Vom Showbusiness zur Sportführung: Ulrike Wölfel übernimmt beim Syntainics MBC
Seit Ende Februar bekleidet Ulrike Wölfel (36) eine Schlüsselposition beim Basketball-Bundesligisten Syntainics MBC. Die ehemalige TV-Moderatorin, Schlagersängerin und Miss Ostdeutschland steigt zur Geschäftsführerin auf und bildet damit gemeinsam mit Alexander Rolle (35) die neue Doppelspitze des Vereins. Damit ist sie aktuell die einzige Frau in einer leitenden Funktion bei einem Basketball-Bundesligisten – eine Position, die sie mit fachlicher Kompetenz und jahrelanger Vereinserfahrung ausfüllt.
„Den Job sicher nicht wegen meiner Optik bekommen“
Im Gespräch mit BILD räumt Wölfel mit Vorurteilen auf, die aufgrund ihrer Vergangenheit im Showbusiness entstehen könnten. „Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht, bin Betriebswirtin und verfüge über das notwendige fachliche Wissen“, betont sie. „Auf den ersten Blick sieht man vielleicht nur die Miss-Wahlen und meine Schlager-Karriere. Aber ich bin bereits über viele Jahre für den Klub tätig.“ Die Frage, ob sie den Posten wegen ihres Aussehens erhalten habe, beantwortet sie mit einem klaren Nein und fügt lachend hinzu: „Außerdem gibt es genug schöne Frauen. Daran lag es hoffentlich nicht.“
Von der Rampensau zur Vereinschefin
Wölfels Karriereweg ist ungewöhnlich: Mit drei Jahren stand sie erstmals auf der Bühne, tanzte vierzehn Jahre lang, nahm an Miss-Wahlen teil, moderierte sieben Jahre täglich bei TV Halle und tourte als Schlagersängerin weltweit. „Das war einmal“, sagt sie über ihre Zeit als sogenannte Rampensau. „Aber dass ich das alles gemacht habe, bringt mir sicher einige Vorteile. Und auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal in der Liga.“ Diese Erfahrungen sieht sie als Bereicherung für ihre neue Rolle, in der sie moderne Sportevents mit mehr Entertainment und Erlebnischarakter gestalten möchte.
Vorurteile in Politik und Sport
Als CDU-Mitglied im Stadtrat kennt Wölfel Vorurteile aus verschiedenen Bereichen. „Vorurteile gibt es überall, wo Menschen Verantwortung übernehmen“, erklärt sie. „Entscheidend ist aus meiner Sicht immer die Arbeit und die Ziele. Wenn man Dinge verlässlich und professionell umsetzt, relativieren sich viele Vorbehalte sehr schnell.“ Dennoch räumt sie ein, dass Frauen in Führungspositionen oft stärker kämpfen müssen. „Ich würde mir wünschen, dass es mehr Frauen in Führungspositionen werden. Es sollten sich mehr Frauen wagen.“
Ziele für den Syntainics MBC
Der MBC hat in letzter Zeit mit unglücklicher Außendarstellung zu kämpfen, darunter Trainer-Entlassungen und der Rauswurf von John Bryant. Wölfel betont: „In jedem Unternehmen gibt es mal Höhen und Tiefen. Wir wollen jetzt stabile Rahmenbedingungen schaffen, sowohl in der Organisation als auch in der Außendarstellung.“ Das kurzfristige Ziel ist klar: „Wir wollen in der Liga bleiben, alles andere wäre Bonus.“ Langfristig möchte sie den Klub gemeinsam mit Alexander Rolle weiterentwickeln und dabei ihre Erfahrungen aus Unterhaltungsbranche und Sportmanagement einbringen.
Traumspieler und Zukunftsperspektiven
Auf die Frage nach ihrem Wunschspieler, wenn Geld keine Rolle spielen würde, antwortet Wölfel ohne Zögern: „Wenn man träumen darf, wäre natürlich ein Spieler wie LeBron James für jeden Klub eine unglaubliche Wunschvorstellung, sportlich und auch für die Aufmerksamkeit rund um den Basketball.“ Bei deutschen Spielern nennt sie die Brüder Franz und Moritz Wagner als Traumverpflichtungen. Ob sie sich auch zutrauen würde, einen Fußball-Bundesligisten zu führen? „Profisport hat unabhängig von der Sportart viele ähnliche Strukturen“, sagt sie, verweist aber darauf, dass ihr Fokus aktuell vollständig auf dem MBC liegt.
Zum Abschluss des Interviews wird noch einmal ihre musikalische Vergangenheit thematisiert. Auf die Frage, ob es bei gesichertem Klassenerhalt einen spontanen Auftritt ihrer ehemaligen Schlagergruppe „Die Himmelsstürmer“ geben würde, lacht sie: „Ich glaube, unsere Fans kommen in erster Linie wegen Basketball in die Halle. Vielleicht dann die neue Formation, da gerade Nachfolgerinnen gesucht werden.“ Damit zeigt sie, dass sie trotz ihrer neuen ernsthaften Rolle ihren Humor und ihre Verbindung zur Unterhaltungsbranche nicht verloren hat.



