1860-Fans überkleben Wahlplakate: Nächste Provokation gegen FC Bayern
Fans des TSV 1860 München haben in der Nacht auf Montag mit einer groß angelegten Plakataktion für Aufsehen gesorgt und dabei bewusst ihren Stadtrivalen FC Bayern provoziert. Unzählige Kommunalwahlplakate in der bayerischen Landeshauptstadt wurden mit einem speziell gestalteten Löwen-Motiv überklebt, das eine klare Botschaft transportiert.
Löwen-Plakat direkt vor Bayern-Geschäftsstelle
Besonders pikant: Eines der überklebten Plakate befindet sich exakt vor der Geschäftsstelle des FC Bayern an der Säbener Straße. Das Motiv zeigt einen kraftstrotzenden Löwen in blauer Hose mit 1860-Schriftzug, blauen Turnschuhen und Sonnenbrille. Auf der haarigen Brust prangt ein Giesing-Tattoo, am muskulösen Oberarm ist ein weiterer Vereins-Schriftzug zu erkennen. Der lässig dastehende Löwe lehnt sich an einem Biertisch an, auf dem eine volle Maß und ein umgekippter leerer Maßkrug zu sehen sind – alles vor einer weiß-blauen Fahne.
Die Botschaften auf dem Plakat sind eindeutig: „Wir sagen Ja zur Stadtbild-Verschönerung“ sowie „A echter Münchner is oiwei a Sechzger“. Insgesamt sollen nach Angaben aus Fan-Kreisen genau 1866 dieser Plakate in München angebracht worden sein, was symbolisch für das Gründungsjahr des Vereins steht.
Selektive Überklebung und politische Dimension
Interessant ist die selektive Vorgehensweise der Löwen-Fans: Im Bereich zwischen Bozener Straße und der Bayern-Geschäftsstelle wurden ausschließlich Plakate von Politikern und Parteien überklebt, die nicht an der Oberbürgermeister-Stichwahl am 22. März teilnehmen. In den allermeisten Fällen betraf dies Plakate der CSU und von Clemens Baumgärtner. Die Wahlplakate von Dieter Reiter und Dominik Krause blieben dagegen von der Klebeaktion verschont.
Auffällig war auch, dass auf einem etwa 600 Meter langen Teilstück der Säbener Straße – vom FCB-Trainingsgelände bis zur Kreuzung Schellenbergstraße – am Dienstagvormittag kein einziges Wahlplakat mehr zu sehen war. Parallel dazu waren in der Grünwalder Straße parteiübergreifend noch zahlreiche Wahlplakate vorhanden. Auch rund um das Grünwalder Stadion waren am Dienstagmorgen keine FCB-Schmähplakate zu entdecken.
Rechtliche Konsequenzen und historische Rivalität
Generell kann das Beschmieren oder Beschädigen von Wahlplakaten nach §303 StGB als Sachbeschädigung geahndet werden. In einigen Fällen hatte sich das Löwen-Plakat bereits von selbst wieder gelöst, an anderen Stellen waren deutliche Versuche zu erkennen, das Schmähplakat abzureißen.
Die aktuelle Plakat-Aktion ist nur die jüngste in einer langen Reihe von Provokationen zwischen den verfeindeten Fanlagern in den vergangenen Monaten. Zuletzt hatte sich die Rivalität in einem regelrechten Graffiti-Wettstreit manifestiert, und auch die in aktiven Fanszenen beliebten Sticker sind vermehrt im Stadtbild zu sehen.
Vor einigen Wochen eskalierte der Konflikt bereits um den Anspruch auf das Grünwalder Stadion, das nach Plänen von Stadt und TSV 1860 mittelfristig per Erbpacht an die Löwen übertragen werden soll. Diese Entwicklung hätte zur Folge, dass die zweite Mannschaft des FC Bayern nicht mehr auf Giesings Höhen ihre Heimspiele austragen könnte – ein weiterer Zündstoff in der historischen Rivalität zwischen den beiden Münchner Traditionsvereinen.
Die Spannungen zwischen den Fanlagern bleiben damit weiterhin hoch, und die kreativen Aktionen der 1860-Anhänger zeigen, dass die Rivalität auch abseits des Fußballplatzes mit großer Leidenschaft ausgetragen wird.



