Thüringens Wirtschaftsministerin: Notfallkoffer für Standortkrisen bereit
Thüringen: Notfallkoffer für Standortkrisen bereit

Thüringens Wirtschaftsministerin: Notfallkoffer für Standortkrisen bereit

Thüringen verfügt nach Aussage von Wirtschaftsministerin Colette Boos-John über einen umfassenden Werkzeugkasten, um auf drohende Standortkrisen von Unternehmen wirksam zu reagieren. Die CDU-Politikerin betonte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt, dass das Land mit einem Krisennotfallkoffer ausgestattet sei, um komplexe Probleme anzugehen und Arbeitsplätze zu sichern.

Verschiedene Krisenszenarien erfordern individuelle Lösungen

Boos-John unterstrich, dass es einen erheblichen Unterschied mache, ob ein Unternehmen aufgrund eines verlorenen Großauftrags in Schwierigkeiten gerate, ein Produktionsstandort infrage gestellt werde oder eine finanzielle Schieflage drohe. „Krisenmanagement gibt es bei uns nicht nur mit Blick auf Zalando“, so die Ministerin. Der Internet-Modehändler plant die Schließung seines Logistikzentrums mit 2.700 Beschäftigten zum Ende September, woraufhin Wirtschafts- und Arbeitsministerium eine Taskforce ins Leben riefen.

Instrumente des Notfallkoffers im Detail

Zu den wichtigsten Bestandteilen des Notfallkoffers gehören:

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  • Die Landesentwicklungsgesellschaft mit langjähriger Erfahrung in Standortbetreuung und Investorensuche
  • Die Thüringer Aufbaubank, die Investitionen durch Förderprogramme unterstützt und Kapitalspritzen ermöglicht
  • Eine enge Zusammenarbeit mit Arbeitsagenturen und Gewerkschaften

Boos-John betonte: „Wir können nur gut sein, wenn wir alle Informationen auf dem Tisch haben. Ich sehe mich in der Verantwortung, wo Chancen sind, sie auch zu nutzen.“ Anders als in der Zeit nach der Wiedervereinigung ließen sich Probleme heute nicht primär mit Geld lösen, zumal bei drohenden Insolvenzen beihilferechtliche Grenzen bestünden.

Finanzielle Mittel und Transformationsfonds

Nach Angaben der Ministerin stehen in Thüringen aktuell 73 Millionen Euro in verschiedenen Fonds für Unternehmensbeteiligungen zur Verfügung. Durch einen von der oppositionellen Linke durchgesetzten Transformationsfonds mit einem Volumen von 70 Millionen Euro soll das Instrumentarium erweitert werden. „Im Moment mangelt es nicht an Geld, sondern an Investitionsbereitschaft“, konstatierte Boos-John.

Herausforderungen für Automobilzulieferer und Wirtschaftslage

Die Beteiligungsfonds richten sich insbesondere an gesunde Unternehmen, die sich neu aufstellen müssen – eine Situation, die viele Thüringer Automobilzulieferer angesichts des Trends zur Elektromobilität betrifft. Nach einem leichten Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent im ersten Halbjahr des Vorjahres erwartet die Ministerin für 2026 keine einfache wirtschaftliche Entwicklung, hofft aber auf erste Wirkungen der Investitionsprogramme von Bund und Land.

Demografischer Faktor als Wachstumsbremse

Als wesentlichen limitierenden Faktor identifizierte Boos-John die sinkende Zahl an Erwerbstätigen in Thüringen. Allein 2025 verringerte sich diese um 11.400 Personen, vor allem durch Renteneintritte. „Der demografische Faktor wird uns in der wirtschaftlichen Entwicklung hemmen“, prognostizierte die Ministerin.

Branchenspezifische Entwicklungen

Laut Statistischem Landesamt erzielte Thüringens Industrie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 36,8 Milliarden Euro, was einem leichten Plus von 0,5 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Schwach entwickelten sich jedoch der Maschinenbau mit einem Umsatzrückgang von 18 Prozent und die Automobilindustrie mit einem Minus von 10,6 Prozent.

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