürgen Neupert, der 83-jährige Schiffstechnische Offizier, kennt jede Schraube der „Stephan Jantzen“. Mit fast liebevoller Hingabe kümmert er sich seit Jahren um die Technik an Bord. „Ich werde unser Baby während der Werftliegezeit nicht aus den Augen lassen“, verspricht der erfahrene Seemann, der selbst zehn Jahre auf Frachtern und Tankern zur See gefahren ist. Neupert wird mit einem kleinen Team die Werftarbeiten persönlich begleiten, wenn der Eisbrecher Anfang 2027 aus dem Wasser geholt wird.

13.000 bis 15.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Jahr

Der Verein Technische Flotte Rostock hält das 1968 in Dienst gestellte Schiff seit 2009 als festen Bestandteil des Stadthafens am Leben. Jährlich leisten die 63 Mitglieder zwischen 13.000 und 15.000 Stunden unbezahlte Arbeit, um den 68 Meter langen Eisbrecher in Schuss zu halten. Vereinskapitän Thomas Gehrke betont: „Es handelt sich um ein technisches Denkmal. Wir wollen den Besuchern dieses maritime Erbe näherbringen.“ Bis zu 10.000 Besucher nutzen jährlich die Möglichkeit, das Schiff zu besichtigen.

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2,1 Millionen Euro für die Werftüberholung

Die Hansestadt Rostock, seit 2017 Eigentümerin des Schiffes, hat gemeinsam mit der Bürgerschaft beschlossen, die „Stephan Jantzen“ für etwa 2,1 Millionen Euro in der Werft überholen zu lassen. Das Rostocker Hafenamt erstellt derzeit ein detailliertes Leistungsverzeichnis, das bis Ostern fertig sein soll. Anschließend erfolgt die europaweite Ausschreibung für die Werftarbeiten. Noch ist unklar, welche Werft den Auftrag erhält – der Verein hofft auf einen Standort in der Nähe.

Schleppen statt eigenständiger Fahrt

Da die Hauptmaschine seit der Außerdienststellung 2005 nicht mehr in Betrieb ist und keine Betriebsgenehmigung vorliegt, kann die „Stephan Jantzen“ nicht mehr eigenständig fahren. Sie muss mit einem Tiefgang von etwa 4,50 Metern geschleppt werden – was ohne Ausbaggern des Liegeplatzes möglich ist. Jürgen Neupert hat bereits alle Kraftstoff-, Öl- und Frischwassertanks überprüft, um das Schleppen vorzubereiten.

42 Tage Werftliegezeit geplant

In der Werft liegt der Fokus darauf, den gesamten Rumpf unterhalb der Wasseroberfläche abzudichten. „Das Schiff ist nicht undicht, aber zur Sicherheit werden noch mal alle Öffnungen verschweißt“, erklärt Thomas Gehrke. Zudem wird der Bewuchs des Unterwasserschiffes entfernt, alles abgestrahlt und die Bordwand frisch schwarz angestrichen. Insgesamt sind 42 Tage für die Werftliegezeit vorgesehen.

Rückkehr zur Hanse Sail 2027

Das erklärte Ziel ist die Rückkehr des Eisbrechers zur Hanse Sail im August 2027. Dann soll die „Stephan Jantzen“ wieder an ihrem angestammten Liegeplatz im Rostocker Stadthafen präsentiert werden. „Und dann präsentieren wir uns wieder als lebendiges, maritimes Denkmal“, sagt Jürgen Neupert. „Anders als auf einem Museumsschiff kann man bei uns das Leben und Arbeiten an Bord noch hautnah nachvollziehen.“ Die Rostocker müssen also nicht allzu lange auf ihre maritime Sehenswürdigkeit verzichten.

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