Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat CDU-Chef Friedrich Merz für dessen Vorschlag einer Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag scharf kritisiert. In einem Interview mit der Funke Mediengruppe empfahl sie Merz, „mal zehn Minuten mit einem Hausarzt zu telefonieren“, um die Realität in den Praxen zu verstehen. Lang bezeichnete die Idee als „Schnapsidee“, die vor allem Familien unter Druck setzen würde.
Hintergrund der Kontroverse
Merz hatte vorgeschlagen, dass Arbeitnehmer bereits am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit eine ärztliche Bescheinigung vorlegen müssen. Bislang gilt in Deutschland die Regelung, dass eine Krankschreibung erst ab dem dritten Tag erforderlich ist. Der CDU-Vorsitzende argumentierte, dies könne den Krankenstand senken und die Wirtschaft entlasten.
Lang hingegen betonte, dass eine solche Regelung vor allem für berufstätige Eltern eine enorme Belastung darstelle. „Viele Mütter und Väter sind ohnehin schon am Limit. Wenn sie dann noch am ersten Krankheitstag zum Arzt rennen müssen, wird das für viele Familien zum logistischen Problem“, sagte die Bundestagsabgeordnete. Sie verwies auf die angespannte Situation in Hausarztpraxen, die oft keine kurzfristigen Termine anbieten könnten.
Neue Freiheit in der Politik
Im Gespräch äußerte sich Lang auch zu ihrer persönlichen Situation. Nach dem Rückzug aus der Parteispitze der Grünen genieße sie eine „neue Freiheit“ in der Politik. Sie könne nun stärker ihre eigenen Akzente setzen, ohne ständig auf die Parteirücksichten nehmen zu müssen. „Ich muss nicht mehr jede Aussage abwägen, ob sie dem Vorstand gefällt“, erklärte Lang. Diese Freiheit nutze sie, um sich verstärkt für soziale Themen wie bezahlbaren Wohnraum und die Unterstützung von Familien einzusetzen.
Reaktionen aus der Politik
Die Kritik von Lang an Merz fand auch in den sozialen Medien breite Zustimmung. Zahlreiche Nutzer teilten ihre Einschätzung, dass eine Krankschreibung ab Tag 1 vor allem diejenigen treffen würde, die ohnehin schon unter Druck stünden. Auch Vertreter der Ärzteschaft äußerten sich skeptisch. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnte vor einer zusätzlichen Belastung der Praxen. „Wir haben schon jetzt lange Wartezeiten. Eine Ausweitung der Krankschreibungspflicht würde die Situation weiter verschärfen“, so Gassen.
Die FDP hingegen zeigte Verständnis für den Vorschlag von Merz. Der gesundheitspolitische Sprecher der Liberalen, Christoph Meyer, sagte, es gehe darum, Fehlzeiten zu reduzieren. „Wir müssen die Anreize so setzen, dass Arbeitnehmer nicht unnötig zu Hause bleiben“, erklärte Meyer. Die Debatte dürfte in den kommenden Wochen weiter an Fahrt gewinnen, da die Bundesregierung über eine Reform des Krankmeldungsrechts berät.



