Heimliche Jagd auf Abgassünder im Rostocker Hafen
Im größten deutschen Ostseehafen in Rostock wird eine heimliche Jagd auf Abgassünder geführt. Eine Messstation in Warnemünde, betrieben vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), überwacht rund um die Uhr die Abgasfahnen von Schiffen wie Frachtern und Tankern. Ziel ist es, Verstöße gegen internationale Umweltregeln aufzudecken und so die Luftqualität in Küstenregionen zu schützen.
Wie die Messstation arbeitet
Die Station, die äußerlich an Straßenmessgeräte erinnert, steht direkt am Wasser in Hohe Düne. Sie misst Schadstoffe wie Stickoxid, Schwefeldioxid und Kohlenstoffdioxid in den Abgasen. Dr. Andreas Weigelt, Leiter des Schiffsabgasmessnetzes beim BSH, erklärt: „Wir messen mit der Station Schwefeldioxid, Kohlenstoffdioxid und Stickoxid. Aus der Zusammensetzung der Abgasfahnen kann man sehen, ob die Schiffe die Abgasnorm einhalten.“ Durch das Automatische Identifikationssystem (AIS) der Schiffe und Winddaten können die Abgasfahnen direkt einzelnen Schiffen zugeordnet werden.
Regeln und Verstöße
Nach dem MARPOL-Übereinkommen der Internationalen Maritimen Organisation (IMO) dürfen in Ostsee und Nordsee nur Kraftstoffe mit einem Schwefelgehalt von 0,1 Prozent eingesetzt werden. Weigelt betont: „Um das zu erreichen, müssen Schifffahrtsunternehmen entweder schwefelarme Kraftstoffe oder einen Schiffsabgaswäscher nutzen. Doch diese erhöhen die Betriebskosten, wodurch es den Anreiz gibt, diese nicht zu verwenden.“ Bei Verdacht auf Verstöße informiert das BSH die Wasserschutzpolizei. Die Messergebnisse gelten als Anfangsverdacht, gerichtsfeste Beweise liefern erst Bordkontrollen mit Kraftstoffproben.
Ergebnisse und Abschreckung
Im vergangenen Jahr wurden in Rostock 3932 Abgasfahnen gemessen, wobei nur drei Schiffe auffielen. Zum Vergleich: In Hamburg waren es bei 3981 Messungen neun Verdachtsfälle. Insgesamt untersucht das BSH-Messsystem jährlich etwa 10.000 Abgasfahnen, wobei über 99 Prozent der Schiffe die Grenzwerte einhalten. Weigelt sieht das System als Abschreckung: „Haltet euch an die Regeln, ihr werdet kontrolliert.“ Europaweit soll die Technologie weiterentwickelt werden.
Konsequenzen für Umweltsünder
Laut Wasserschutzpolizei wurden 2024 im Bereich Rostock vier Verstöße aktenkundig, 2025 gab es keine. Bei diesen Verstößen wurden Sicherheitsleistungen von 54.000 Euro festgesetzt, um Verfahrenskosten und mögliche Bußgelder abzudecken. Bei schweren Vergehen sind sogar Strafverfahren wegen Luftverunreinigung mit Haftstrafen bis zu fünf Jahren möglich. Das BSH betreibt neben der Station in Rostock weitere Standorte in Hamburg, Bremerhaven, Kiel sowie ein Messschiff und eine Drohne, um die Überwachung zu verstärken.



