DEB-Sportvorstand Künast zieht kritische Olympia-Bilanz: "Wir suchen unsere Identität"
Künast: Deutsche Eishockey-Identität nach Olympia gesucht

Eishockey-Bilanz nach Olympia: DEB-Sportvorstand übt scharfe Selbstkritik

Nach dem enttäuschenden Abschneiden der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Winterspielen hat Christian Künast, der Sportvorstand des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), eine schonungslose Analyse vorgelegt. In einem exklusiven Interview mit MagentaSport zog der ehemalige Nationaltorwart eine kritische Bilanz und gestand gravierende Fehler im Vorfeld des Turniers ein.

"Wir suchen im Moment unsere Identität"

"Wir suchen im Moment unsere Identität", stellte Künast mit deutlichen Worten fest. Der DEB-Sportvorstand verwies dabei auf die traditionellen Stärken des deutschen Eishockeys: "Das deutsche Spiel ist immer noch dieses Wir-Gefühl, dieses mutige, dieses Für-Deutschland-Rausgehen, ohne dass es immer spielerisch ist." Doch genau diese charakteristische Spielweise sei bei den Olympischen Spielen mit der vermeintlich besten Nationalmannschaft aller Zeiten um NHL-Superstar Leon Draisaitl sträflich vernachlässigt worden.

Künast betonte die fundamentale Bedeutung defensiver Stabilität: "Stabilität in der Defensive kommt zuerst!" Stattdessen habe man sich zu sehr von emotionalen Momenten leiten lassen: "Hurra, jetzt fahren wir noch mal ein Forechecking, wo man sich vielleicht zurückziehen sollte. Diese kompakte Spielweise hätten wir besser vorbereiten können."

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Vorbereitungsmängel und strukturelle Probleme

Der DEB-Sportvorstand nahm dabei bewusst keine Ausnahme für sich selbst in Anspruch: "Wir waren gut vorbereitet, aber wir waren nicht top vorbereitet. Das beginnt bei mir – weil ich der Vorstand Sport bin." Diese selbstkritische Haltung unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Analyse nach dem olympischen Debakel.

Ein besonders schwerwiegendes strukturelles Problem identifizierte Künast in der Unterbringung der Trainer während der Spiele in Mailand. Die Trainer des deutschen Teams wohnten nicht im Olympischen Dorf, was nach Ansicht des Sportvorstands gravierende Auswirkungen auf die Teamdynamik hatte: "Das war wirklich ein schwerer Punkt, wenn Teams – Frauen wie Männer – die Nähe von unseren Trainern gewohnt sind."

Künast führte weiter aus: "Dieser Kontakt hat irgendwo gefehlt – und das ist die größte Stärke von Harry Kreis! Der haben wir ihn irgendwo beraubt – auch ich, weil ich war mitentscheidend." Diese Aussage verdeutlicht, wie sehr die fehlende Präsenz von Bundestrainer Harold Kreis im Olympischen Dorf die gewohnten Abläufe und die mentale Betreuung des Teams beeinträchtigte.

Verpasste historische Chance gegen die Slowakei

Obwohl die deutsche Mannschaft das offizielle Verbandsziel Viertelfinale erreicht hatte, bewertet Künast das Gesamtergebnis als enttäuschend. Besonders schmerzhaft war die verpasste Gelegenheit im Viertelfinale gegen die Slowakei, die als leichtester verbliebener Gegner galt. Die deutsche Mannschaft unterlag dabei mit einem enttäuschenden 2:6.

Insgesamt verlor das Team von Bundestrainer Harold Kreis drei seiner fünf Spiele während des olympischen Turniers. Bemerkenswert dabei ist, dass nur einmal ein absolutes Topteam der Gegner war – beim 1:5 in der Vorrunde gegen die späteren Olympiasieger aus den USA. Diese Statistik unterstreicht die Diskrepanz zwischen den Erwartungen an das talentierte Team um Leon Draisaitl und der tatsächlichen Leistung bei den Winterspielen.

Konsequenzen für die Zukunft des deutschen Eishockeys

Die kritische Analyse von Christian Künast markiert einen wichtigen Wendepunkt für den Deutschen Eishockey-Bund. Die offene Benennung von Fehlern in der Vorbereitung, strukturellen Mängeln und der verlorenen Spielidentität bildet die Grundlage für notwendige Reformen im Verband.

Die zentrale Frage lautet nun, wie der DEB aus diesen Erkenntnissen Konsequenzen ziehen wird, um das deutsche Eishockey wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Die Rückbesinnung auf traditionelle Stärken wie defensive Stabilität und Teamgeist, kombiniert mit einer verbesserten Turniervorbereitung, wird entscheidend sein für die zukünftige Entwicklung der Nationalmannschaft.

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