Schalke-Star El-Faouzi: „Gab Anfragen, die ich abgesagt habe“
El-Faouzi: „Gab Anfragen, die ich abgesagt habe“

Er ist Schalkes Senkrechtstarter: Soufiane El-Faouzi (23). Vor zwei Jahren spielte der Mittelfeldspieler noch in der Regionalliga, nun ist er als Schlüsselspieler für die Bundesliga bei Schalke 04 eingeplant. Seinen Marktwert konnte er innerhalb dieser Zeit von 125.000 Euro auf neun Millionen Euro erhöhen. Zuletzt verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis 2030. Im SPORT BILD-Interview spricht er über seine ungewöhnliche Laufbahn, Inspiration von Cristiano Ronaldo und seine völlig verrückte Nacht von Paderborn.

Laufstärkster Spieler im deutschen Profifußball

SPORT BILD: Herr El-Faouzi, Sie waren nun zum zweiten Mal in Folge der laufstärkste Spieler im deutschen Profifußball in einer Saison. Sind Sie als Kind eigentlich schon Marathon gelaufen? SOUFIANE EL-FAOUZI: Nein, noch längst nicht. Dass ich ein guter Läufer bin, kam eigentlich erst heraus, als ich in der Regionalliga für die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf gespielt habe (2022-2024, d. Red.). Zuvor wurden bei mir nie wirklich Daten gemessen oder erfasst. In Düsseldorf habe ich dann zum ersten Mal einen Gurt getragen, der die Körper-Werte misst. Da ist aufgefallen, dass ich einen Vorteil gegenüber anderen Spielern habe. Und zuvor? Meine Karriere begann im Grunde genommen als Taekwondo-Kämpfer, da war ich vielleicht sechs Jahre alt. Das habe ich ein paar Monate gemacht und dann gemerkt, dass Fußball mir mehr Spaß macht. Meine Eltern haben mich im Verein angemeldet – und ich bin mit riesiger Freude dabeigeblieben.

Sie waren also schon immer ein Spätstarter? Ja, das kann man so sagen. Ich war in meiner Karriere bislang immer eher spät dran. Ich bin erst mit 17 Jahren ins Nachwuchsleistungszentrum von Paderborn gekommen, vorher habe ich nur unterklassig gespielt. Und vor zwei Jahren habe ich ja noch in der Regionalliga gespielt. So habe ich, wenn man so will, drei Aufstiege in Folge geschafft. Müssen Sie sich manchmal kneifen? In der vergangenen Saison konnte ich manchmal nicht wirklich realisieren, was gerade passiert. Es ging alles so schnell, wir hatten nur wichtige Spiele, konnten kaum durchschnaufen. Erst jetzt im Urlaub auf Mykonos und in Barcelona konnte ich realisieren, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Und wie unglaublich diese Entwicklung ist. Damit hätte ich vor zwei, drei Jahren nicht gerechnet, so ehrlich muss ich sein.

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Schlüsselkarriere in Aachen und Verletzungszeit

Waren die Scouts damals zu unaufmerksam oder Sie noch nicht gut genug? Der Schlüssel für meine Karriere war die Saison 2024/2025 in Aachen, als ich endlich regelmäßige Spielpraxis bekommen habe. Da habe ich fast alle Spiele in der 3. Liga gemacht, das tat mir sehr gut. Vorher in Düsseldorf hatte ich eine Schambeinentzündung. Und glauben Sie mir: Damit dürfen Sie überhaupt nichts mehr machen. Über vier, fünf Monate. Und jetzt bei Schalke ist das Level einfach viel höher, das hat meinem Körper und meiner Spielweise sehr gutgetan.

„Von Ronaldo habe ich mir Inspiration geholt“ Sie haben als laufstärkster Spieler kein einziges Spiel verpasst. Was sind Ihre goldenen Regeln? Ich habe vor allem während meiner Verletzung viel nachgedacht und mir selbst gesagt, dass ich noch professioneller leben muss. Das mache ich jetzt: Vor dem Training in den Athletikraum, nach dem Training den Körper pflegen. Und ganz wichtig: Ernährung! Haben Sie da in der Vergangenheit geschludert? Es gab auf jeden Fall noch Luft nach oben. Meine Ernährung war längst nicht so gut auf den Leistungssport abgestimmt. Und nach dem Training hieß es: duschen – und ab nach Hause! Hier habe ich jetzt ein Kältebecken, eine Sauna, das hilft mir ungemein. Und ich habe mir auch einiges abgeschaut. Von wem? Von Cristiano Ronaldo. Ich habe mich über Videos und Artikel darüber informiert, wie er lebt. Worauf er Wert legt. Da habe ich mir Inspiration geholt.

