Frauen-Bundesliga erwägt Playoffs für neuen TV-Vertrag
Frauen-Bundesliga erwägt Playoffs für TV-Vertrag

Der erst im Dezember gegründete Ligaverband der Frauen-Bundesliga (FBL) steht vor seiner ersten großen Herausforderung: eigenständig neue TV-Verträge auszuhandeln. Dabei geht die FBL ungewöhnliche Wege und erwägt sogar die Einführung von Playoffs, um das Medienprodukt attraktiver zu gestalten. Hintergrund ist die Diskrepanz zwischen dem boomenden Interesse an der Frauen-Nationalmannschaft und der vergleichsweise geringen Aufmerksamkeit für den Ligaalltag.

Neue TV-Verträge: kurze Laufzeit und kreative Modelle

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat FBL-Präsidentin Katharina Kiel zuletzt Sendern und Medienunternehmen verschiedene Ideen präsentiert. Als sicher gilt, dass die neuen Verträge nur über zwei Jahre laufen sollen – ungewöhnlich, da derzeit mindestens drei Jahre üblich sind. TV-Unternehmen bevorzugen wegen der Planungssicherheit längere Kontrakte. Zur Diskussion stehen unter anderem die Abschaffung des Montags-Spieltags, mehrere parallele Partien für eine Konferenzschaltung oder Play-offs, wie sie im Basketball oder Eishockey üblich sind. Zudem gibt es die Idee einer gemeinsamen Vermarktung mit der Männer-Bundesliga ab 2029/30.

Kiel wurde dabei vom Rechte-Experten Christian Frodl unterstützt, der früher bei der DFL und beim Pay-TV-Sender Sky tätig war. Auch der ehemalige DFL-Boss Christian Seifert brachte seine Expertise in einer Sitzung mit den Vereinen ein. Eine FBL-Sprecherin sagte auf dpa-Anfrage: „Wir stellen das Medienprodukt der Frauen-Bundesliga für die Zeit ab 2027/28 neu auf und beziehen dabei frühzeitig die Perspektive von Sendern und Plattformen ein. Die konkreten Inhalte der Ausschreibung geben wir Anfang September bekannt.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Finanzieller Druck und internationale Konkurrenz

Die FBL steht auch finanziell unter Druck. Die englische Women’s Super League (WSL) kassiert nach Angaben des Portals „The Athletic“ bei den TV-Einnahmen mehr als das Dreifache und lockt die starken Bundesliga-Spielerinnen an, wie zuletzt Georgia Stanway, die vom FC Bayern zum FC Arsenal wechselte. Im Vordergrund soll für die FBL nicht mehr Geld stehen, sondern zunächst die Erhöhung der Reichweite und der Sichtbarkeit im Free-TV.

Bei den noch eine Saison laufenden TV-Verträgen hatten sich die Lizenzeinnahmen im Vergleich zur vorherigen Rechteperiode um das 16-fache erhöht. Die jährliche Einnahme liegt derzeit bei 5,17 Millionen Euro brutto. Der DFB schüttet 90 Prozent an die Vereine aus, wobei jeder Club den gleichen Anteil erhält – anders als bei den Männern.

Bescheidene TV-Zahlen in der Liga

Die TV-Zahlen der Vorsaison sind trotz leichter Zuwächse eher bescheiden. Das Spitzenspiel VfL Wolfsburg gegen FC Bayern sahen im Ersten als Topwert 1,684 Millionen Menschen. Andere Partien in ARD und ZDF kamen mit Mühe auf eine halbe Million. Der TV-Sender Sport1 erreichte mit seinen 22 Übertragungen eine durchschnittliche Reichweite von 147.000 Menschen. Die Pay-TV-Anbieter DAZN und Telekom, die alle 132 Partien zeigen, machten keine Angaben.

Sportbusiness-Experte Marco Klewenhagen vom Portal „Spobis“ betont: „Bei der Bewertung der Medienrechte muss deutlich zwischen der Frauen-Nationalmannschaft und der Frauen-Bundesliga unterschieden werden.“ Vom Massenpublikum und den hohen Einschaltquoten des Nationalteams sei der Liga-Alltag „sehr weit entfernt und muss sich diese Aufmerksamkeit noch erarbeiten“. Die Nationalmannschaft lockt verlässlich mehrere Millionen vor den Bildschirm, bei EM und WM steigt die Reichweite über die Zehn-Millionen-Grenze. Klewenhagen hält Frauenfußball grundsätzlich „für einen der größten Wachstumsmärkte im Sport – auch, weil er auf relativ niedrigem Ausgangsniveau startet“.

Langer Atem gefragt

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sieht bei der Liga ebenfalls Potenzial, sagte aber: „Man braucht einen langen Atem, um das zu entwickeln.“ In der Bundesliga setze „jetzt erst so richtig die Professionalisierung ein“. Mit den finanzstärkeren Vereinen aus der Männer-Bundesliga mit ihren Frauenmannschaften habe sich die Entwicklung positiv verändert. Bei der DFB-Auswahl habe es auch lange gedauert, so Balkausky. Der Durchbruch war die Heim-WM 2011, als erstmals alle Spiele live übertragen wurden. Beim Ausscheiden der deutschen Mannschaft gegen Japan schauten fast 17 Millionen Menschen im Fernsehen zu.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Die FBL hofft nun, mit ihrem reformierten Medienprodukt langfristig mehr Zuschauer zu gewinnen und die Schere zur Nationalmannschaft zu schließen. Die Ausschreibung im September wird zeigen, ob die innovativen Ideen bei den Sendern verfangen.