Wolfsburgs Trainer Bauer schonungslos: „Wir verhalten uns wie eine Schülermannschaft“
Bauer: Wolfsburg spielt „wie eine Schülermannschaft“

Wolfsburgs Trainer Daniel Bauer übt harte Kritik nach erneutem Punktverlust

Die Situation beim VfL Wolfsburg hat sich dramatisch zugespitzt. Nach einer 2:3-Niederlage gegen den FC Augsburg steht der Traditionsverein vor der schwersten Krise seiner Bundesliga-Geschichte. Trainer Daniel Bauer zeigte sich nach dem Spiel schonungslos in seiner Analyse und verglich die Leistung seiner Mannschaft mit einer Schülermannschaft.

„Wir verhalten uns zum Teil wie eine Schüler-Mannschaft“

Der 43-jährige Cheftrainer ließ nach dem Spiel kein gutes Haar an der Leistung seiner Spieler. „Uns fehlen einfach der nötige Punch, die Aggressivität und auch einfach Meter“, kritisierte Bauer in der Pressekonferenz. Besonders frustrierend sei für ihn die erste Halbzeit gewesen, in der die Mannschaft erneut Probleme hatte, ihr Spiel auf den Platz zu bringen.

Umso erstaunlicher war, dass Wolfsburg gegen Augsburg zweimal in Führung lag. Durch Tore von Yannick Gerhardt in der 41. Minute und Kento Shiogai in der 71. Minute schien der Sieg zum Greifen nah. Doch wie schon in den Spielen zuvor gegen Borussia Dortmund und RB Leipzig kassierte die Mannschaft in den Schlussminuten die entscheidenden Gegentore.

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Bauers Mängelliste wird immer länger

Der Trainer listete zahlreiche Defizite auf, die einem Offenbarungseid gleichkommen:

  • Fehlende Zweikampfhärte
  • Mangelnde Fähigkeit, im richtigen Moment ein Foul zu spielen
  • Individuelle Aussetzer vor gegnerischen Standardsituationen
  • Naivität und mangelnde Lernfähigkeit aus früheren Fehlern

„Was hinten raus passiert ist, ist schwer zu akzeptieren“, sagte Bauer mit Blick auf die späten Gegentore. Gegen Augsburg musste seine Mannschaft in den Schlussminuten gleich zwei Treffer hinnehmen – durch einen Handelfmeter von Michael Gregoritsch in der 87. Minute und den Siegtreffer von Ex-Wolfsburger Elvis Rexhbecaj in der Nachspielzeit.

Historisch schlechte Werte für Wolfsburg

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der VfL Wolfsburg steht so schlecht da wie noch nie in seiner Bundesliga-Geschichte:

  • Sechs Spiele in Folge ohne Sieg
  • Nur 20 Punkte nach dem 23. Spieltag
  • Sogar in den Relegationsjahren 2017 und 2018 hatte der Verein zu diesem Zeitpunkt mehr Punkte (23 bzw. 24)
  • Insgesamt 23 Punkte gab die Mannschaft bereits nach eigener Führung noch ab

Bauer verwies auf positive Beispiele wie Mainz 05 und den Hamburger SV, die am Freitagabend in einem intensiven Spiel 1:1 gespielt hatten. „Die beiden haben es vorgemacht, wie Abstiegskampf aussehen kann und vor allem wie Abstiegskampf auch aussehen muss“, so der Trainer.

Spieler sehen Verantwortung bei sich selbst

Torschütze Yannick Gerhardt, der für den verletzten Maximilian Arnold die Kapitänsbinde trug, beschrieb die Stimmung im Team als „grausam“. „Wir wissen, die Situation wird immer ernster“, sagte der Mittelfeldspieler. „Trotzdem kann ich für mich und auch für die Mannschaft sprechen, wir werden alles dafür tun, dass wir den Verein in der Liga halten.“

Gerhardt stellte jedoch auch die Qualität der Spieler infrage: „Am Ende muss man natürlich die Qualität infrage stellen, wenn wir als Spieler es nicht schaffen, in der Saison bisher alles auf den Platz zu bringen. Jeder einzelne Spieler muss sich da hinterfragen. Das ist das Einzige, was wir ändern müssen.“

Trainer Bauer macht sich Sorgen um den Verein

Interessant ist die Rollenverteilung bei den Verantwortlichkeiten. Trainer Bauer muss einen Qualitätsmangel verwalten, für den andere wie Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen verantwortlich sind. Im November hatte Bauer als Nachfolger des Niederländers Paul Simonis die Mannschaft übernommen, die eigentlich um einen Europapokal-Platz spielen sollte.

Mittlerweile gibt es erste Debatten, ob Bauer der richtige Mann für den Abstiegskampf ist. Die Zahlen und die Leistung der Mannschaft sprechen nicht für ihn. Dennoch stellten sich Sportdirektor Pirmin Schwegler und Geschäftsführer Christiansen hinter den Trainer.

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Bauer selbst zeigte sich unbeeindruckt von Fragen nach seiner Jobsicherheit: „Um meine Zukunft fürchte ich mich gar nicht. Ich fürchte um die Zukunft des Clubs.“ Ersatz-Kapitän Gerhardt sieht die Verantwortung klar bei den Spielern: „Ich glaube, am Ende war es die Mannschaft, die zu viele Trainer verschleißt.“

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der VfL Wolfsburg den historischen Absturz noch verhindern kann oder ob nach 29 Jahren Erstklassigkeit tatsächlich der Gang in die 2. Bundesliga bevorsteht.