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Die verrückte Nacht in Paderborn

Ein Spiel hätten Sie in der vergangenen Saison dennoch fast verpasst – am 31. Spieltag in Paderborn… Das war eine verrückte Nacht vor dem Spiel, die damit begann, dass Paderborner Fans vor unserem Hotel Böller und Raketen gezündet haben. Sie schrien: „Steht auf!“ Das war so gegen 1 Uhr, da war ich schon sehr genervt. Dann habe ich plötzlich extreme Bauchschmerzen bekommen, die Stunden danach habe ich mich nur noch erbrochen. Um vier Uhr habe ich unseren Mannschaftsarzt angerufen. Der hat bei mir geklopft und mir eine Tablette gegeben. Ich hatte sie noch nicht einmal richtig im Mund, da… Naja, das können Sie sich vorstellen… (lacht) Und dann? Ich habe unseren Arzt gefragt, ob er mir mit Medikamenten helfen könne. Kurz danach kam er zurück und hat mir eine kleine Injektion gegeben. Es wurde ein bisschen besser, aber ich fühlte mich noch nicht fit genug für das Spiel. Ich habe ihn also gefragt, ob ich eine Infusion bekommen könne. Was sagte er? Dass es möglich sei, wegen der Doping-Vorschriften die Infusion aber nur noch in einem Krankenhaus unter Aufsicht gelegt werden könne. Es musste alles wirklich schnell gehen. Wir haben so schnell kein Taxi bekommen, also sind wir im Mannschaftsbus in die Notaufnahme gefahren. Danach wurde es besser – und ich konnte 90 Minuten spielen.

Vertragsverlängerung und Zukunft bei Schalke

„Die Philosophie des Trainers passt perfekt zu mir“ Zuletzt haben Sie Ihren Vertrag um ein Jahr bis 2030 verlängert – inklusive Gehaltserhöhung. Bedeutet das, dass Sie in der kommenden Saison auf jeden Fall für Schalke spielen? Die Karten werden immer neu gemischt, eine Garantie hat keiner. Ich muss aber sagen: Dass Schalke mir diesen neuen Vertrag gegeben hat, ist eine riesige Wertschätzung. Und ich werde mich mit Sicherheit nicht darauf ausruhen. Haben Sie interessierten Klubs in diesem Sommer bereits abgesagt? Ich will keine Vereine nennen, aber es gab Anfragen, die ich abgesagt habe, ja. Ich fühle mich einfach sehr wohl hier. Die Philosophie des Trainers passt perfekt zu mir. Für meine Entwicklung war Schalke die beste Entscheidung.

Von wem konnten Sie hier bislang am meisten lernen? Fußballerisch von Kenan Karaman. Ihn kann man in jeder Situation anspielen, er findet fast immer eine Lösung. Und was Mentalität angeht: Nikola Katic und Timo Becker. Sie leben Fußball mit einem unfassbaren Siegeswillen. Gehört Schalke für Sie zu den Abstiegskandidaten? Nein. Wir haben eine klare Spielidee. Und wenn wir die weiterhin umsetzen können, habe ich ein sehr gutes Gefühl. „Und das wird auch in der Bundesliga so sein“ Sorgt vor allem Trainer Miron Muslic für Zuversicht in der Mannschaft und im Umfeld des Klubs? Seine Idee ist davon geprägt, dass jeder Spieler zu jeder Zeit Vollgas geben muss. Das ist für ihn die erste Priorität. Vorher unterhält er sich über nichts anderes. Diese Mentalität hat zunächst dafür gesorgt, dass wir keine Spiele hoch verloren haben. Und das wird auch in der Bundesliga so sein. Was wird Schalkes wichtigste Waffe? Das Umschaltspiel! Wir gewinnen viele Bälle durch unser Zweikampfverhalten. Und dann müssen wir mit voller Intensität nach vorne spielen.

Nationalmannschaftsperspektive

Zuletzt waren Sie bei der Nationalmannschaft Marokkos eingeladen, haben die WM-Nominierung nur knapp verpasst. Wie sieht Ihre Perspektive dort aus? Es war eine große Ehre, zuletzt schon dabei gewesen zu sein. Der Trainer hat mir gesagt: Wenn ich meine Leistung weiterhin so zeige, bin ich zukünftig Teil des Kaders. Das ist natürlich mein großes Ziel!