Sachsen setzt auf Bürokratieabbau: Bauvorschriften werden massiv vereinfacht
Vor dem Hintergrund einer angespannten Lage in der Bauwirtschaft hat das sächsische Infrastrukturministerium weitreichende Vereinfachungen bei den Bauvorschriften angekündigt. Staatssekretär Sören Trillenberg betonte bei der Eröffnung der Baumesse HAUS in Dresden, dass das Ziel darin bestehe, das Bauen einfacher, schneller und bezahlbarer zu gestalten, ohne dabei Abstriche bei der Qualität hinnehmen zu müssen.
Hohe Belastungen für Bauherren und Unternehmen
Trillenberg verwies auf mehrere kritische Faktoren, die derzeit die Bauwirtschaft belasten:
- Hohe Bau- und Finanzierungskosten
- Ein ausgeprägter Fachkräftemangel
- Lange und aufwändige Genehmigungsverfahren
Gleichzeitig bleibe der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum sowie an Modernisierungen im bestehenden Gebäudebestand unverändert hoch. Diese Diskrepanz zwischen Nachfrage und den aktuellen Rahmenbedingungen macht Handlungsbedarf dringend notwendig.
Novelle der Sächsischen Bauordnung in Vorbereitung
Das Infrastrukturministerium bereitet derzeit eine Novelle der Sächsischen Bauordnung vor. „Unser Ziel ist es, überzogene Vorgaben zu streichen oder zu vereinfachen und die Abläufe in den Behörden effizienter zu machen“, erklärte Staatssekretär Trillenberg. Sachsen wolle damit ein Bauklima schaffen, das Investitionen gezielt fördert und Planungen für alle Beteiligten verlässlicher macht.
Digitalisierung der Baugenehmigung schreitet voran
Parallel zu den geplanten Vereinfachungen treibt das Ministerium die digitale Baugenehmigung konsequent voran. Der Bauantrag soll in Zukunft vollständig digital gestellt und in seinem gesamten Verlauf nachverfolgt werden können. Nach aktuellen Ministeriumsangaben sind bereits alle 42 unteren Bauaufsichtsbehörden im Freistaat an das System angebunden.
Das ambitionierte Ziel lautet, dass die digitale Bauantragsstellung bereits im Sommer 2026 für alle Antragsteller in Sachsen flächendeckend möglich sein soll. Dieser Schritt soll die Verfahren erheblich beschleunigen und die Transparenz erhöhen.
Dramatischer Rückgang bei bewilligten Bauanträgen
Der Handlungsdruck ist enorm: Die Zahl der bewilligten Bauanträge ist laut dem Statistischen Landesamt in den vergangenen Jahren deutlich eingebrochen. Wurden im Jahr 2020 noch 6.088 Anträge genehmigt, waren es im Jahr 2024 nur noch 2.726 – ein Rückgang von mehr als 55 Prozent.
Für das Jahr 2025 deuten die bislang veröffentlichten Monatsdaten auf eine leichte Erholung hin, mit einer vorläufigen Projektion von 2.998 bewilligten Anträgen. Diese Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit der geplanten Maßnahmen.
Baumesse HAUS als Plattform für Innovationen
Bis Sonntag präsentieren sich auf der Dresdner Baumesse HAUS nach Angaben des Veranstalters mehr als 400 Aussteller. Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Neubau, Sanierung und moderner Gebäudetechnik. Zu den zentralen Themen gehören:
- Energieeffizienz und erneuerbare Energien wie Photovoltaik
- Innovative Speicherlösungen und Wärmepumpen
- Nachhaltige Baustoffe und Materialien
- Digitale Planungsprozesse und Building Information Modeling (BIM)
Die Messe dient somit als wichtige Plattform, um die aktuellen Herausforderungen der Branche zu diskutieren und innovative Lösungsansätze zu präsentieren.



