Urlaubsparadies mit Schattenseiten: Warnemündes Bewohner äußern Kritik
Das Ostseebad Warnemünde mit seinem kilometerlangen Sandstrand und der stürmischen Ostsee gilt als beliebtes Reiseziel. Doch hinter der malerischen Fassade des Rostocker Stadtteils brodelt es. Viele der rund 8.300 Einwohner sind unzufrieden mit der aktuellen Situation und fordern Veränderungen.
Parkchaos und bröckelnde Wege: Alltagsprobleme im Seebad
„Die Parksituation ist unter aller Kanone“, klagt ein Ehepaar aus der Mühlenstraße, der bekannten Flaniermeile Warnemündes. Zur Hochsaison sei die Straße so dicht mit Falschparkern besetzt, dass ein Herausfahren mit dem eigenen Fahrzeug unmöglich werde. Anrufe beim Ordnungsamt blieben häufig erfolglos. Die Bewohner machen die Stadt Rostock für diese Missstände verantwortlich. „Es wird vieles behindert dadurch, dass Warnemünde nicht eigenständig, sondern nur ein Stadtteil ist“, so die einhellige Meinung.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die maroden Gehwege. Für Menschen im Rollstuhl oder mit gehobenem Alter stellen sie laut Anwohnern eine „Katastrophe“ dar. Angela Frommke, die mit Tochter Neele und Mutter Sylvia in Warnemünde lebt, wünscht sich hier dringend Renovierungen. Alle drei Frauen sind im Ostseebad geboren und hegen einen starken Sinn für Eigenständigkeit.
Der Ruf nach mehr Autonomie: Eigenständigkeit statt Rostocker Abhängigkeit
Viele Warnemünder träumen von einer eigenständigen Gemeinde. „Ich fände es toll, wenn Warnemünde eigenständig wäre. Mit eigenem Bürgermeister. Das wäre schön. Dann könnten wir alle Projekte selbst bestimmen“, erklärt Angela Frommke. Ihre Tochter Neele fordert zumindest mehr „Verwaltungsstärke“, um lokale Initiativen besser vorantreiben zu können.
Axel Tolksdorff, Vorsitzender des Ortsbeirats von Warnemünde und Mitglied der Rostocker Bürgerschaft, kennt die Probleme genau. Der gebürtige Warnemünder kehrte vor fast 15 Jahren aus Berlin zurück, getrieben von Heimweh und politischem Gestaltungswillen. „Wir haben verschiedene wichtige Punkte, die abzuarbeiten sind“, sagt er mit hanseatischer Noblesse. Dazu zählen:
- Die Erstellung von Bebauungsplänen für den Strand und den Schutz des Wohnens
- Die Regulierung der Umwandlung in Ferienwohnungen
- Der endliche Bau von bereits lange markierten Parkhäusern
„Um die 20 Jahre ist dieses Projekt verschoben worden. Jetzt müssen wir dranbleiben, damit es nicht wieder versandet“, betont Tolksdorff.
Kulturelle Verflachung und hohe Hotelpreise: Touristische Herausforderungen
In der älteren Herrenrunde im Schallplattencafé COAAST TMP wird vor allem die kulturelle Entwicklung kritisiert. „Warnemünde verflacht kulturell“, monieren Klaus Burmeister und Frank Roggatz. Konzerte am Leuchtturm gebe es schon lange nicht mehr. Stattdessen sei oft nur ein Straßenmusiker namens Krähe zu hören. „Der singt so, wie er heißt“, kommentiert Burmeister trocken. Einziger Hoffnungsschimmer: der Rückzug des langjährigen Rostocker Tourismus-Chefs Matthias Fromm. „Ein Glück – jetzt kann es nur besser werden“, sagt Roggatz.
Jenny Nehls, deren Familie Strandkörbe in Warnemünde vermietet, kritisiert die „ultrateuren Hotelkosten“. Diese würden vor allem junge Familien abschrecken. Auch die reduzierten Parkmöglichkeiten in Strandnähe bereiten ihr Sorgen. „Es wäre toll, wenn wieder neue dazukämen“, wünscht sie sich.
Sportstätten und junge Familien: Zukunftspläne für das Ostseebad
Axel Tolksdorff hat auch positive Visionen für Warnemünde. Die alte Leichtathletikstadion-Anlage, die seit 1990 vernachlässigt wurde, will er wieder zum Leben erwecken. „Immerhin hat Warnemünde über 2500 Sporttreibende“, argumentiert er. Die Bürgerschaft habe bereits Planungsmittel freigegeben, nun müsse der Senator nur noch beauftragen. „Denn ohne fertige Planung keine Chance für die notwendigen Fördermittel. Die Zeit drängt.“
Besonders junge Familien als zukünftige Bewohner hat Tolksdorff im Blick. Dass bei den Bürgersteigen „großer Nachholbedarf“ besteht, sieht auch er und thematisiert es regelmäßig in seinen politischen Gremien. Die enge Abstimmung mit den Rostocker Ämtern habe sich inzwischen verbessert, doch der Weg zu einem eigenständigeren, lebenswerteren Warnemünde ist noch lang.



