500-Seelen-Dorf Krieschow wirbt für DFB-Reform: Gerechtigkeit für alle
Dorf Krieschow wirbt für DFB-Reform: Gerechtigkeit

Am 29. Juni stimmen Klubs von der 3. bis zur 5. Liga bundesweit über eine neue Regionalliga-Struktur ab. Anders als in der Vergangenheit gilt es als wahrscheinlich, dass kleine und große Vereine an einem Strang ziehen. Selbst ein 500-Seelen-Dorf wirbt jetzt dafür, die fünf Staffeln auf vier zu reduzieren.

VfB Krieschow: Klares Ja zur Reform

„Wir sind ganz klar für die Reform und das Kompassmodell“, sagt Marcel Ohnrich vom Vorstand des brandenburgischen Fünftligisten VfB Krieschow und ergänzt: „Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker. Wir müssen die Meister aus allen Staffeln aufsteigen lassen. Ein Erster, der trotzdem nicht hoch darf, nimmt doch einem anderen Verein unfreiwillig einen Startplatz weg. Über die Jahre sammelt sich das.“

Der Ortsteil Krieschow der Gemeinde Kolkwitz hat nur 557 Einwohner, aber keine Angst vor den größeren Strukturen – im Gegenteil. Verrücktes Omen: In der Nordost-Staffel erwischte es im Nachgang der bisherigen Relegation mit Viktoria Berlin und dem ZFC Meuselwitz ausgerechnet die beiden Teams, die sich nicht klar für die Aufstiegsreform positioniert hatten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Neue Trägerschaft weckt Hoffnungen

„Wir hoffen, dass eine GmbH als neue Trägerschaft der Regionalligen näher an den Vereinen dran ist und in ihrem Sinne handelt“, blickt Ohnrich nach vorn. Es ist eine Gemeinsamkeit der Staffeln West, Nord, Bayern, aber auch der zuschauerstarken Regionalliga Nordost, dass die Verbände eine Weiterentwicklung der Strukturen überwiegend verpasst haben. Nur die Klubs im Südwesten sind mit ihrer GmbH als Träger mehrheitlich sehr zufrieden.

Eine solche Spielbetriebsorganisation soll künftig für die neue 4. Liga zuständig sein. Verträge für ein Liga-Sponsoring könnten je nach Interesse der jeweiligen Geldgeber zentral für alle Regionalligen oder dezentral für eine Staffel geschlossen werden. Auch bei Fernsehrechten würden sich neue Pakete schnüren lassen. Und beispielsweise ein einheitlicher Spielball für alle 80 Vereine könnte einen Ausrüster ermutigen, für einen großen Absatzmarkt in das neue System zu investieren.

„Wir können als kleine Vereine davon profitieren, weil kleine Summen für uns prozentual im Etat mehr ausmachen, gerade wenn es clever angelegt ist und der Träger mit Selbstantrieb handelt“, betont Ohnrich, der beruflich im Marketing tätig ist.

Zulassungskriterien und sportliche Perspektive

Die Zulassungskriterien für das Kompassmodell stehen ebenfalls fest: 2.500 Zuschauer (davon 100 Sitzplätze) als Stadionkapazität, Ausnahmen beim Flutlicht. „Für uns ist das unproblematisch, weil die Anforderungen nicht steigen“, sagt Ohnrich.

Fürs Sportliche hat in Krieschow Trainer und Ex-Zweitliga-Star Robert Koch (40, früher Nürnberg, Dynamo Dresden) das Sagen. Wird die Liga für die kleinen Vereine unattraktiver? „Wenn wir den Sprung mal schaffen sollten, wäre es für uns, glaube ich, mindestens genauso interessant, Bayreuth oder Kassel als Gegner zu haben, als die vielen Berliner Klubs in unserer Region“, meint Koch. Da die Fahrtstrecken durch KI-Optimierung bei Beibehaltung von Derbys reduziert werden, ist davon auszugehen, dass die Reisekosten nicht sprunghaft ansteigen.

Gerechtigkeit in Abstiegsfrage steigt

Ganz anders ist dagegen der Zuwachs an sportlicher Fairness. Dazu brachte der Südwest-Klub Bayern Alzenau im „Main-Echo“ eine ähnliche Position wie Krieschow ein. Präsident Andreas Trageser sagte dort: „Aktuell finden wir das Kompassmodell gerechter, speziell was die Abstiegsfrage angeht.“ Alzenau musste als Viertletzter in der starken Südwest-Staffel runter, während in der schwächeren Nord-Regionalliga nur zwei Klubs in die Oberliga mussten.

Es ist eines von vielen Beispielen, das Fans wie Klubs vieles hinterfragen lässt. Denken am 29. Juni viele Klubs wie Krieschow und Alzenau?

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration