Als der unvermeidliche Moment gekommen war und Konrad Abeltshauser den Fans des EHC Red Bull München Servus sagen sollte, ging fast nichts mehr. Der Abwehrhüne, der Baum von einem Mann, der Ur-Bayer aus Bad Tölz, gewährte einen tiefen Blick in seinen weichen Kern. Tränen flossen, der "Koni", der "Kini" brachte auf der Bühne im SAP Garden kaum ein Wort heraus, so wie es ihm im Gespräch mit den Reportern ergangen war. "Man hat eigentlich gehofft", sagte Abeltshauser mit zitternder Stimme, "dass man heute krank machen kann und da nicht durchmuss. Aber", fügte er hinzu, "man braucht es halt auch, um abschließen zu können."
Abschied unter Tränen und mit Weißbier
Und so nahm der 33-Jährige den schweren Gang auf sich, wurde freilich auch gefeiert und beschenkt. Später bei der Autogrammstunde, als sich bei ihm die längste Menschenschlange gebildet hatte und er geduldig unterschrieb und unterschrieb, Foto um Foto machte, da huschte zwischen dem einen oder anderen Schluck Weißbier schon wieder ein Lächeln über sein Gesicht. Eine gewisse Last war abgefallen, der emotional schwierigste Teil des Endes seiner EHC-Geschichte geschafft. "Die Fans", sagte Abeltshauser, "waren auch ein großer Grund, warum das so schön war die letzten zehn Jahre und dann soll es auch schön enden, wenn du auf die zehn Jahre zurückblickst." Es machte ja einen Großteil der Popularität aus, dass er einer zum Anfassen ist, immer nahbar, nie verstellt. Auch das geht mit seinem Abgang verloren.
Kapitän Hager lobt Vorbildfunktion
"Jeder weiß, dass im Profisport irgendwann Entscheidungen anstehen, die für den Verein auch nicht einfach sind, für Koni selber sowieso nicht. Aber nichtsdestotrotz kann er unglaublich stolz sein auf das, was er in München geprägt hat", gab ihm Kapitän Patrick Hager mit. Der 37-Jährige lobte seinen langjährigen Mannschaftskollegen für die Rolle "als Typ, als Charakter" in der Kabine wie für seine Leistungen auf dem Eis und die Arbeitseinstellung. "Ich glaube, dass der Koni vor allem für die jungen Spieler eine unglaubliche Vorbildfunktion hatte", sagte Hager. Zudem sei er mit seiner kanadischen Frau Erica "das Bindeglied" gewesen zu den nordamerikanischen Spielern.
Wechsel zu den Löwen Frankfurt
Nach Informationen der AZ und der "Eishockey News" wird es für 1860-Fan Abeltshauser bei den Löwen Frankfurt weitergehen, dort bekommt er den Mehrjahresvertrag, auf den man sich in München nicht verständigen konnte. "Nichts kann die Erinnerung besudeln und die Erinnerungen werden immer positiv bleiben", sagte der 23-malige Nationalspieler. Er ergänzte: "Wir können uns in die Augen schauen, wir sind menschlich immer noch super gut miteinander. Es ist halt so leider im Sport. Klar, wenn ich mein eigenes Drehbuch hätte schreiben können, dann hätte ich es vielleicht anders geschrieben."
Zukunftspläne: Tölz und Rückkehr zum EHC
Abeltshauser erinnerte an den DEL-Titel 2017, der für ihn der schönste gewesen sei, erinnerte auch an all die Mitarbeiter und Spieler, mit denen und an deren Seite er gewachsen sei. "Man kommt als Jungspund mit kanadischer Freundin aus Nordamerika und geht als verheirateter Mann mit zwei Kindern und vier Meisterschaften", schilderte er und machte ebenso deutlich, dass es – anders als beim Kanadier Dillon Heatherington – nie einen Gedanken ans Karriereende gegeben habe. "Ich liebe diese Spiel abgrundtief und will so lange spielen, bis sie mich irgendwann im Rollstuhl vom Eis runterhauen", sagte Abeltshauser, der bekräftigte, dass er das letzte Karrierejahr, wann immer es kommen mag, daheim bei den Tölzer Löwen plant: "Das steht auf jeden Fall noch an. Daran hat sich nichts geändert, nur hat sich vielleicht die Zeitschiene ein bisschen nach hinten verschoben." Auf dieser Zeitschiene erscheint irgendwann auch eine EHC-Rückkehr in anderer Funktion. Das ist ausgemachte Sache, bei allem Trennungsschmerz. "Das war mit das Erste", berichtete Abeltshauser, "worüber wir geredet haben, dass die Tür immer offen ist. Die Sicherheit zu haben, dass man eine Anlaufstelle hat, ist schön und es ist eben das, was Familie ausmacht."



