Para-Held Janis McDavid: Vom Nicht-Schwimmer zur Silbermedaille
Para-Held McDavid: Vom Nicht-Schwimmer zu Silber

Janis McDavid (35) bei der Para Swimming World Series in Berlin: Vor dem Wettkampf lässt ihn ein Betreuer zu Wasser und hält ihn am Beckenrand fest, bis das Startsignal ertönt. Und dann legt der Hamburger los. Bei der Para Swimming World Series in Berlin schreibt Janis McDavid das nächste Kapitel seiner unglaublichen Geschichte. Der Mann, der ohne Arme und Beine geboren wurde, holt Silber über 50 Meter Brust – seine erste Weltcup-Medaille. Dabei konnte er vor zwei Jahren nicht mal schwimmen. Mehr noch: Er hatte jahrzehntelang panische Angst vorm Wasser.

McDavid zu BILD: „Ich habe erst vor zwei Jahren schwimmen gelernt. Ich hatte vorher Angst vor Wasser. Als Kind bin ich in einem See fast ertrunken, meine Mutter hat mich glücklicherweise rechtzeitig gerettet – sonst würde ich heute kein Interview geben. Auch der Schwimmunterricht in der Schule war alles andere als inklusiv. Durch das Erlebnis war ich traumatisiert, die Lehrer waren total überfordert. Das hat sich bei mir tief eingebrannt.“

Magischer Moment beim Schwimmunterricht

Der Wendepunkt: Bei seinen Vorträgen als Motivationsredner lernt McDavid die Stiftung „Deutschland Schwimmt“ kennen, für die er heute als Botschafter auftritt. Ihr Ziel: Jedes Kind hat ein Recht darauf, schwimmen zu können. McDavid: „Ich war mittlerweile so weit, zu sagen, mein Körper kann physisch nicht schwimmen. Aber ich habe zugesagt, damit sie endlich Ruhe geben (lacht).“ Der gebürtige Hamburger fasst sich ein Herz. Mit viel Vertrauen in seinen Schwimmlehrer und einer schrittweisen Wassergewöhnung beginnt das Training. McDavid: „Ich lag auf dem Rücken im Wasser, mein Trainer hat mich die ganze Zeit von unten mit der Hand gehalten. Irgendwann hat er gesagt: Ich habe meine Hand gar nicht mehr unter dir. Das war ein magischer Moment für mich, zu spüren: Krass, ich bleibe ja alleine über Wasser.“

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McDavid durchquert den Starnberger See

Für McDavid die Initialzündung. Nach anderthalb Stunden Schwimmunterricht ist die Angst weg, die ihn so lange im Griff hatte. Völlig euphorisiert davon packt ihn der Ehrgeiz – für den Spitzensport und für eine waghalsige Idee gemeinsam mit der Stiftung. Nur ein Jahr, nachdem er schwimmen gelernt hat, will er den Starnberger See durchqueren. McDavid: „Wir kamen schnell auf die irre Idee mit dem See, weil meine Angst vor dem Wasser auch in einem See begonnen hatte. Das war eine sehr emotionale Komponente.“ Und McDavid packt’s! In nur 1:31 Stunden schwimmt er die 2,4 Kilometer vom Ost- zum Westufer.

Mittlerweile trainiert der Para-Held achtmal pro Woche und gehört zur Trainingsgruppe der Gold-Gewinner um Elena Semechin (32) und Josia Topf (23). Sein nächstes Ziel steht schon fest: In zwei Jahren will er bei den Paralympics in Los Angeles starten.

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