Archäologischer Sensationsfund in Nordsachsen: 3.000 Jahre alte Siedlung beispiellos erhalten
Bei archäologischen Grabungen in Wellaune, einem Ortsteil von Bad Düben in Nordsachsen, ist ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Archäologen haben die Strukturen einer mehr als 3.000 Jahre alten Siedlung aus der Bronzezeit entdeckt, die in einem beispiellosen Erhaltungszustand vorliegen. Die Grabungen, die bereits seit Oktober des vergangenen Jahres andauern, haben bislang rund 1.900 Objekte zu Tage gefördert.
Einzigartige Entdeckung mit überraschendem Umfang
Saskia Kretschmer, zuständige Referatsleiterin beim Landesamt für Archäologie, zeigte sich überrascht von der Fülle der Funde: „Dass es dann so viele werden, war doch eine ziemliche Überraschung“, erklärte sie. Das zehnköpfige Grabungsteam hat auf einer Fläche von etwa einem Hektar mehrere Gebäudegrundrisse und -strukturen freigelegt, die als „beispiellos erhalten“ beschrieben werden.
Bei diesen Strukturen handelt es sich den Erkenntnissen nach um sogenannte Wandgräbchenhäuser in Pfosten- und Blockbauweise. Kathrin Balfanz, wissenschaftliche Grabungsleiterin, betonte die Einzigartigkeit des Fundes: „Eine derart gut erhaltene Siedlung sei in Sachsen bislang einzigartig“.
Toplage am historischen Muldeverlauf
Die Grabungsstätte liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bundesstraße 2 und befand sich vor 3.000 Jahren direkt am damaligen Verlauf der Mulde. Balfanz erläuterte, dass diese Lage offenkundig gut für Siedler geeignet war: „Es habe sich um eine der Toplagen der damaligen Zeit gehandelt“.
Zahlreiche Überschneidungen verschiedener Hausgrundrisse und Gruben belegen, dass auf der Fläche immer wieder gesiedelt worden ist. Weitere Funde, etwa von Keramiken, zeigen, dass auch 1.400 Jahre später in der Kaiserzeit im 1. und 2. Jahrhundert Siedlungen in diesem Bereich existierten.
Frühere Funde und rätselhafte Entdeckungen
Bereits im Oktober hatte das Grabungsteam ein Urnengräberfeld aus der Bronzezeit in einem benachbarten Bereich der aktuellen Grabungen präsentiert. Ob es unmittelbar mit der nun gefundenen Siedlung im Zusammenhang steht, soll die weitere Forschung zeigen.
Eine besondere Überraschung bot eine damals gefundene, vermutlich mit Steinen gefüllte Tonkugel, bei der es sich den Archäologen zufolge um eine Rassel handelt. Diese könnte möglicherweise für Bestattungsrituale verwendet worden sein und wirft neues Licht auf die kulturellen Praktiken der bronzezeitlichen Bewohner.
Grabungen im Rahmen von Straßenbauvorhaben
Die Ausgrabungen wurden im Rahmen von Vorarbeiten zu einer bei Wellaune geplanten Ortsumgehung durchgeführt. Wellaune, wo drei Bundesstraßen aufeinandertreffen, kämpft seit langem für eine Entlastung durch eine Umgehungsstraße. Eine Sprecherin des Landesamtes für Archäologie betonte, dass es zu keinen Verzögerungen beim Baubeginn kommen werde: „Parallel zu den andauernden Grabungen könne der geplante Straßenbau beginnen“.
Die Entdeckung dieser außergewöhnlich gut erhaltenen bronzezeitlichen Siedlung stellt nicht nur einen Meilenstein für die sächsische Archäologie dar, sondern bietet auch wertvolle Einblicke in das Siedlungsverhalten und die Lebensweise unserer Vorfahren vor mehr als drei Jahrtausenden.



