Forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh: Warum wir Tätern oft vertrauen
Forensische Psychiaterin: Warum wir Tätern vertrauen

Forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh über Gewalt und Vertrauen

Gewalt ist nicht immer offensichtlich. Sie kann auch von Menschen ausgehen, denen wir vertrauen – ein Phänomen, das viele verunsichert. Die forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh spricht im Interview mit Heike Klovert über diese Diskrepanz und erklärt, warum wir dazu neigen, Täterverhalten zu entschuldigen.

Die Illusion des äußeren Erscheinungsbilds

Nahlah Saimeh betont: „Wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass wir anderen ihre Taten ansehen könnten.“ Oft glauben wir, dass Gewalttäter durch äußere Merkmale erkennbar sind, doch das ist ein Trugschluss. Viele Täter wirken vertrauenswürdig und integriert, was es schwierig macht, ihre Handlungen vorherzusehen.

Warum wir Täterverhalten entschuldigen

Menschen neigen dazu, Verhalten von vertrauten Personen zu rationalisieren oder zu bagatellisieren. Dies geschieht aus verschiedenen Gründen:

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  • Emotionale Bindung: Wir wollen nicht glauben, dass jemand, den wir mögen, schädlich sein könnte.
  • Kognitive Dissonanz: Die Diskrepanz zwischen unserem positiven Bild einer Person und ihren negativen Handlungen erzeugt Unbehagen, das wir durch Entschuldigungen reduzieren.
  • Sozialer Druck: In Gemeinschaften kann es als unangemessen gelten, Kritik an Mitgliedern zu üben, was zu Schweigen oder Verharmlosung führt.

Saimeh erklärt, dass dieser Mechanismus oft unbewusst abläuft und dazu beiträgt, Gewalt in vertrauten Beziehungen zu verschleiern.

Praktische Ansätze zum Umgang mit der Diskrepanz

Um mit dieser Herausforderung umzugehen, empfiehlt Saimeh einen bewussteren Umgang mit Vertrauen und Misstrauen. Sie plädiert dafür, auf Warnsignale zu achten, ohne in Paranoia zu verfallen. Dazu gehören:

  1. Beobachtung von Verhaltensmustern über die Zeit hinweg, anstatt sich auf erste Eindrücke zu verlassen.
  2. Offene Kommunikation in Beziehungen, um Probleme frühzeitig anzusprechen.
  3. Professionelle Unterstützung suchen, wenn Gewalt vermutet wird, etwa durch Beratungsstellen oder forensische Experten.

Diese Ansätze können helfen, die Lücke zwischen Vertrauen und Realität zu schließen und potenzielle Gefahren früher zu erkennen.

Fazit: Ein realistischer Blick auf menschliches Verhalten

Die Erkenntnisse von Nahlah Saimeh unterstreichen, dass Gewalt komplex und oft verborgen ist. Indem wir uns von simplen Stereotypen lösen und stattdessen auf Verhaltensanalysen setzen, können wir besser mit Risiken umgehen. Dies erfordert Mut zur kritischen Reflexion, aber es ist ein notwendiger Schritt, um Sicherheit und Vertrauen in sozialen Beziehungen zu wahren.

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