Merz beschwört den „Geist von Ankara“ – Trump sorgt für Irritationen
Beim Nato-Gipfel in Ankara hat Bundeskanzler Friedrich Merz den sogenannten „Geist von Ankara“ beschworen – doch US-Präsident Donald Trump sorgte mit scharfen Worten für neue Spannungen. Während Merz auf Einheit und Zusammenarbeit setzte, drohte Trump öffentlich den dänischen Vertretern und wies die spanische Delegation in ihre Schranken. Das Bündnis schien er bereits abgeschrieben zu haben. Hinter verschlossenen Türen soll das Klima jedoch versöhnlicher gewesen sein, wie Teilnehmer berichten.
Trumps öffentliche Attacken: Drohungen gegen Dänemark und Spanien
In einer Pressekonferenz am Rande des Gipfels richtete Trump deutliche Worte an Kopenhagen: „Wenn Dänemark nicht mehr für seine Verteidigung zahlt, werden wir unsere Truppen abziehen.“ Zudem kritisierte er Spanien scharf für angeblich zu geringe Verteidigungsausgaben. „Spanien muss mehr tun, sonst kann es nicht auf unseren Schutz zählen“, so Trump. Die betroffenen Delegationen zeigten sich verärgert, vermieden jedoch öffentliche Konfrontationen.
Hinter verschlossenen Türen: Versöhnliche Töne
Nach Angaben von Diplomaten sei die Stimmung in den internen Gesprächen deutlich konstruktiver gewesen. „Hinter den Kulissen wurde sachlich diskutiert und Kompromissbereitschaft signalisiert“, sagte ein namentlich nicht genannter EU-Diplomat. Merz habe in einer nicht-öffentlichen Sitzung für Geschlossenheit geworben und an die Gründungsprinzipien der Nato erinnert. Der „Geist von Ankara“ stehe für den Willen zur gemeinsamen Verteidigung, so Merz.
Auswirkungen auf das Bündnis: Vertrauenskrise oder Neuanfang?
Der Gipfel zeigt einmal mehr die tiefe Spaltung innerhalb der Nato. Während die europäischen Partner auf mehr Eigenständigkeit drängen, pocht Washington auf höhere Lastenteilung. Laut einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center unterstützen nur noch 42 Prozent der Deutschen die Führungsrolle der USA in der Nato – ein historischer Tiefstand. Ob der „Geist von Ankara“ nachhaltig wirkt, bleibt fraglich. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Rhetorik der Geschlossenheit oder die realen Konflikte überwiegen.



