Stundenlanges Zocken, starre Haltung, kaum Bewegung – ihre Leidenschaft macht viele Gamer krank. Zu Problemen mit dem Rücken, Nacken, Handgelenken und Ellenbogen kommen psychosoziale Risiken. Mit einem von der Krankenkasse AOK bezahlten Workout sollen Zocker wieder fit werden.
Rund 37 Millionen Gamer in Deutschland
Rund 37 Millionen Menschen spielen in Deutschland regelmäßig an Konsole, PC oder Smartphone. „Wer mehrere Stunden täglich ohne Pause zockt, riskiert Probleme mit Muskeln, Knochen und Gelenken“, erklärt Chuck Tholl vom Institut für Bewegungstherapie der Deutschen Sporthochschule Köln (DHS). „Was früher ‚Tennisellenbogen‘ hieß, ist heute der ‚Mausarm‘“, so der Experte. Die Beschwerden kommen mittlerweile etwa 10 bis 15 Jahre früher als bei vorangegangenen Generationen.
Höheres Risiko für Depressionen
Untersuchungen zeigten bei Gamern zudem ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome und suchtähnliches Verhalten. Die „Internet Gaming Disorder“ (Computerspielsucht) ist eine von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Krankheit. Betroffene verlieren die Kontrolle über Dauer und Häufigkeit des Spielens. Frühe Aufklärung sei deshalb entscheidend, so Tholl.
Nach AOK-Angaben ist „Game on“ der erste Fitness- und Präventionskurs einer gesetzlichen Krankenkasse speziell für Gamer – entwickelt gemeinsam mit der DHS. Elemente aus der Spielewelt, als „Fitness-Challenge“ aufgebaut, sollen Teilnehmer zu „echten“ Workouts motivieren. Die treten in Team-Challenges gegeneinander an und sammeln in einem Levelsystem Erfahrungspunkte. Laut Tholl wissen viele Gamer zwar über gesunde Ernährung, Schlaf und Bewegung Bescheid. Doch die Umsetzung scheitert oft im Alltag.
Gaming nicht pauschal verteufeln
„Ein solches speziell zugeschnittenes digitales Programm kann als Ergänzung etablierter Angebote dabei helfen, junge Menschen einfach zu erreichen“, sagt Stephanie Eckhardt vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Auch Thore Haag vom E-Sport-Bund Deutschland hält den Kurs für eine gute Initiative: „Er ergänzt Allgemeinprävention, indem er Gamern konkret aufzeigt, wie Bewegung, Ergonomie, Pausen und Schlafverhalten in ihren Alltag passen können, ohne Gaming pauschal zu verteufeln.“
„Game on“ wird in verschiedenen Städten in Nordrhein-Westfalen und Hamburg angeboten. Für AOK-Versicherte ist der achtwöchige Präventionskurs kostenlos. Für Nichtversicherte besteht die Möglichkeit, die Kosten in Höhe von 110 Euro von anderen Krankenkassen teilweise oder vollständig erstattet zu bekommen, da das Programm durch die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) zertifiziert ist.



