Loic Badé bei Bayer Leverkusen: Die enttäuschte Hoffnung auf einen neuen Abwehrchef
Als Bayer Leverkusen im vergangenen Sommer Loic Badé verpflichtete, war die Erwartungshaltung enorm. Der Franzose sollte die gewaltige Lücke schließen, die Jonathan Tah mit seinem Wechsel zum FC Bayern München in der Defensive hinterließ. Man suchte einen neuen Führungsspieler, einen Fixpunkt mit Präsenz und Zweikampfstärke. Doch die Saison 2025/26 entwickelt sich für den 25 Millionen Euro teuren Neuzugang zunehmend zum Albtraum.
Von der Startelf in die Verletzungspause: Ein holpriger Saisonverlauf
Nachdem Badé zuletzt nur unregelmäßig zum Einsatz kam, kehrte er am vergangenen Samstag beim Auswärtsspiel gegen Union Berlin in die Startformation zurück. Trainer Kasper Hjulmand hatte zuvor betont, welch „super Spieler“ und „Teamplayer“ der Innenverteidiger sei. Doch die Rückkehr geriet zum Fehlschlag. Defensiv fehlte Badé die nötige Souveränität, im Zusammenspiel wirkte er unausgeglichen.
In der 67. Minute dann der nächste Tiefpunkt: Ohne Fremdeinwirkung brach Badé zusammen und musste ausgewechselt werden. Die Diagnose lautete auf eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel, die durch eine MRT-Untersuchung bestätigt wurde. Statt dringend benötigte Spielpraxis zu sammeln, beginnt für den Franzosen nun eine wochenlange Zwangspause.
Ein ambitionierter Plan, der aus dem Ruder läuft
Die Verantwortlichen bei Bayer Leverkusen hatten große Pläne mit Badé. Nach Stationen bei Stade Rennes und dem FC Sevilla, wo er 2023 die Europa League gewann, galt er als aufstrebendes Talent. 2024 nominierte Thierry Henry ihn für das olympische Turnier, 2025 feierte er sein Debüt in der französischen A-Nationalmannschaft. Sein Name war bei europäischen Top-Klubs wie dem FC Liverpool oder Inter Mailand im Gespräch.
Badé entschied sich bewusst für Leverkusen, um bei einem Champions-League-Teilnehmer Stammspieler zu werden und sich für die WM 2026 in der französischen Nationalmannschaft zu empfehlen. Geschäftsführer Simon Rolfes schwärmte anfangs von der „natürlichen Ausstrahlung“ und der verbindenden Art des Defensivspielers, der neben Französisch auch Englisch und Spanisch spricht.
Die Realität: Ein Platz in der zweiten Reihe
Auf dem Platz blieb der erhoffte Durchbruch jedoch aus. Zwar zeigen seine Zweikampfwerte Stärken, doch immer wieder unterlaufen Badé Unachtsamkeiten, die seine Leistungen unbeständig machen. Der Afrika-Cup brachte dann die Wende: Wegen der Abwesenheit von Edmond Tapsoba rückte Badé auf die linke Seite der Dreierkette, eine Position, die ihm sichtlich weniger liegt.
In der Folge etablierte sich Robert Andrich im Zentrum, und mit Tapsobas Rückkehr sowie der Verpflichtung von Jarell Quansah fand sich Badé in der Rolle des Ergänzungsspielers wieder. In den letzten fünf Partien kam er auf magere 113 Einsatzminuten. Im Champions-League-Playoff gegen Olympiakos Piräus saß er durchgehend auf der Bank, im Pokal gegen den FC St. Pauli wurde er erst in den Schlussminuten eingewechselt.
Die Folgen: WM-Traum in weiter Ferne
Die Konsequenzen sind gravierend. Nationaltrainer Didier Deschamps hat Badé in dieser Saison bislang vollständig ignoriert. Sein großes Ziel, mit Frankreich zur WM 2026 zu reisen, rückt damit in weite Ferne. Statt den Platz von Jonathan Tah auszufüllen und zum neuen Abwehrchef bei Bayer Leverkusen zu reifen, kämpft der Franzose nun gegen Verletzung und Formtief.
Die anfängliche Euphorie ist einer nüchternen Ernüchterung gewichen. Badé steht vor der Herausforderung, nach seiner Rückkehr aus der Verletzungspause nicht nur physisch, sondern auch mental wieder Anschluss zu finden. Die Zeit drängt, sowohl für den Spieler als auch für den Verein, der dringend Stabilität in der Defensive benötigt.



