Die Weichen sind gestellt: Jürgen Klopp will Bundestrainer werden, und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will ihn. Doch der Weg zur Verpflichtung des 59-Jährigen ist mit finanziellen Hürden gepflastert. Der Verband muss nicht nur eine Abfindung für Julian Nagelsmann zahlen, sondern auch Klopps Vertrag bei Red Bull auflösen und ihm ein Millionengehalt bieten. Ein teurer Sommer für den DFB.
Klopps WM-Fortbildung und die Größe der Aufgabe
Klopp bereitet sich derzeit in New York auf seine mögliche neue Rolle vor. Am Sonntag war er für MagentaTV als Experte beim 2:1-Sieg Norwegens gegen Brasilien im Einsatz und verfolgte Erling Haalands nächsten Coup. „Ich hab' schon wieder so viel gelernt“, sagte ein aufgedrehter Klopp. Er betreibt eine wertvolle „Fortbildung in Sachen Weltklasse“, bevor er vom „Head of Global Soccer“ bei Red Bull zum „Head of National Soccer“ beim DFB wechseln will.
Die finanziellen Hürden: Abfindung, Vertrag und Ablöse
Der DFB muss mehrere Millionen stemmen. Die Abfindung für Julian Nagelsmann liegt laut Medienberichten bei knapp sieben Millionen Euro. Klopp selbst strebt einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 an, der ihm ein Gehalt auf hohem Niveau sichern soll. Zudem muss der DFB Klopp aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag bei Red Bull freikaufen – eine Ablöse an den Getränke-Multi ist wahrscheinlich. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Ligapräsident Hans-Joachim Watzke werden zu Klopp nach New York fliegen, um die Details zu klären.
Nagelsmanns Abschied: „Er hat auf Geld verzichtet“
Der scheidende Geschäftsführer Andreas Rettig dankte Nagelsmann für dessen Haltung beim Abschied. „Er hat seinen Rücktritt angeboten, er hat auf Geld verzichtet. Das rechnen wir ihm alle sehr hoch an“, sagte Rettig bei Sky. Dennoch bleibt die Abfindung eine Belastung für den DFB-Haushalt.
Die Rolle von Red Bull und Oliver Mintzlaff
Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff muss der Freigabe Klopps zustimmen. Klopp selbst zeigte sich zuversichtlich: „Oliver Mintzlaff ist mein erster Ansprechpartner. Aber die Situation ist so, dass Red Bull der Sache zustimmen muss – und ich glaube, auch zustimmen wird.“ Das Unternehmen mit einem weltweiten Konzernumsatz von über zwölf Milliarden Euro könnte die Freigabe aus Imagegründen gewähren.
DFB-Finanzen: Spielraum durch Nike-Millionen
Dem DFB geht es wirtschaftlich besser. Im Jahr seines 125-jährigen Bestehens erwirtschaftete der Verband einen Überschuss von 19,2 Millionen Euro, das Eigenkapital wuchs auf 188 Millionen Euro. Ab 2027 fließen zudem rund 700 Millionen Euro aus dem Sieben-Jahres-Vertrag mit Nike. Neuendorf hatte bei der Vorlage des Finanzberichts betont: „Wirtschaftliche Vernunft wird auch in Zukunft die Basis für unser Handeln sein.“ Doch die neuen Einnahmen könnten die Verhandlungsposition des DFB schwächen, wie Kapitän Joshua Kimmich durchblicken ließ: „Man hat das Gefühl, dem DFB geht es auch wieder ein bisschen besser. Und im nächsten Jahr kommt nochmal ein ganz großer Partner dazu.“
Weitere Personalien: Sportdirektor und Sport-Geschäftsführer
Neben Klopp muss der DFB auch einen neuen Sport-Geschäftsführer und womöglich einen neuen Sportdirektor finden. Per Mertesacker, Weltmeister von 2014, hat bereits Interesse an einer DFB-Position bekundet. Als Ex-Profi und langjähriger Leiter der Nachwuchsakademie des FC Arsenal sind ihm die Gehälter auf DFB-Niveau jedoch fremd.
WM-Vorrunde: Millionen-Defizit trotz FIFA-Prämien
Die WM in den USA war für den DFB ein Zuschussgeschäft. Aus den FIFA-Töpfen flossen 13,5 Millionen US-Dollar (rund zwölf Millionen Euro). Ein Viertelfinale hätte weitere acht Millionen Dollar gebracht, doch das Aus gegen Paraguay verhinderte dies. DFB-Generalsekretär Holger Blask hatte bereits vor dem Turnier gesagt, es sei schwer, „vor dem Halbfinale den Break-even zu erreichen“. Selbst die Spieler erhielten wohl nur eine kleine Prämie für den Gruppensieg.
Fazit: Klopp will, der DFB will – und Red Bull wird mitspielen
Nach dem Vorspiel der vergangenen Tage müssen beide Seiten zueinanderfinden. Klopp verheißt Erfolg, doch eine Garantie gibt es nicht. Red Bull dürfte letztendlich mitspielen, denn für das Unternehmen wäre die gute Tat für den deutschen Fußball imagefördernd – mehr wert als ein paar Millionen Euro mehr oder weniger.



