Münchner Sieg in Dortmund: Die Bundesliga ist entschieden, jetzt beginnt Bayerns heiße Saisonphase
Durch den 3:2-Sieg beim BVB ist dem FC Bayern München die Meisterschaft in der Bundesliga wohl nicht mehr zu nehmen. Mit einem Vorsprung von elf Punkten bei noch zehn ausstehenden Spieltagen scheint der Titel so gut wie sicher. In München glauben die Verantwortlichen jedoch, dass in dieser Saison noch mehr möglich ist – vielleicht sogar das Triple.
Kimmichs verräterische Aussage und die stoische Ruhe der Bayern
Joshua Kimmich verriet sich nach dem Spiel in Dortmund. Auf die Frage nach dem nächsten Champions-League-Gegner Atalanta antwortete er, er habe "ehrlicherweise von Bergamo in dieser Saison noch nicht so viel gesehen". Dabei hatten die Italiener unter der Woche gegen Dortmund gespielt. Kimmich versuchte sich zu retten, indem er sagte, er sei "schon im Bett" gewesen, bevor ihm einfiel, dass das Spiel um 18.45 Uhr angepfiffen worden war. Sein Mundwinkel zuckte – er hatte das Spiel schlicht nicht gesehen.
Kimmich ist nicht für eine laxe Berufseinstellung bekannt. Doch das BVB-Spiel erschien ihm offenbar als versäumbar. Wer das Spiel in Dortmund sah, konnte manchmal zu eben jenem Schluss kommen. In der ersten Hälfte, als Dortmund mit 1:0 führte und Emre Can behandelt werden musste, wurde es im BVB-Team unruhig. Waldemar Anton diskutierte intensiv mit Marcel Sabitzer, der dann zu Trainer Niko Kovač lief. Kovač redete seinerseits auf Ramy Bensebaini ein. Die Bayern-Profis schauten sich all dies stoisch an – keine Debatten, nur geduldiges Schweigen. Die in Führung liegende Mannschaft wirkte hektisch, die im Rückstand ganz ruhig.
Die Dominanz der Bayern und die Mentalität des Erfolgs
Der FC Bayern drehte die Partie, und als Dortmund das 2:2 gelang, fand er abermals eine Antwort. So packend und wendungsreich dieses Bundesligatopspiel auch schien: In Wahrheit musste sich Dortmund weiter strecken als der Münchner Gast und verlor schließlich doch. Auf Augenhöhe begegnen sich die beiden besten deutschen Teams nicht. "Sie hätten nicht unser bestes Spiel gezeigt", sagte Kimmich in Dortmund. Für den BVB reichte es nicht.
Als ein Reporter nach Abpfiff die elf Punkte Vorsprung und die noch zehn ausstehenden Spieltage nannte und anfügte, dass da eigentlich nicht mehr so viel schiefgehen könne, lautete Kimmichs Antwort schlicht: "Ja." Trainer Vincent Kompany wurde später gefragt, ob man schon zum Titel gratulieren dürfe. Er antwortete: "Zu einem bedeutenden Sieg, ja. Aber zum Titel? Nein." Ab Montag gehe es wieder bei null los, sagte er, "das meine ich auch so. Das ist eine Mentalitätssache."
Kimmich und Kompany widersprachen sich nur scheinbar. Denn genau diese Mentalität haben die Bayern inzwischen verinnerlicht. Eben deshalb kann im Titelkampf tatsächlich nichts mehr schiefgehen. Umso härter arbeiten sie in München derzeit im Training. Es geht um die basalen Dinge im Kompany-Spiel, an der Umsetzung seiner Prinzipien. Denn es ist bei aller Dominanz nicht so, als schwebten die Bayern durch die Rückrunde.
Herausforderungen in der Defensive und bei der Integration
In den sieben Rückrundenspielen in der Liga kassierten die Münchner zehn Gegentore. In der Hinrunde gegen dieselben Teams waren es nur vier gewesen. Viele dieser Gegentreffer fallen nach ruhenden Bällen. In Dortmund war es das 1:0, eine hohe Hereingabe landete bei Nico Schlotterbeck, der Jonathan Tah entwischt war und dazu das Glück hatte, dass Harry Kane den Ball knapp verfehlte.
Es gibt Verteidiger, die hohe Bälle magnetisch anzuziehen scheinen, denen der Luftraum gehört. Trainer Vincent Kompany war mal so einer. Aktuell sucht er so jemanden in seiner Bayern-Elf vergeblich. Dayot Upamecano hat viele herausragende Qualitäten, aber das Kopfballspiel ist keines.
Hinzu kommt die Integration der Rekonvaleszenten. Jamal Musiala ist nach seiner langen Auszeit noch nicht wieder der Alte, gegen den BVB blieb er nach Einwechslung unauffällig. Auch Alphonso Davies spielte nach seiner Rückkehr aus einer schweren Verletzung durchwachsen, aktuell fällt er schon wieder aus. Beide müssen körperlich aufgebaut und in das Münchner System integriert werden. Daher die vielen Trainingseinheiten, in denen an Grundlegendem gearbeitet wird.
Der Blick nach vorn: Champions League und Triple-Chance
Vielleicht erklärt das auch, wieso Kimmich unter der Woche nicht dabei zuschaute, als der BVB in Bergamo spielte. Die Bayern schauen nur auf sich. Wenn sie ihre Normalform erreichen, schlagen sie die meisten Gegner. Interessant wird es, wenn der FC Bayern auf jemanden trifft, für den er besser als normal gut spielen muss.
Im März stehen die Partien gegen Atalanta in der Champions League an, zunächst am 10. in Bergamo. Danach würde der Sieger der Begegnung zwischen Real Madrid und Manchester City warten, also Kylian Mbappé oder Erling Haaland. In einem möglichen Halbfinale könnte es zum Duell mit Titelverteidiger Paris Saint-Germain oder dem FC Liverpool kommen. Die Auslosung hätte den Bayern keinen schwierigeren Weg ins Champions-League-Finale bescheren können.
Trotzdem ist in München der Glaube gewachsen, dass in dieser Saison sogar das Triple möglich ist. Madrid und Man City, Liverpool und PSG, sie alle sind nicht so stark, wie es in den vergangenen Jahren schon gewesen ist. Zunächst aber steht am Freitag das Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach an. Unter der Woche können sie in München in Ruhe trainieren. Wenn alles gut läuft aus Bayern-Sicht, ist es die letzte Wochenmitte ohne Fußballspiel bis Mitte Mai.



