Dresden vor möglicher Großevakuierung wegen Bombenfunden an Carolabrücke
Im Umfeld der ehemaligen Carolabrücke in Dresden stehen die Behörden vor einer möglichen Großevakuierung. Zwei potenzielle Bombenblindgänger werden am kommenden Dienstag ab etwa 16 Uhr am Neustädter Elbufer untersucht. Die Entscheidung darüber, ob tatsächlich eine Evakuierung notwendig wird, fällt voraussichtlich am selben Tag.
Zwei Szenarien für den Ernstfall
Feuerwehrsprecher Michael Klahre erläuterte die möglichen Abläufe: „Zunächst wird ein kleiner Sperrkreis mit einem Radius von 150 Metern eingerichtet, der den Elberadweg betrifft und die Schifffahrt unterbricht. Anwohner sind davon zunächst nicht betroffen.“ Sollten sich die Funde jedoch als echte Kampfmittel erweisen, sind zwei Szenarien denkbar:
- Bei einer prekären Auffindsituation müsste sofort ein Sperrkreis mit 1.000 Metern Radius eingerichtet werden
- Bei kontrollierbarer Gefahrenlage könnte die Evakuierung erst am Mittwochmorgen beginnen
Bis zu 18.000 Menschen betroffen
Der mögliche Sperrkreis würde große Teile des Dresdner Stadtzentrums umfassen und etwa 18.000 Anwohner betreffen. Hinzu kommen Pendler und Touristen. Das betroffene Gebiet erstreckt sich über:
- Die gesamte Altstadt mit Residenzschloss, Zwinger und Frauenkirche
- Die Augustus- und Albertbrücke
- Die Innere Neustadt südlich des Albertplatzes
Zahlreiche wichtige Einrichtungen liegen in der Zone, darunter die Polizeidirektion, der Sächsische Landtag, Landes- und Kommunalbehörden, Alten- und Pflegeheime, Kindertagesstätten sowie weitere soziale Einrichtungen.
Verkehrliche Herausforderungen
Die Dresdner Verkehrsbetriebe stehen vor erheblichen logistischen Problemen. Sechs Straßenbahnlinien, die normalerweise die Marienbrücke passieren, müssten umgeleitet werden. Für den Autoverkehr wäre dies ebenfalls die einzige Möglichkeit, die Elbe im Innenstadtbereich zu überqueren.
Polizeisprecher Thomas Geithner appellierte an die Betroffenen: „Wir bitten ausdrücklich darum, sich auf die Situation vorzubereiten und sich über die gewohnten Kanäle zu informieren. Je besser die Vorbereitung, desto kürzer können wir den Zeitraum gestalten.“
Hintergrund der Funde
Die potenziellen Blindgänger wurden bei vorbereitenden Arbeiten zum Neubau der eingestürzten Carolabrücke entdeckt. Seit Oktober läuft im Bereich der künftigen Brückenbaustelle eine Kampfmittelsondierung. Während auf der Altstädter Seite bereits Ende letzten Jahres ohne Funde abgeschlossen wurde, wurden auf der Neustädter Seite seit Mitte Februar auf etwa 10.000 Quadratmetern 5.700 Bohrungen durchgeführt.
Räumstellenleiter Sebastian Liers von der Dresdner Bohrgesellschaft erklärte: „Wir fanden und überprüften 31 sogenannte Störstellen in zwei bis vier Metern Tiefe. 29 davon stellten sich als ungefährlich heraus. Die beiden verbleibenden Stellen zeigten sich im Auswertungsprogramm als runde Körper.“ Die Experten halten zwei Möglichkeiten für wahrscheinlich: „Entweder ist es ein Wasserrohr von einem Meter Länge und 60 bis 70 Zentimeter Durchmesser oder es ist wirklich eine Bombe.“
Historische Parallelen
Polizeisprecher Geithner erinnerte an einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2018, als sich eine mutmaßliche Fliegerbombe am Rande der Innenstadt als harmloses Wasserrohr herausstellte. „Das kann natürlich wieder passieren“, so Geithner, „allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering.“
Bereits im vergangenen Jahr gab es bei Abrissarbeiten an der eingestürzten Carolabrücke vier Bombenfunde. Im August mussten damals 17.000 Menschen für eine Entschärfung evakuiert werden. Die Stadt Dresden hatte bereits Mitte Februar über die aktuellen Funde informiert und bereitet sich nun auf mögliche Konsequenzen vor.



