Es ist verwunderlich, manchmal auch etwas würdelos, wie viel Energie die Europäer darauf verwenden, um Donald Trump bei Laune zu halten. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat die devote Haltung gegenüber dem US-Präsidenten mittlerweile zur neuen Kunstform entwickelt. Vertreter der EU versuchen verzweifelt, Trump mit neuen verteidigungspolitischen Rekordzahlen milde zu stimmen. Und auch der Kanzler pendelt etwas unbeholfen zwischen übertriebener Anbiederung und tollkühner Konfrontation hin und her, je nachdem, wo er auftritt.
Trumps Taktik: Unberechenbarkeit als Mittel der Wahl
Nun, all das hilft nicht wirklich weiter. Trump ist immun gegenüber diplomatischen Kunstgriffen, vielleicht sogar allergisch. Unberechenbarkeit und Unzuverlässigkeit sind und bleiben sein Mittel der Wahl, um vermeintliche amerikanische Interessen zu vertreten. Dass diese Strategie eher selten zum Ziel führt, zeigt nicht zuletzt die neuerliche Eskalation am Persischen Golf. Trump erklärt den „Friedensdeal“ für gescheitert, ignoriert derweil, dass es vor allem sein eigenes Scheitern ist.
Iran profitiert von Trumps Politik
Trump hat es geschafft, jenem iranischen Regime, das vor Kriegsbeginn am Ende schien, neues Leben einzuhauchen. In dem Bewusstsein, die militärische Supermacht niedergerungen zu haben, wagt der Iran den Affront gegenüber Washington, nutzt sein neues erpresserisches Machtinstrument, die Straße von Hormus, um den Westen zu desavouieren. Die Folge: Eskalation in Nahost wie auch beim Nato-Gipfel. Nichts davon liegt im amerikanischen oder europäischen Interesse.



